Verschachtelte Hommage

Kurt Früh war ein grosser Schweizer Filmregisseur. Die heutige «Kontext»-Sendung zu seinem 100. Geburtstag konnte da nicht mithalten. Eine Radio-Kritik.

Regisseur Kurt Früh (links) bespricht sich 1970 bei den Dreharbeiten zum «Dällebach Kari» mit dem Hauptdarsteller Walo Lüönd. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Regisseur Kurt Früh (links) bespricht sich 1970 bei den Dreharbeiten zum «Dällebach Kari» mit dem Hauptdarsteller Walo Lüönd. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

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«Kann man sagen, dass Kurt Früh einer der wichtigsten Schweizer Filmregisseure war?», fragt Brigitte Häring, Filmredaktorin bei Radio SRF 2 Kultur. «Ja, das kann ich bejahen», antwortet Heinz Schweizer, der beim Schweizer Fernsehen die Restaurierung der Früh-Filme betreut hat.

Kein Zweifel, er hätte auf spezifischere Fragen interessantere Antworten gewusst. «Bäckerei Zürrer», «Hinter den sieben Gleisen», «Dällebach Kari»: Das sind Ikonen des Schweizer Films, und gern hätte man in der heutigen «Kontext»-Sendung Neues, Unerwartetes, Technisches, Persönliches, Widersprüchliches, Kritisches, Anekdotisches über sie erfahren. Irgendetwas halt. Nur keine Allgemeinplätze.

Aber über Allgemeinplätze kam die Sendung kaum hinaus, wie auch: Man war viel zu sehr beschäftigt damit, ihre Struktur in den Griff zu bekommen. Da war ein Moderator, der die Redaktorin befragte. Da war die Redaktorin, die wiederum zwei Gäste im Studio befragte. Und da waren zwei dazwischengeschaltete Interview-Beiträge, von denen der zweite vor allem dazu diente, auf die SRF-Homepage zu verweisen, auf der es in einem grossen Früh-Schwerpunkt auch sechs Kurzfilme zu sehen gibt, die Studierende an der Zürcher Hochschule der Künste im Rahmen des Projekts «Kurt Früh reloaded» gedreht haben.

Rolling Stones statt Mani Matter

Immerhin, da war noch der erste Interview-Beitrag, und der war gut. Brigitte Häring befragte da den Filmemacher Clemens Klopfenstein, der als Jungfilmer das «Kleinbürgerliche» in Frühs Filmen vehement abgelehnt hatte – aber dann sein Schüler wurde. Stumpen im Mund und perfektes Bühnendeutsch: So habe der Meister des Dialektfilms unterrichtet, erzählte Klopfenstein. Oder auch, dass man das Drehbuch des «Dällebach Kari» eigentlich zuerst ihm angeboten habe; aber eine Berner Geschichte und ein Soundtrack von Mani Matter seien für ihn damals nicht infrage gekommen: «Wir wollten die Rolling Stones!»

Inzwischen hat er Früh schätzen gelernt, vor allem den letzten, gar nicht mehr idyllischen Film, «Der Fall» von 1972. Und manche seiner «praktischen Weisheiten» habe er nicht vergessen – etwa jene, dass mit einem Film, der über 220 Einstellungen brauche, etwas nicht stimmen könne.

Man hätte Klopfenstein gern noch länger zugehört. Zum Beispiel eine halbe Stunde – so lange dauerten früher die Sendungen «Kontext» und «Reflexe» auf SRF 2 Kultur. Mitte März wurden sie im Rahmen der allgemeinen Programm-Neugestaltung fusioniert zu einer einstündigen Grosssendung, von der man sich rein theoretisch mehr Vertiefung versprechen könnte. In diesem Fall wurde daraus aber nur: mehr formaler Ballast.

Erstellt: 10.04.2015, 11:59 Uhr

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