Schneller Sex, langsame Liebe

«Easy Love» zeigt, wie die Millennials sich bei der Partnersuche verlieren.

Die Millennials in «Easy Love» sind hedonistisch und gleichzeitig einsam: Sören (rechts) hat mal wieder ein Mädel erobert. Foto: Xenix Film

Die Millennials in «Easy Love» sind hedonistisch und gleichzeitig einsam: Sören (rechts) hat mal wieder ein Mädel erobert. Foto: Xenix Film

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Easy ist in diesem Film natürlich gar nichts. Schon gar nicht die Liebe. Für die Generation Y, also Menschen zwischen Mitte 20 und Ende 30, ist sie offenbar noch komplizierter als für alle anderen. Dieser Altersgruppe wird nachgesagt, sie wolle sich nicht binden, weil sie stets hoffe, noch etwas Besseres zu finden. «Generation Beziehungsunfähig» nennt man sie, oder auch Mimimillennials, weil sich hinter dem hedonistischen Getue gern eine äusserst empfindliche Seele verberge.

Der deutsche Regisseur Tamer Jandali, mit 43 Jahren nur wenig älter als seine Protagonisten, geht dem Beziehungsverhalten der jungen Städter nun in einer Art dokumentarischen Feldstudie nach: Die sieben jungen Frauen und Männer, die er für seinen Film «Easy Love» mit der Kamera begleitet hat, sind keine Schauspieler, sondern Laien, die sozusagen sich selbst spielen. Der dokumentarische Spielfilm ist Jandalis erstes Werk.

Der Trailer zu «Easy Love». Video: Xenix Film

Wir sehen darin vier Beziehungskonstellationen und die Tücken, die sie bergen: die junge Stella führt mit ihrem Freund eine offene Beziehung und will offen und aufgeschlossen sein, muss aber manchmal ohnmächtig zusehen, wie die Eifersucht sie verschlingt. Die ebenso mädchenhafte Sophia lässt sich für Sex bezahlen und sagt, sie fühle sich den Männern überlegen. Sie bekommt aber einen leeren Blick, als die Therapeutin nach einer Situation fragt, in der sie sich von einem Mann angenommen oder gut behandelt gefühlt habe.

Sören, der Älteste der Protagonisten, hat zu Beginn keine Wohnung, und das ist durchaus metaphorisch zu verstehen: Er wirkt verloren und heimatlos, immer auf der Suche nach dem nächsten Flirt. Zu diesem Zweck streift er auch schon mal über den Flohmarkt, und am Ende hat er in der Regel ein Mädchen im Bett; ihm zuliebe lassen sich die Frauen auch auf ungewohnte Sexpraktiken ein. Und da sind Pia und ihre Freundin Lenny, sie müssen feststellen, dass Verliebtheit noch keinen funktionierenden Pärchenalltag garantiert.

Neugierig und verunsichert

«Fast Sex, Slow Love» hat die amerikanische Anthropologin Helen Fisher das Beziehungsverhalten der Millennials einmal treffend umschrieben, und diesen Eindruck vermittelt auch die freizügige Dokufiktion. Pragmatisch und ohne Scheu zeigen sich die Darsteller, wenn es darum geht, die Spielarten der körperlichen Liebe zu erproben: One-Night-Stands, Dreier, käuflicher Sex, alles kein Problem.

Komplizierter wirds, wenns um die Gefühle geht. Die jungen Menschen müssen erkennen, dass die grenzenlose Freiheit eben auch bedeutet, dass Sicherheiten wegbrechen. Sie sind neugierig und zweifelnd, fordernd und einsam.

Sophia schläft für Geld mit Männern. Und bekommt deswegen Streit mit ihrer Mutter. Foto: Xenix Film

Man kann das unromantisch finden. Vielleicht ist es aber auch einfach sehr idealistisch. Denn dahinter verbirgt sich die Suche nach der idealen Beziehungsform. Nicht nur bezüglich Partnerschaft vertreten Millennials oft sehr traditionelle Werte: Sie träumen vom eigenen Haus, wünschen sich Kinder, sorgen sich um die Altersversorgung, und ja, sie wollen die grosse Liebe. Im Film halten sie daran fest und nehmen dafür viel in Kauf: Sie streiten und weinen, sie zweifeln und hinterfragen sich – alles nur, weil sie sich nicht mit dem Pauschalarrangement zufriedengeben wollen, sondern auf das perfekte Glück warten.

Das ist dann schon fast wieder zu romantisch. Und auf jeden Fall alles andere als easy.

«Easy Love», von Tamer Jandali, D/2019; 89 min., Filmstart Deutschschweiz 24. Oktober.

Erstellt: 24.10.2019, 08:20 Uhr

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