Rezension

Semper pugno

Nächste Woche startet der neue «Star-Trek»-Film «Into Darkness»: Ein witziges Actionspektakel – mit einer einzigen Schwäche.

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Der letzte «Star Trek»-Film war ziemlich geerdete Science-Fiction. Während die Abenteuer der TV-Serie Lichtjahre von der Erde entfernt spielten und die Enterprise höchstens aufgrund einer Anomalie im Raum-Zeit-Kontinuum auf dem Heimatplaneten landete, zeigte Regisseur J.J. Abrams darin, wie die Crew der Enterprise auf der Akademie der Sternenflotte zusammen fand.

Hier knüpft der 12. Film der Reihe an. Jim Kirk, inzwischen Captain der Enterprise, soll einen Planeten vor dem Untergang durch einen Vulkanausbruch bewahren. Als sein erster Offizier und Freund Spock auf der Planetenoberfläche in Todesgefahr gerät, löscht er den Vulkanausbruch mithilfe der Enterprise – und missachtet so die oberste Direktive der Föderation: keinen Kontakt mit einer Spezies, die noch nicht raumfahrttauglich ist. Doch der Schaden hält sich in Grenzen. Das steinzeitliche Volk interpretiert die Enterprise als Manifestation einer Gottheit. Erich von Däniken lässt grüssen.

Liebevolle Schilderung

«Star Trek» steht traditionellerweise für Werte wie Völkervereinigung, Forschung und Fortschritt. Im Unterschied zum Rivalen «Star Wars» zeichnet sich die Reihe nicht durch herzige Mönsterchen und ein in Gut und Böse unterteiltes Universum aus, sondern setzt auf Wurmlöcher und einigermassen plausible Technologien wie Beamen oder den Warp-Antrieb. Was bei diesem Dualismus oft vergessen geht, ist eine weitere Neigung der «Star Trek»-Geschichten: die liebevolle Schilderung der Beziehungen zwischen den Crew-Mitgliedern.

Seit Jahrzehnten zelebriert man etwa die Freundschaft zwischen Logiker Spock und Raubein Kirk. Im neuen Film bleibt dies unverändert, wie eine hübsche Szene zwischen den beiden zeigt. Nachdem ihm Kirk durch Vorschriftsmissachtung das Leben gerettet hat, verpfeift Spock, der als Vulkanier nicht lügen kann, seinen Freund beim Vorgesetzten. Kirk ist eine Weile wütend, nimmt Spock jedoch trotzdem in seine neue Crew auf. «Wieso?», fragt Spock irritiert. Kirk: «Ich habe Sie vermisst.» Es ist nicht die einzige emotional verwirrende Situation für Spock. Seine rassige Freundin, Lieutenant Uhura, ist auch sauer auf ihn.

Futuristische Architektur

Lange hält das Schmollen nicht an, dafür bleibt keine Zeit. Kurz nach der Dienstverweigerung macht der Bösewicht seine Aufwartung. Gespielt vom britischen Sherlock-Holmes-Darsteller Benedict Cumberbatch, ist der Schurke ausnahmsweise menschlich. Zumindest fast. Cumberbatch ist ein toller Schauspieler und sein Bösewicht durchaus angsteinflössend, aber die Rolle steht stellvertretend für die einzige Schwäche im Film: «Star Trek» gehört ins All, am besten in einen weit entfernten Quadranten. Zwar gehören die Bezüge zur Erde zur Filmreihe (und die futuristische Architektur San Franciscos ist in der Tat imposant), aber es täte gut, sich langsam auf die alten Serientugenden beziehungsweise das Motto der Sternenflotte «semper exploro» (unaufhörlich erforschen) zu besinnen. «Semper pugno» (unaufhörlich kämpfen) kann man «Star Wars» überlassen.

Das weiss auch J.J. Abrams – am Ende des Films ertönt im Off als Ausblick auf den nächsten Film der Vorspann der Originalserie aus den 60ern: «Der Weltraum, unendliche Weiten, das ist die Geschichte des Raumschiffs Enterprise…» Doch wir wollen uns nicht beklagen. «Into Darkness» bietet viele gelungene «one liner» und noch mehr Action, zum Beispiel eine Art Meteoritensurfen und den obligatorischen Warp-Kern, der unter grossem Getöse bröckelt. Und haben wir Spocks Wutanfall schon erwähnt? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.05.2013, 09:53 Uhr

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