Sennentuntschis letztes Hemd

Regisseur Michael Steiner steht mit seinem neuen Film «Sennentuntschi» vor der Pleite. Schauspieler warten auf ihre Gage, andere sollen ihr Geld unrechtmässig bezogen haben. Jetzt soll eine Revision Klarheit schaffen.

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So tönt kein umtriebiger, erfolgreicher Filmemacher. Michael Steiner, mit «Grounding» und «Mein Name ist Eugen» vor ein paar Jahren eigentlicher Auslöser des Schweizer Filmwunders, wirkt geknickt, seine Stimme am Telefon schwach. Was in den letzten Wochen und Monaten passiert ist, hat ihn stark gezeichnet.

Mit seinem neuen Film «Sennentuntschi» ist er in arge Geldschwierigkeiten geraten. Der Film ist zwar abgedreht, aber Schauspieler, Crewmitglieder und andere Gläubiger sitzen ihm mit Geldforderungen im Nacken. Es fehle mehr als eine Million Franken, sagte Steiner vor einem Monat. Seither hat der Regisseur unzählige Marathon-Sitzungen hinter sich.

Erneute Überprüfung der Finanzen

Eine Lösung hat sich aber bisher nicht ergeben. Im Gegenteil. In der Szene wird gar gemunkelt, ein Mitglied der Crew habe sich mit Geld davongemacht. «Das stimmt so nicht», sagt Gilles Tschudi, der als Präsident des Berufsverbandes der professionellen Filmschaffenden der Schweiz (SSFV) einen Teil der Gläubiger vertritt. «Aber es gibt jemanden, der sein zu Recht beanspruchtes Geld vollständig bezogen hat, während andere auf ihr Geld warten». Michael Steiner will dazu nichts sagen. Nur, dass nun auf Verlangen der Investoren, Koproduzenten und Förderer wiederum die Finanzen überprüft werden. «Die Revision wird Klarheit schaffen», meint er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Sechs Wochen dauert die Revision, erst dann entscheidet sich, ob und wie es mit dem Projekt weitergeht. Der grösste Geldgeber, das Bundesamt für Kultur (BAK), möchte sich noch nicht festlegen, ob es weiteres Geld einschiesst. «Wir brauchen erst noch weitere Informationen und Lösungsvorschläge von Herrn Steiner, bevor wir entscheiden», sagt Olivier Müller, Leiter der selektiven Filmförderung beim BAK.

Zur Betreibung gezwungen

Die Situation wird zunehmend eng. Gilles Tschudi sagt, er sei von Gesetzes wegen gezwungen, innerhalb von sechs Monaten eine Betreibung für die Löhne der Mitarbeiter einzuleiten, ansonsten verfallen ihre Forderungen als Gläubiger ersten Grades. «Es ist aber überhaupt nicht in unserem Interesse, dem Film zu schaden. Wir wollen, dass er ins Kino kommt.»

Steiner gibt sich optimistisch, dass es der Film trotz allem noch in die Kinos schafft. «Zurzeit sind wir nur zwei Wochen im Rückstand, durch die Revision steht das Projekt nun weitere sechs Wochen still.» Der Film sollte gemäss Plan Ende dieses Jahres in die Kinos kommen, wahrscheinlich wird es nun Anfang 2010. Das hofft zumindest Steiner – und mit ihm die gesamte Schweizer Filmszene. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.03.2009, 14:45 Uhr

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