Zu zweit und doch allein

Das unglückliche Ehepaar aus dem Film «Zu zweit», das am Zurich Film Festival uraufgeführt wurde, kämpft ab sofort auch in den Deutschschweizer Kinos gegen die Routine und verbotene Verlockungen.

Es gab schon glücklichere Zeiten zwischen Andreas und Jana: Szene aus «Zu zweit».

Es gab schon glücklichere Zeiten zwischen Andreas und Jana: Szene aus «Zu zweit».

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dem Ehepaar Andreas (Thomas Douglas) und Jana (Linda Olsansky) ergeht es nicht anders. Ihre Töchter, im Alter zwischen vier und sechs, sind zwar zwei süsse Mädels, können aber auch ganz schön nerven. Nach einer Samichlausfeier, zu deren krönendem Abschluss ein befreundetes Ehepaar verkündet, es wolle sich trennen, um nochmals ganz neu anzufangen, wird Andreas und Jana bewusst, dass auch sie haarscharf an der Pleite vorbeischrammen.

Schneematsch statt Romantik

Die beiden beschliessen, ein romantisches Wochenende im Haus von Freunden im Tessin – es ist Winter! – zu verbringen. Unterwegs treffen sie unerwartet auf Ingrid (Ragna Guderian), eine alte Bekannte von Jana, die mit ihrem Motorrad unterwegs ist. Jana, vor Zeiten ebenfalls eine begeisterte Töfffahrerin, nimmt Ingrids Angebot an, die Rollen zu tauschen: Sie wird mit dem Motorrad weiterfahren; Ingrid setzt sich zu Andreas, den sie noch nicht kennt, ins warme Auto. Die Fortsetzung ist absehbar.

Die fremde Motorrad-Amazone zeigt sich wenig prüde, auch Andreas fängt rasch Feuer. Allerdings kommen ihm dann doch irgendwie Moral und fehlendes Verhütungsmittel in die Quere. Doch der Rückzieher kommt zu spät: Jana hat die beiden Knutschenden zuvor zufällig in einer Raststätte erblickt und malt sich nun den Rest aus – wohl nicht ganz frei von eigenen erotischen Phantasien. Jedenfalls fällt das Wochenende buchstäblich ins Wasser beziehungsweise in den Schnee – wer schon mal einen feuchtkalten Winter im Maggiatal erlebt hat, weiss um dessen Unwirtlichkeit. Das Paar findet sich wieder beim Therapeuten (Peter Jecklin). Die entsprechenden Szenen sind in den eigentlichen Handlungsablauf einmontiert und reflektieren das Geschehen. Der etwas abrupte Schluss lässt einen positiven Ausgang erahnen, suggeriert aber gleichzeitig dessen Labilität.

Gut gemachte Harmlosigkeit

Der Film, an dem die 1971 geborenen Regisseurin und Drehbuchautorin mit ungarisch-schweizerischen Wurzeln und ihre einsatzfreudige Crew zwei Jahre gearbeitet haben, ist handwerklich sauber und liebevoll gemacht. Die wiederholten Breaks durch die Therapieszenen wirken eher harmlos. Sie offenbaren nicht sonderlich Neues, sorgen aber – beim offensichtlich eingeweihten – Publikum immer wieder für Lacher.

Etwas strapaziert wird auch die Symbolik einiger Bilder – Zeichen nennt es die Protagonistin: das Lustgestöhn in einer WC-Kabine, die lange Tunnelfahrt, Palmen unterm Schnee, Gewehr und Axt, die der verstörte Andreas im Schuppen des Ferienhauses entdeckt, bis hin zum Pool unterm Eispanzer... Viele Szenen offenbar wurden erst beim Drehen entwickelt, was dem Film gewisse Spontaneität verleiht. Man schaut gerne zu. Nicht zuletzt dank guten Schauspielern. Vor allem Thomas Douglas gibt den angesichts der emotionalen Rutschgefahr überforderten, hilflosen Andreas hervorragend. (Bruno Rauch/sda)

Erstellt: 30.12.2010, 08:17 Uhr

Artikel zum Thema

Das Zurich Film Festival will noch grösser werden

Fast 40'000 Zuschauer haben das diesjährige Filmfestival besucht. Der Anlass stösst damit an seine Grenzen. Festivalleiterin Nadja Schildknecht hat konkrete Ausbaupläne. Mehr...

Grüner Teppich an der Eröffnung des Zurich Film Festivals

Mit der Premiere von Michael Steiners Film «Sennentuntschi» startete das 6. Zürcher Filmfestival. Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt Bilder vom grünen Teppich. Mehr...

Wirre Courtney Love weint am Zurich Film Festival

Follow mbinswanger on Twitter Courtney Love war da, mit ihr Stars und Sternchen aus der Welt des Films. Michèle Binswanger, Gesellschaftsreporterin von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, twitterte live von der Closing Night des Zurich Film Festival. Mehr...

Blogs

Never Mind the Markets Die Heuchelei der G-20

Mamablog «Oft fehlt der Mut, zu erziehen»

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Spielen im Schnee: Die zwei chinesischen Riesenpandas Chengjiu und Shuanghao geniessen das kalte Wetter im Zoo von Hangzhou (9. Dezember 2018).
Mehr...