Neuer Direktor für das Filmfestival Locarno

Der Nachfolger von Olivier Père ist gefunden: Carlo Chatrian, erneut ein Filmkritiker, wird neuer Direktor des Filmfestivals Locarno.

Der neue Maestro der Piazza Grande: Carlo Chatrian.

Der neue Maestro der Piazza Grande: Carlo Chatrian. Bild: RSI

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Marco Solari, Präsident des Filmfestivals Locarno, hat wohlweislich einen möglichen Nachfolger für Direktor Olivier Père in der Hinterhand gehabt. Die Reaktionen fielen durchwegs positiv aus, als Carlo Chatrian vorgestellt wurde.

Als «gute Lösung» bezeichnete Ivo Kummer, Chef der Sektion Film im Bundesamt für Kultur (BAK), die Ernennung des italienischen Filmkritikers mit Jahrgang 1971. Die Verantwortlichen hätten in kurzer Frist ein Gesicht gefunden, das «zu Locarno passt».

Die Amtszeit von Chatrians Vorgänger Olivier Père sei zu kurz geblieben, betonte Kummer. Er hoffe, dass Chatrain das Festival auf längere Zeit hin werde prägen können. Als Norditaliener verfüge der neue Direktor über «kulturelle Bezüge» zur Schweiz.

Das Festival bleibe international

Chatrian erklärte vor den Medien, dass er die von Père eingeschlagene Linie weiterverfolgen wolle. Die Formel, verschiedenen Genres in Locarno eine Plattform zu geben und Populäres mit Experimentellem abzuwechseln, sei erfolgreich, sagte Chatrian. Das gelte auch für das Angebot auf der Piazza Grande.

Das Festival bleibe international, betonte der neue Direktor. Die Aufhebung von Grenzen in Locarno sei für ihn eine Eigenschaft der Veranstaltung, die ihn von Anfang an fasziniert habe. Dennoch solle auch das Schweizer Filmschaffen ein Schwerpunkt bleiben.

Einstimmiger Entscheid

Darauf angesprochen, dass in den vergangenen Jahren die künstlerischen Leiter in Locarno in immer kürzeren Abständen das Festival wieder verliessen, sprach Chatrian von einer langfristigen Zusammenarbeit, auf die er hoffe. Er tritt sein Amt am 1. November an.

Der Italiener sei keine Notlösung, betonte Festivalpräsident Solari. Er habe Chatrian schon länger für diese Position im Blick gehabt. Zwar habe ihn der plötzliche Weggang von Père, der einen Posten beim TV-Sender Arte France Cinéma antritt, sehr überrascht.

Doch wie bei grossen Unternehmen sei es für ein solch bedeutsames Festival notwendig, für alle Schlüsselpositionen Ersatz in der Hinterhand zu haben, sagte Solari. Im Verwaltungsrat habe es hinsichtlich der Nominierung Chatrians keine Zweifel gegeben. Der Entscheid sei einstimmig ausgefallen.

Auch in Nyon tätig

Der Filmautor ist im Tessin kein Unbekannter, war er doch bereits bisher sporadisch für das Festival del film tätig. Dieses Jahr kuratierte er die Otto-Preminger-Retrospektive, davor etwa 2009 die Sparte «Manga Impact», die nicht auf ungeteilte Zustimmung stiess. Von 2006 bis 2009 war er zudem Mitglied der Auswahlkommission.

Seit Beginn der 1990er Jahre schreibt Chatrian regelmässig für Fachzeitschriften wie Filmcritica, Duellanti, Cineforum und leitet ausserdem die Publikation Panoramiques. Der gebürtige Turiner ist zudem Autor von mehreren Biographien bekannter Regisseure.

Von 2001 bis 2007 war er Vizedirektor des Alba Film Festivals. Er gehörte in seiner Karriere auch schon den Auswahlkommissionen des Festivals dei Popoli in Florenz, einer Dokfilm-Veranstaltung, und des Festivals Visions du Réel in Nyon an.

Wieder ein Italiener

Seraina Rohrer, Direktorin der Solothurner Filmtage, betont die internationale Erfahrung Chatrians, mit dem sie als ehemalige Medienchefin des Filmfestivals Locarno gut zusammengearbeitet habe. Sie sei «enorm gespannt» auf die kommende Ausgabe.

Nach dem Franzosen Père (2010-2012) und dem Schweizer Frédéric Maire (2006-2009) leitet nun wieder ein Filmkritiker aus Italien die Grossveranstaltung – fast zehn Jahre nach der Amtszeit von Irene Bignardi (2001-2005), wie Rohrer in Erinnerung rief. (bru/sda)

Erstellt: 04.09.2012, 11:57 Uhr

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