Was es zum perfekten britischen Spion braucht

In «Kingsman» spielt Colin Firth eine Mischung aus James Bond und John Steed. Ein paar wichtige Eigenschaften gehen ihm allerdings ab.

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Er schiesst, kämpft und trinkt. Er fährt schnell Auto, verführt Frauen – und ja, ab und an rettet er auch die Welt. Selbstverständlich tut er all dies stets stilvoll, der britische Spion. Spätestens seit den 60ern hat der Agent made in GB seinen festen Platz in Film und Fernsehen. Mit James Bond und John Steed («The Avengers») erhielt das Agentenfilm-Genre Archetypen, die seither Dutzende Male kopiert und persifliert wurden.

Jüngstes Beispiel: die Actionkomödie «Kingsman», die dieser Tage in den Deutschschweizer Kinos anlief. Darin spielt Colin Firth den Agenten Harry Hart – eine Mischung aus Bond und Steed. Harts Anzüge sind massgeschneidert, sein Schirm ist brandgefährlich. Seine Haltung ist unerschütterlich, die Kommentare sind schneidend.

Mit dieser Art von Protagonist dürfte «Kingsman» vor allem beim internationalen Publikum gut ankommen. Harry Hart bedient ein nostalgisches Bild von Britishness: Bildung, Ehre und Eleganz. Dabei könnte der perfekte britische Filmagent oder die perfekte Filmagentin auch ganz anders aussehen. Diese Charaktereigenschaften muss er oder sie mitbringen:

Charme und Schalk

«Aufmüpfig» steht in der Akte des Ex-Soldaten Harry Palmer. Michael Caine spielt den schalkhaften Geheimagenten in «The Ipcress File» und vier weiteren Filmen. Palmer gilt als einziger britischer Spion aus der Arbeiterklasse; und er nutzt jede Chance, um gegen seine poshen Vorgesetzten und Kollegen zu sticheln. Frauen jedoch begegnet Palmer – anders als James Bond – mit Respekt. Und mit mehr Charme als 007. Oder hat dieser jemals zu einer Frau gesagt: «Courtney, I'm gonna cook you the best meal you've ever eaten.»

Kreativität

Der wohl kreativste aller Filmagenten ist eigentlich gar kein Agent: In Alfred Hitchcocks Romanverfilmung von «The 39 Steps» gerät der Kanadier Richard Hannay in den Verdacht, eine Spionin ermordet zu haben. Der Versuch, seine Unschuld zu beweisen, weckt den Erfindergeist in Hannay. Er trickst Polizisten aus, hangelt sich an fahrenden Eisenbahnwagen entlang und stellt sich im richtigen Moment tot – als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Hartnäckigkeit

Kaum einer musste mehr für seinen Ruhestand kämpfen als der namenlose Agent aus der 60er-Serie «The Prisoner». Patrick McGoohan spielt einen Spion, der sich nach seiner Kündigung beim Geheimdienst als Gefangener in einem seltsamen kleinen Ort findet. Fortan Nummer 6 genannt, kämpft der Ex-Agent gegen verschiedenste Verhörmethoden an und unternimmt Fluchtversuch nach Fluchtversuch. Über 17 Episoden. Unermüdlich.

Coolness

Zugegeben, Coolness gehört bei den meisten Filmagenten zur Standardausrüstung. Dennoch gibt es einen, der heraussticht: Johnny Worricker. Bill Nighy spielt den MI5-Analysten in den drei BBC-Fernsehfilmen. 9/11 hat die Welt verändert und 7/7 Grossbritannien; Worricker ist alte Schule; altes Eisen, wie er sich immer wieder anhören muss. Als man ihn ans Messer liefern will, reagiert Worricker mit einer Coolness, die ihresgleichen sucht. «Ich habe die Befürchtung, diese Woche wird noch im Bösen enden», sagt er zu seiner Tochter und der Ex-Frau. Mit der Ruhe eines Zenbuddhisten. Und dann führt er seine Gegner genüsslich vor.

Selbstbewusstsein

Klar muss ein Geheimagent selbstbewusst sein. Aber es gibt Selbstbewusstsein und Selbstbewusstsein. Letzteres strahlt Emma Peel aus, die ab der vierten Staffel von «The Avengers» (zu Deutsch: «Mit Schirm, Charme und Melone») John Steed beisteht. Bestimmt und mit ein wenig Mitleid im Ton erklärt sie Steed, wie eine Atombombe funktioniert – Peel ist bewandert in Chemie und Physik. Bedrohen sie mehrere Schurken mit Pistolen, lächelt sie nur – Peel kämpft besser als jeder Mann. Und dann räumt sie auf. Mit einer Nonchalance, welche die Frage aufwirft: Wann gibt es eigentlich wieder einmal eine Filmagentin? Eine wie Emma Peel? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2015, 14:01 Uhr

Trailer zu «Kingsman»

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