Filmkritik

Zombies im Schuss

Jahrelang vernahm man beunruhigende Nachrichten über Marc Forsters Zombiefilm «World War Z». Heute wurde er erstmals in der Schweiz gezeigt. Tagesanzeiger.ch/Newsnet war dabei.

Hier rennen die Untoten: Trailer von «World War Z».


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Woran erkennt man einen guten Zombiefilm? Die Untoten rennen nicht. Langsam und unabwendbar wie der Tod bedrängen sie ihre Opfer. Die stumpfsinnige Gier, mit der sie hinter den Lebenden her sind, macht die sozialkritische Botschaft in Zombiefilmen aus: das Alte, das dem Neuen nicht weichen will, weil Letzteres die Welt mit Füssen tritt.

Allein, in unseren beschleunigten Zeiten muss halt alles schneller gehen – sogar der Untote. Erst recht, wenn er in einem Hollywood-Blockbuster sein Unwesen treiben soll. Und so sprinten die Zombies in Marc Forsters Film «World War Z» kreuz und quer durchs Bild und machen Gerry Lane das Leben schwer. Der ehemalige UNO-Mitarbeiter, gespielt von Brad Pitt, wird angesichts einer drohenden Apokalypse in den Dienst zurückbeordert: Er soll herausfinden, wie es zur Katastrophe kam. Also macht er sich auf nach Südkorea, wo das Zombievirus ausgebrochen ist.

Heikler Mix

«World War Z» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Max Brooks, dem Sohn des Komödianten Mel Brooks. Über Interviewtranskripte präsentiert er darin die Geschichte eines Zombiekrieges. Auf satirische und durchaus humorvolle Weise thematisiert er so Nationalismus und Isolationismus. Davon ist in Marc Forsters Film wenig übrig. Zwar sehen wir, wie sich Israel durch den Bau einer Mauer gegen die anstürmenden Zombiehorden schützen will. Doch kaum in Jerusalem, zieht es Lane auf seiner Turboschnitzeljagd nach des Rätsels Lösung ins nächste Land. Fast wähnt man sich in einer Dan-Brown-Verfilmung. Zum Hollywood-Duktus des Films passt weiter die unblutige Inszenierung; die Zombies schnabulieren stets im Kamera-Abseits.

Der Mix aus Genrefilm und Blockbuster ist heikel – das hat auch Paramount gemerkt. Weil man den brutalen Schluss, in dem Lane in Russland Zombies niedermetzelt, als Kassengift einstufte, liess das Studio die letzten 40 Minuten des Films umschreiben und einzelne Szenen nachdrehen. Brad Pitt sollte als sympathischer Familienvater, nicht als Rambo wahrgenommen werden. Es ist eine Strategie, die nur bedingt aufgeht. Die herzige Familie, die man Gerry Lane zur Seite gestellt hat, ist kaum präsent, da nur am Telefon mit ihm verbunden. Dem Zuschauer sind die Figuren so egal.

Sympathieträger an Bord

Eine weitere Sorge von Paramount ist das Budget. Nachdrehs und ständig wechselnde Autoren trieben das Budget auf 200 Millionen Dollar. Zusammen mit den Kosten für das Marketing und die 3-D-Umsetzung muss der Film gemäss Brancheninsidern weltweit rund 400 Millionen Dollar einspielen – das haben dieses Jahr bis dato nur vier Filme geschafft (an der Spitze: «Iron Man 3»). Auch für Marc Forster, der sich bei den Dreharbeiten mit Brad Pitt verkracht haben soll, steht viel auf dem Spiel. Nach «Machine Gun Priester» und dem misslungenen Bond-Film «A Quantum of Solace» kann er sich keinen weiteren Flop leisten. Zumal die harzige Entstehung von «World War Z» sein Image als termin- und budgetbewusster Regisseur beschädigt hat.

Nun ist Geld das Einzige, was die grossen Hollywood-Studios interessiert. Ob «World War Z» seine Kosten einspielen wird, ist schwierig abzuschätzen. Im Vergleich mit Produktionen wie «Independence Day» oder «Armageddon» schneidet der Film schlecht ab, zu episodenhaft mutet das erratische Flickwerk an. Auf der anderen Seite hat man mit Pitt Hollywoods obersten Sympathieträger an Bord, und die wenigen Actionszenen, die es zu sehen gibt, sind gelungen. Zombies türmen sich etwa zu einer menschlichen Pyramide auf oder bringen ein ausgebuchtes Flugzeug zum Absturz. Zumindest hier ist Forster bei den klassischen Untoten: Zwar kann man sie kurzfristig niederknüppeln oder ihnen fürs Erste ausweichen – am Ende kriegen sie einen doch. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.06.2013, 16:53 Uhr

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World War Z

World War Z Marc Forsters Zombiefilm.

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