Sie ist jetzt die Unvergessliche

Die Tessiner Schauspielerin Carla Juri hat in «Blade Runner 2049» ihren Star-Moment.

Als Dr. Ana Stelline erschafft Carla Juri Erinnerungen für Replikanten. Foto: PD

Als Dr. Ana Stelline erschafft Carla Juri Erinnerungen für Replikanten. Foto: PD

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Es sind zusammengenommen wahrscheinlich weniger als 15 Minuten, während deren Carla Juri in «Blade Runner 2049» zu sehen ist. Wir entdecken sie zuerst in einem Dschungel, aber wir wissen schon, dass es diesen in der ökologisch verwelkten Zukunft der «Blade Runner»-Welt gar nicht geben kann. Es ist eine Simulation, und wer denkt sich so etwas aus? Es ist die Erinnerungsingenieurin Dr. Ana Stelline, gespielt von Carla Juri.

Der Dschungel ploppt weg, und jetzt sehen wir Ana, die ein bisschen wie ein autistisches Kind in einem weiss gefluteten Laborraum hinter einem Schaufenster sitzt. Sie tut nichts anderes, als sich mittels einer Art Makroobjektiv, das sie um den Hals trägt, hochpräzise Erinnerungen auszudenken. Die kann man dann den Replikanten einpflanzen, damit sie sich an etwas halten können: Ana arbeitet für den Grossindustriellen Wallace, den Elon Musk des Androiden-Engineering. Sie kann zum Beispiel einen Kindergeburtstag herstellen. Gelächter, Kuchenkerzen, ein Mund, der pustet, fertig ist das Sehnsuchts-Simulakrum, designt von der Erinnerungsmacherin.

Natürlich ist das eine Metapher fürs Kino: unvergessliche Szenen zu schaffen. Es ist auch die beste Methode, um Filmstars hervorzubringen, und die 32-jährige Carla Juri ist jetzt auf dem besten Weg dazu. Sie hat eine Rolle bekommen, für die sie sich gegen bestimmt nicht wenige Mitbewerberinnen durchsetzen musste. Gegenüber den Medien hat sie kein Wort darüber verlieren dürfen, was ihre Funktion im Plot von «Blade Runner 2049» sein könnte.

Dreisprachig aufgewachsen

Dabei hatte sie bislang wenig Auftritte, die international besonders stark beachtet worden wären. Wegen Annemarie, des Mädchens aus reichem Haus in «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» von Xavier Koller, ist man in Hollywood kaum auf sie aufmerksam geworden. Das änderte sich aber, als Juri 2013 die Hauptrolle in der Literaturver­filmung «Feuchtgebiete» spielte und am Festival in Locarno ein Interview nach dem anderen über die Einsamkeit einer Frau und ihre Ferkeleien gab. Regisseur Denis Villeneuve hat sich den Film angesehen und sie deshalb zum Vorsprechen für «Blade Runner 2049» eingeladen.

Juri hat auch in US-Independent-Filmen mitgespielt; sie wuchs dreisprachig in Ambri auf, spricht Deutsch, Italienisch, Englisch, und verbrachte ein Jahr an einer US-Highschool, bevor sie unter anderem in Los Angeles die Schauspielschule besuchte.

So, wie sie jetzt die Gedächtniszauberin spielt, sanft und fast entrückt, ein Hightech-Hippie, so wirkt Carla Juri wie das menschliche Herz inmitten eines spektakulär durchgestalteten Zukunftsentwurfs. Und dann kommt dieser Star-Moment, in dem für Ana Offenbarung und Verstehen zusammenfliessen. Und das haben wir jetzt absichtlich so umständlich formuliert, damit es dann nicht heisst: Jetzt haben sie uns auch noch unsere Carla Juri gespoilert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.10.2017, 23:21 Uhr

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