Wie in guten, alten «Star-Trek»-Zeiten

Die Enterprise ist wieder unterwegs: «Star Trek Beyond» ist ein altmodischer Actionfilm

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Alle werden älter, auch der junge Captain Kirk, der vor sieben Jahren bei der Neulancierung von «Star Trek» seinen Dienst antrat. Sinnierend sitzt er vor einem Glas Schnaps: täglich dieselbe Routine auf der Enterprise, wöchentlich ein paar Biester aus dem All, die es zu zivilisieren gilt, und einmal im Jahr ebendieser Geburtstag, der ihm so schwer aufliegt. Diesmal ganz besonders, denn jetzt wird er ein Jahr älter, als es sein geliebter Vater je war.

Wo sind wir denn hier? Taucht jetzt auch die am längsten laufende Weltraumserie ab in Richtung Gefühlsduselei und innere Zerrissenheit? Schliesslich hiess schon der letzte Film «Star Trek into Darkness». Aber nein, auf die Crew des Sternenkreuzers ist Verlass: Mithilfe von Sulu, Uhura, Scotty und eines mächtigen Feindes kommt die Enterprise bald wieder auf Kurs.

Hinfliegen, lösen, auf zum nächsten Abenteuer

Man kann sogar sagen: Dieser «Star Trek Beyond» ist eine Rückkehr in die gute, alte Zeit der TV-Episoden: Irgendwo in den Tiefen des Alls hockt eine böse Kreatur, die der Sternenföderation Böses will. Kirk und Co. fliegen hin, geraten zuerst in arge Schwierigkeiten und lösen dann das Problem. Ende. Und Platz für ein nächstes Abenteuer.

Gut, vor diesem Film gab es seit den 1960er-Jahren bereits fünf Serien mit 703 Episoden sowie zwölf Kinofilme. Aber die neue «Star-Trek»-Zeitrechnung beginnt eigentlich 2009, als Regisseur J. J. Abrams das alte Raumschiff mit einer jungen Besatzung startete. Sie sind inzwischen bestens eingespielt, Chris Pine als Captain Kirk, Zachary Quinto als Halbvulkanier Spock und Karl Urban als Schiffsarzt Leonard McCoy. Besonders die intime Hassliebe zwischen den beiden Letzten macht in dieser Episode rasante Fortschritte.

Der Trailer zum neuen «Star Trek Beyond»

Doch solch zwischenmenschliche Dinge sind im neuen «Star Trek» nur nette Zwischenspiele. J. J. Abrams ist zu den – aus Sicht der Trekkies – bösen Sternenkriegern von «Star Wars» übergelaufen. Das Oberkommando führt jetzt Justin Lin, der als Regisseur für die besten Filme der «Fast & Furious»-Serie verantwortlich war. Ein Mann fürs Actionhandwerk also, der das Gewicht wieder viel mehr auf ineinanderkrachende Raumschiffe legt. Besonders ein Bienenschwarm von Killerschiffen sorgt für optischen Reiz. Damit bricht der Regisseur zwar mitnichten dorthin auf, wo noch nie jemand war (wie es in «Star Trek» stets so schön heisst). Aber sorgt auf alle Fälle im gewaltigen Finale für ein ziemliches Spektakel.

Ganz im Geist des Humanisten Roddenberry

Und sonst? Sofia Boutella, die ehemalige Backgroundsängerin von Madonna, spielt ein verführerisches fremdes Wesen, von dem man möglicherweise später noch mehr sehen wird. Idris Elba, ewiger Kandidat als erster schwarzer Bond, ist hier vorerst mal als Bösewicht zu sehen. Der britische Komiker Simon Pegg schrieb das Drehbuch und gewährt sich selber als Scotty einige trockene Sprüche. Und sein Co-Autor Doug Jung hat einen Gastauftritt als Lebenspartner von Sulu: Jawohl, der Steuermann der Enterprise ist schwul, ohne dass – hey, es ist das 23. Jahrhundert – viel Aufhebens drum gemacht wird. Das ist wohl ganz im Sinn des grossen Humanisten Gene Roddenberry (1921–1991), der die alle Kreaturen umspannende «Star-Trek»-Welt einst erfunden hatte.

Aber nicht alles geht seinen gewohnten Gang auf der Enterprise. Schliesslich ist seit dem letzten Flug Leonard Nimoy verstorben, der zwischen 1965 und 2013 immer wieder als Mr. Spock zu sehen war. Von ihm nimmt der Film gleich in mehreren Szenen Abschied und gibt ihm eine «In Loving Memory»-Widmung. Es ist nicht der einzige Verlust: Anton Yelchin, der Darsteller des Navigationsoffiziers Chekov, ist vor einem Monat 27-jährig verstorben. Für dessen tragisches Ende (er wurde vom eigenen Auto in der Garageneinfahrt erdrückt) findet der Film keine Worte. Aber Yelchin hat ein paar schöne Szenen. Und eine Schlusswidmung: «For Anton». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.07.2016, 19:49 Uhr

Der Dritte

«Star Trek Beyond» ist der dritte Film seit der Neulancierung von «Star Trek» im Jahr 2009. Er startet am Donnerstag, 21. Juli in der Schweizer Kinos.

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