Seine Zombies hatten Würde

Der amerikanische Regisseur George A. Romero, der Meister des Zombie-Films, ist am Sonntag im Alter von 77 Jahren gestorben.

Er wusste, dass jeder Zombie einmal als Mensch angefangen hat: Regisseur George A. Romero, der 77-jährig gestorben ist.

Er wusste, dass jeder Zombie einmal als Mensch angefangen hat: Regisseur George A. Romero, der 77-jährig gestorben ist. Bild: Amy Sancetta/Keystone

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George Andrew Romero, geboren 1940 in New York, gestorben am letzten Sonntag oder vielleicht doch nicht ganz gestorben (wer kann sicher sein bei einem, der so oft mit den Untoten vertrauten Umgang pflegte?), galt und wird weiter gelten als eines der Genies des Horrorfilms. Und unter diesen Genies, wie man wohl sagen darf, als der wahre Zenmeister jener Gattung, in der für die Welt immer Matthäi am Letzten ist, weil die Gräber sich aufgetan haben und die Toten aus ungeklärten, vielleicht viralen, Ursachen tollwütig werden und um sich beissen in Zombiegestalt.

Sie wissen schon: Wer gebissen wird, wird wie sie, erst stirbt er, dann wird er menschenfresserisch, und diese pandemische Bissigkeit kann nicht geheilt werden, sondern nur beendet, indem man dem einzelnen Zombie das Gehirn wegschiesst; so brutal und einfach und verwesungsduftend. Der Filmemacher Romero aber hat sich immer daran erinnert, dass auch so ein Zombie einmal als Mensch angefangen hat. Er gönnte ihm auf eine feine, ironische Art ein ganz individuelles kannibalisches Vor-sich-Hinfaulen, und er gab dem monströsen Verfall Würde und dem Genre die lyrische Kraft der Metapher und ein paar wirklich schöne Momente der Besinnung über eine Menschenwelt, die sich selbst verschlang.

Bitter lächerliche Traurigkeit

Zum Beispiel im Film «Dawn of the Dead» (1978), dem zweiten, wahrscheinlich dem besten aus einer sechsteiligen Zombie-Reihe (nach «Night of the Living Dead», 1968, vor «Day of the Dead», 1985, und ein Blutfluss voller horrorpsychologischer Tiefen und Untiefen zog sich dann hin bis zu «Survival of the Dead», 2009): Es verschanzte sich da eine Gruppe Überlebender im menschlichen Sinn in einem dieser enormen amerikanischen Einkaufszentren (praktischerweise eines mit einer Waffenabteilung), also in einem Konsumtempel der Zivilisation, die daran war, den Löffel abzugeben; und wie nun ein Häufchen übrig gebliebenes Leben auf eine Masse von Lebenssimulationen traf, das war vollendeter Romero.

Die Hysterie der Abschlachtungen, die auch schon fast ins Komische kippte, mischte sich mit einer konsumkritischen Überkomik. Man sah, und es war hinreissend und ging weit über Schreckenspornografie hinaus, wie die Zombies in ihrer charaktervollen Entseeltheit durch Ladenpassagen taumelten, die verwesende Kundschaft von einst und so, als habe der Blutrausch den Kaufrausch ersetzt. Bitter lächerliche Traurigkeit lag über diesen Wesen und der Demonstration ihres Fressverhaltens.

Vegetarisch anmutende Fleischesgier

Mein persönlicher Liebling war ja immer dieser fauliggraue Hare-Krishna-Jünger, dessen versonnene Fleischesgier einem sehr friedsam schien, wenn nicht sogar vegetarisch. Und meine Lieblingsszene die, in der einem abgerissenen, sich bereits zersetzenden Arm der Blutdruck gemessen wurde. Eleganter absurd haben sich Hoffnungslosigkeit und Weltverlorenheit selten ausgedrückt.

Ja wir haben wirklich einen Meister des hintergründigen Tötelns verloren. Der Zombie-Film, sagte er einmal, sei die Falle, in der er sich als Künstler selbst gefangen habe und die er gelernt habe zu lieben. George Romero starb 77-jährig in Toronto. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2017, 13:12 Uhr

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