Hintergrund

Triumph eines Unterschätzten

Jahrelang galt Matthew McConaughey nur als muskelbepackter Hollywoodschönling. Nun ist er für seine Rolle als aidskranker Cowboy in «Dallas Buyers Club» für einen Oscar nominiert.

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Bereits vor zwanzig Jahren wurde das Drehbuch zu «Dallas Buyers Club» in Hollywood herumgereicht. Finanzieren wollte die Geschichte über einen homophoben, zynischen Cowboy, der 1985 die Aidsdiagnose und noch 30 Tage Lebenszeit prognostiziert bekommt, damals niemand. Jahre später waren Leonardo DiCaprio und Brad Pitt im Gespräch für die Hauptrolle. An Matthew McConaughey dachte niemand.

Dabei wusste der Texaner mit dem «hey» im Nachnamen, das übrigens genau so ausgesprochen wird, bereits vor zehn Jahren: Diese Rolle muss er spielen. Er habe seinen Agenten angefleht, so erzählt der heute 44-Jährige der FAZ: «Lass mich nicht eines Tages im ‹Hollywood Reporter› lesen, dass jemand anderes die Rolle bekommen hat.»

Die McConaissance

Nun wird McConaughey für seine Verkörperung des Ron Woodroof als Favorit für einen Oscar gehandelt. Verkörperung im wahrsten Sinne: Fast 20 Kilogramm hat der Schauspieler weggehungert, um den ausgemergelten Kettenraucher in Cowboystiefeln zu spielen, wodurch er kurzzeitig sein Sehvermögen verlor. Den Golden Globe hat er für die Rolle bereits gewonnen – in den englischen Medien wird seine Leistung als das Comeback gefeiert; sogar ein eigener Begriff wurde dafür geprägt: die McConaissance.

Die eigentliche Transformation des Schauspielers begann bereits vor fünf Jahren. «Wie ein Rindvieh trug ich ein Brandzeichen, also musste ich das auslöschen und begann damit, Rollen abzusagen», formulierte er es einst. Er wollte nicht länger unterschätzt werden; nicht länger nur das Schmachtobjekt sein, das er unter anderem an der Seite von Jennifer Lopez («The Wedding Planner») und Kate Hudson («How to Lose a Guy in 10 Days») so erfolgreich gegeben hatte: Er war bekannt dafür, bei jeder Gelegenheit sein T-Shirt zu lüften – und für die Bauchmuskeln wie eine Reihe frischer Weggli, die dann zum Vorschein kamen. Dabei wurde er 1996, als er seinen Durchbruch als junger Anwalt in «A Time to Kill» an der Seite von Kevin Spacey und Samuel L. Jackson hatte, noch als neuer Paul Newman gefeiert.

Seelische Abgründe statt Sixpack

McConaughey zog sich zurück – und wartete. 2011 mimte er in «The Lincoln Lawyer» einen zwielichtigen Anwalt, im gleichen Jahr machte er in Richard Linklaters schwarzer Komödie «Bernie» an der Seite von Jack Black auf sich aufmerksam. 2012 dann der Anruf von Steven Soderbergh, der ihn als Stripclubbesitzer in «Magic Mike» buchte. Neben einer Rolle als schmieriger Mentor Leonardo DiCaprios in «The Wolf of Wall Street» gab McConaughey sein Debüt auf dem kleinen Bildschirm: In der achtteiligen HBO-Miniserie «True Detective», die vor wenigen Wochen startete, jagt er als drogenabhängiger Ermittler mit Schlafstörungen in Louisianas Sümpfen einen Serienkiller. Statt eines Sixpacks werden dort die seelischen Abgründe eines desillusionierten Mannes in einer trostlosen Gegend freigelegt.

Wenn McConaughey alles zu viel wird, steigt er in seinen Wohnwagen und sucht sich selber. «Für die ersten zehn Tage ist es die Hölle. Ich halte meine Gesellschaft nicht aus, muss alle Dämonen, alle Exzesse abschütteln», sagt er dazu in einem Interview – ein verheirateter Mann brauche das ab und zu. Mit dem brasilianischen Model Camila Alves ist er seit 7 Jahren zusammen, das Paar hat drei Kinder.

Das Aphorismensammeln dient dem Schauspieler als Lebenshilfe. «Find your frequency» lautet einer der Sprüche, die ihm bei seiner Transformation geholfen haben: «Finde deine Wellenlänge». Er erklärt: «Wir haben alle eine Frequenz, auf der wir funktionieren, auf der die Dinge in Bewegung geraten.» Sein Shirt jedenfalls kann McConaughey jetzt anbehalten.

Erstellt: 26.02.2014, 17:45 Uhr

Trailer

Endgültig kein Schönling mehr: Matthew McConaughey in «Dallas Buyers Club».

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