Psychologisches Adrenalin fürs Oscar-Rennen

In Beverly Hills wurden gestern Nacht die Golden Globes verliehen. Die Höhe- und Tiefpunkte der Gala.

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Der kühnste Moment der 71. Golden Globes ist der: Moderatorin Tina Fey sagt: «Lasst uns Leonardo DiCaprio so warm begrüssen, wie das die Vagina eines Supermodels tun würde!» Wovon DiCaprio ja nachweislich eine ziemliche Ahnung hat. Frech! Und sonst? Drew Barrymore ist schwanger. Emma Thompson spielt betrunken. Kerry Washington ist schwanger. Robert Redford benutzt ganz sicher kein Botox, Angelina Jolies Vater, Jon Voight (bester Nebendarsteller einer TV-Serie in «Ray Donovan»), ganz sicher. Olivia Wilde ist schwanger. Ben Affleck ist nicht schwanger, hat aber trotzdem zugenommen. Jacqueline Bisset, die einen Golden Globe als beste Nebendarstellerin einer TV-Serie («Dancing on the Edge») gewinnt, ist vielleicht betrunken, aber so schlimm, wie es die Onlineportale im ebenso prüden wie trüben Morgengrauen angekündigt hatten, wars wirklich nicht. Sie ist halt eine Diva! Aus Europa! Wo auch Filmstars gern mal ein Glas Alkohol trinken, Mann! Als Diane Keaton stellvertretend für Woody Allen den Cecil B. DeMille Award für Allens Lebenswerk entgegennimmt, twittert Allens Ex Mia Farrow, spätestens jetzt sei es Zeit, zum Start der 3. Staffel von «Girls» umzuschalten.

Alfonso Cuarón, der für «Gravity» als bester Regisseur ausgezeichnet wird, entschuldigt sich bei seiner Hauptdarstellerin Sandra Bullock für seinen unverständlichen Akzent. Er hatte ihr beim Dreh gesagt: «Sandra, I’m going to give you an ear-piece.» Sie hatte verstanden: «I’m going to give you herpes.» Und als die grossartige Robin Wright, diese eiskalte Lady Macbeth an der Seite von Kevin Spacey in «House of Cards» ihre Trophäe als beste Hauptdarstellerin einer TV-Serie entgegennimmt, da sieht man deutlich die Textilkleber, mit denen ihr Kleid rund ums Décolleté herum befestigt ist. Aber egal. «Breaking Bad» gewinnt posthum als beste Serie und Bryan Cranston als bester Serienheld. Elisabeth Moss wird als Ermittlerin in «Top of the Lake» ausgezeichnet und Michael Douglas selbstverständlich als Liberace in «Behind the Candelabra».

«A win is a win»

Der Supermodel-Auskenner gewinnt mit der Rolle des fiesen Brokers «Wolf of Wall Street», der längst fällige Matthew McConaughey für «Dallas Buyers Club», Cate Blanchett – «man versorgte mich beim Dreh mit so viel Wodka, wie man wohl einst Judy Garland mit Beruhigungsmitteln versorgt hatte» – ist als geschiedene Trinkerin in «Blue Jasmine» sowieso eine Klasse für sich. Die Seventies-Agenten-Komödie «American Hustle» ist mit drei Golden Globes (für Amy Adams, Jennifer Lawrence und als bester Unterhaltungsfilm) der überraschende Hauptgewinner des Abends. Und eeeendlich, ganz zum Schluss der dreistündigen Übertragung, geht der wichtigste Preis der 71. Golden Globes, der für den besten Film, an «12 Years a Slave» (TA vom 8.1.). Und Regisseur Steve McQueen, der bis dahin alles grimmig beobachtet hat, auch die kenntnisreiche Anmoderation seines Films durch Reese Witherspoon, strahlt erlöst. «I’m a little bit in shock», sagt er und bedankt sich bei seiner Frau Bianca («thank you darling»), die für ihn die Memoiren des freien schwarzen Musikers Solomon Northup, der zum Sklaven gemacht wird, entdeckt hatte.

Auf die Oscars am 2. März haben die Golden Globes übrigens nur einen psychologischen Einfluss. Die Oscar-Nominationen, die am Donnerstag verkündet werden, stehen schon seit Mittwoch letzter Woche fest, und zwischen den beiden Jurys gibt es keine Überschneidungen. Aber, so analysierte dies «Entertainment Weekly»: «12 Years a Slave» habe ein wenig Adrenalin gebraucht, um ins Oscar-Rennen zu gehen, und das sei nun geschafft – «a win is a win».

Erstellt: 13.01.2014, 13:27 Uhr

Nach dem Oscar gelten die Globes als wichtigste Trophäe der Filmindustrie. Und sie sind die Leistungsschau für Kino und Fernsehen. (Video: Reuters )

Bissets Rede

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