Tom Cruise auf Zeitreise

Als saufender Rockstar ist Tom Cruise die Attraktion in «Rock of Ages». Mit der Musical-Verfilmung kehrt der Hollywood-Star in die Anfangszeit seiner Karriere zurück: In die 80er-Jahre.

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Schulterpolster, Neonfarben, oder Dauerwelle – Die 80er-Jahre haben in erster Linie Modesünden hervorgebracht. Sie sind aber auch die Wiege der Karriere eines gewissen Thomas Cruise Mapother IV, besser bekannt als Tom Cruise. Mit dem Fliegerstreifen «Top Gun» stürmte der Jungspund 1986 weltweit an die Spitze der Kinocharts und untermauerte zwei Jahre darauf sein Sonnyboy-Image mit «Cocktail», einem weiteren Blockbuster. Ein Superstar war geboren. Genau zwischen seinen ersten beiden Hits ist das Musical «Rock of Ages» angesiedelt. Zweieinhalb Jahrzehnte nach seinem Durchbruch kehrt Cruise als durchgeknallter Rockstar Stacee Jaxx ins Jahr 1987 zurück. Nicht mit mehr als seinen drei verschiedenen Gesichtsausdrücken, auf die er damals schon reduziert war, aber dafür immerhin ohne Playback.

Die Geschichte in «Rock of Ages» ist drittrangig. In der Verfilmung des gleichnamigen Broadway-Musicals hat Regisseur Adam Shankman («Hairspray», «Wedding Planner») die Nebenrollen mit den Stars besetzt: An der Seite von Cruise zeigen Catherine Zeta-Jones, Alec Baldwin und Paul Giamatti ihr sängerisches Können. Die Liebesgeschichte um Sherrie (Julianne Hough) und Drew (Diego Boneta) ist, wie es sich für ein Musical gehört, einfach gehalten. Eine Blondine vom Lande – in diesem Fall Oklahoma – zieht in die grosse Stadt aus – nach Los Angeles –, um Sängerin zu werden, verliebt sich dann aber in einen Nachwuchsrocker.

Der Soundtrack ist der Star

Schauplatz der Story ist der legendäre «Bourbon Room», die letzte Bastion des Rock 'n Roll und Dorn im Auge der Konservativen, welche den «Teufel Heavy Metal» aus der Stadt jagen wollen. Und damit wären wir bei dem eigentlichen Protagonisten des Films: der Rockmusik. Der Plot wurde um die Hits von Def Leppard, Foreigner, Journey, Poison, Red Speedwagon und Twisted Sister gebaut. Auch sie verkörpern die 80er-Jahre und werden von den Schauspielern toll nachgesungen, was in erster Linie den beiden jungen Hauptarstellern hervorragend gelingt.

Die Tagline auf dem Plakat zeigt schon den Anspruch des Films: «Nothin' but a good time». Das Musical nimmt sich überhaupt nicht ernst – wie auch Cruise, der als herrlich überzeichneter Axl-Rose-Verschnitt zwischen Whiskey und Groupies sowie einem Pavian als Begleiter eine gute Figur macht und sogar ganz passabel singt. Eine Charakterrolle ist es zu seinem Glück nicht, ebensowenig wie eine Hauptrolle. Dafür würde sein Gesangstalent wohl nicht ganz ausreichen. Der Film aber ist sehenswert, vor allem dann, wenn man jene Zeit selbst miterlebt und die Hits noch im Ohr hat. «Rock of Ages» ist nicht nur für Tom Cruise eine Rückkehr in die 80er-Jahre, sondern auch für den Zuschauer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.06.2012, 13:14 Uhr

Der Kinotrailer zu «Rock of Ages». (Video: Warner Bros.)

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