Winfreys Mission

«Täschligate»: Wollte Oprah Winfrey mit der Anekdote ihren neuen Film, der Rassismus zum Thema hat, bewerben? Diese Frage wirft nun das US-Magazin «Politico» auf.

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Laut Winfreys eigenen Aussagen hat sich die Verkäuferin einer Zürcher Luxusboutique geweigert, eine Tasche zu zeigen – sie sei zu teuer. Für die dunkelhäutige Winfrey ist das Rassismus. Die Besitzerin der Boutique spricht von einem Missverständnis. Nun steht eine neue Theorie im Raum, die das Täschli-Gate erklären soll: Winfreys Vorwürfe, so das US-Politmagazin «Politico», könnten Teil einer Publicity-Kampagne sein.

Dazu muss man wissen: Oprah Winfrey ist einflussreich. Lobte sie in ihrer inzwischen eingestellten Talkshow eine Kleidermarke, strömten die Zuschauer in die Läden. Regelmässig nahmen auch Schriftsteller oder Hollywoodstars bei ihr auf der Couch Platz – und erhielten die Möglichkeit, ihre Bücher und Filme zu bewerben oder sich nach einem Skandal zu rechtfertigen und, im Falle von Politikern, ihre Themen einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Junge unterrichten

Winfrey wirkt authentisch – was gerade bei Leuten, die politisch unentschieden sind, Anklang findet. Auch Obama wurde von Oprah Winfrey unterstützt. Laut Polit-Beobachtern brachte das dem Präsidentschaftskandidaten eine Million Stimmen ein. Das war vor fünf Jahren. Seither hat sich die reichste Frau Amerikas nicht mehr politisch geäussert – bis jetzt.

Winfrey engagiert sich nämlich für Cory Booker, den demokratischen Bürgermeister von Newark. Der Afroamerikaner will heuer Senator des Bundesstaats New Jersey werden. Auch der Film «The Butler», der Mitte August in den USA in die Kinos kommt, zeugt von Winfreys erstarktem politischem Engagement. Der Film handelt vom schwarzen Butler Eugene Allen, der von 1952 bis 1986 im Weissen Haus arbeitete und in dieser Zeit acht verschiedenen US-Präsidenten diente. Quasi aus erster Reihe erlebte er mit, wie politische Geschichte geschrieben wird.

Klassenkampf, nicht Rassimus

Der Tenor von Filmkritikern zu «The Butler» lässt sich als «gut gemeint, aber pädagogisch» zusammenfassen. Oprah Winfrey – die im Film die Ehefrau des Butlers spielt – gibt offen zu, dass sie mit ihrer ersten Filmrolle seit zehn Jahren eines will: die junge Generation über amerikanische Geschichte unterrichten. In einem Interview zum Film zog sie ausserdem eine Parallele zwischen dem Fall Trayvon Martins, eines schwarzen Teenagers, der 2012 von einem weissen Mitglied der Nachbarschaftswache erschossen wurde, und dem Mord an Emmett Till – einem Schwarzen, der 1955 erschlagen wurde, nachdem er angeblich mit einer Weissen geflirtet hatte. Auch hier gaben Kommentatoren zu bedenken, dass der Zusammenhang weit hergeholt sei.

Versucht Winfrey mit der Anekdote aus der Bahnhofstrasse auf den Film und ihr politisches Engagement aufmerksam zu machen? Die Aussage über die vermeintlich rassistische Schweizer Boutique-Angestellte erfolgte jedenfalls während eines weiteren Interviews zu ihrem Film. Allerdings ist Winfrey in Pariser und New Yorker Boutiquen tatsächlich von weissen Verkäufern düpiert worden, wie die «Los Angeles Times» schreibt. Vielleicht habe sie den Vorfall in Zürich als Weiterführung dieses Musters interpretiert – und unwissentlich die «Race Card» gespielt, d. h. den Vorfall rassistisch gedeutet. Das «Wall Street Journal» hat derweil eine weitere Theorie zum Täschli-Gate: Hier gehe es nicht um Rassismus, sondern um eine Art umgekehrten Klassenkampf. Die steinreiche und berühmte Winfrey sei schlicht beleidigt gewesen, dass eine einfache Angestellte sie nicht erkannt habe.

Erstellt: 13.08.2013, 11:26 Uhr

Trailer The Butler

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