Unsäglich schlechter Film füllt amerikanische Kino-Säle

In den USA läuft ein Horrorfilm, der als schlechtester Film aller Zeiten gehandelt wird. So schlecht, dass ihn alle sehen wollen.

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Es ist schwierig zu sagen, was das Übelste an diesem Film ist. Das fiese Vogel-Gekreische, das schon im Trailer die Gehörgänge überstrapaziert? Die absurden Dialoge? Oder doch die Special-Effects, die jedes Videogame aus den 90ern toppen könnten?

Es scheint jedenfalls plausibel, dass der Film «Birdemic: Shock and Terror», der momentan in amerikanischen Kinos läuft, als schlechtester Film aller Zeiten gehandelt wird. Und den bisherigen Spitzenreiter, «Plan 9 from outer space» von Trash-Regisseur Ed Wood aus dem Jahre 1959 vom Thron verdrängen könnte.

Blutrünstige Adler und Kleiderbügel

Der Plot: Ein junges Paar muss sich gegen Angriffe von blutrünstigen Adlern verteidigen, mit riesigen Knarren oder Maschinenpistolen. Sie werden dabei von grossartigen Helden unterstützt, die die Vögel mutig mit Kleiderbügeln zu vertreiben versuchen. Klar, dass bei einem Horrorstreifen wie diesem hie und da jemand auf der Strecke bleibt, zum Beispiel eine vollbusige Brünette, die sich doch eigentlich nur mit einer Rolle Klo-Papier an ein stilles Örtchen in freier Natur verziehen wollte.

Der Film sollte eine Hommage an Alfred Hitchcock sein. Der würde sich im Grab aber wohl mindestens zu einem Breakdance hinreissen lassen, wenn er davon wüsste. James Nguyen, der 43-jährige Regisseur von «Birdemic», dagegen war so überzeugt von seinem Werk, dass er ihn im vergangenen Jahr beim Sundance Film Festival zeigen wollte. Die Programmverantwortlichen lehnten jedoch dankend ab.

Marketing mit Blut und Schreibfehler

Kein Grund für den gebürtigen Vietnamesen, der in den USA aufgewachsen ist, aufzugeben. Er packte sich kurzerhand einen Geländewagen, besprayte ihn mit falschem Blut, klebte massakrierte Adler-Attrappen drauf, spielte über die Stereoanlage Vogelgekreische ab und fuhr damit durch Los Angeles. Ausserdem schrieb er mit grossen Buchstaben den Filmtitel auf den Wagen. Dass er dabei das «r» in «Birdemic» vergessen hatte, konnte seinen Plan nicht zum Scheitern bringen.

Auch Evan Husney vom Filmverleih Severin wurde so auf den schrägen Vogel aufmerksam. «Der Film sieht aus wie ein Super-Nintendo-Spiel. Es war das Lustigste, was ich je in meinem Leben gesehen habe», wird Husney in der «New York Times» zitiert. Seither wird der Film in Spätvorstellungen in ganz Amerika gezeigt und sorgt für volle Säle. Mehr als 200'000 User haben sich den Trailer auf Youtube bereits angeschaut, auf Twitter wird fast täglich über «Birdemic» geschrieben. «So schlecht, dass er schon wieder gut ist», werden die Kommentare auf Welt.de zusammengefasst.

10'000 Franken und sieben Monate Wochenendarbeit hat James Nguyen in den Film investiert. Er, der durch Filme wie «Somewhere in Time» oder Franco Zeffirellis’s «Romeo and Juliet» inspiriert wurde und sich niemals dazu herablassen würde, einen Frauenfilm zu drehen. Inzwischen arbeitet Nguyen schon an seinem nächsten Werk mit dem Titel «Peephole: The Perverted». Von «Birdemic» ist er nach wie vor überzeugt, auch wenn er ein paar inhaltliche Mängel zugibt. «Wenn der Film in jeder Einstellung perfekt wäre mit den visuellen Effekten und allem, dann wäre er vielleicht nicht dort, wo er heute ist.» Damit dürfte er recht haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.04.2010, 13:47 Uhr

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