Walter Roderer ist tot

Der Volksschauspieler ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Seine 60 Jahre jüngere Ehefrau erfuhr durch die Medien von seinem Tod.

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Walter Roderer starb zu Hause in Illnau ZH, wie sein Manager gegenüber Blick.ch bestätigte. Der ursprünglich «ernste» Schauspieler machte sich 1957 mit dem Schwank «Der Mustergatte» selbstständig und gilt als Rekordhalter unter den Schweizer Theatermachern.

Walter Roderer tourte fast vier Jahrzehnte mit Boulevardstücken, Schwänken und Cabaret-Programmen durch meist ausverkaufte Theater- und Gasthaussäli. 1288 Mal spielte Roderer den «Mustergatten», «Der verkaufte Grossvater» brachte es auf 749 Aufführungen.

Der auch in Deutschland viel beachtete Film «Buchhalter Nötzli» war zweiterfolgreichster Schweizer Film nach «Die Schweizermacher», bis ihn 2003 die RS-Komödie «Achtung, fertig, Charlie!» verdrängte.

In «Buchhalter Nötzli» spielte Roderer das, was er nach eigenem Bekunden war: Herr Schweizer. In seiner Autobiografie «Sie müend mi verstoh... , ...gelled si» sagte er von sich selbst, er sei ein Spiesser, «Tüpflischiisser» und Apostel der Zukurzgekommenen. Er mochte Bernerplatte, Hörnli mit Ghackets und Fussball.

Mitglied des Cabaret Fédéral

Walter Roderer kam am 3. Juli 1920 in St. Gallen zur Welt. Der Sohn eines Textilkaufmanns wuchs in einem Quartier auf, das seiner dunklen Häuschen wegen «Negerdörfli» genannt wurde.

Nachdem er bereits als Gymnasiast Schauspielunterricht genommen hatte, verdingte sich Roderer neben dem Germanistikstudium als Gratisassistent am Zürcher Schauspielhaus. Später war er Mitglied des berühmten Cabaret Fédéral und spielte Nebenrollen in ernsten Stücken in Chur und Zürich.

Bekannt machte ihn aber erst der Part des Herrn Muggli im Film «Oberstadtgass». Mit verwandten «Herr Schüüch»-Rollen im Radio wurde er berühmt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Zum 80. Geburtstag taufte seine Wohngemeinde Illnau im Kanton Zürich einen Weg auf seinen Namen und 2007, mit fast 87 Jahren, konnte Roderer den Ehren-Prix-Walo für sein Lebenswerk entgegennehmen.

2010 erregte der Schauspieler Aufsehen, als bekannt wurde, dass er 2005 heimlich wieder geheiratet hatte, und zwar seine 60 Jahre jüngere Grossnichte Anina. Diese Beziehung inspirierte Roderer auch zu seinem letzten Projekt: Er plante einen Spielfilm über die Beziehung eines alten Mannes zu einem jungen Mädchen. Realisieren konnte er sein Drehbuch aber nicht mehr.

Seine Ehefrau Anina Stancu telefonierte laut «Schweizer Illustrierte online» zuletzt am Montagabend mit ihm. Beim Kondolenzanruf der «Schweizer Illustrierten» reagierte sie fassungslos: «Ich weiss noch von nichts. Da muss ich gleich mal bei ihm anrufen.» Später war sie für genauere Auskünfte offenbar nicht mehr erreichbar.

Erstellt: 08.05.2012, 10:27 Uhr

Video

Roderer als Bär-Dresseur: Aus «Der 42. Himmel».

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Roderer als «Buchhalter Nötzli».

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