Zürcher Filmpreis für «Heimatland»

Weitere Ehrungen gab es für «Amateur Teens» und die Dokumentarfilme «Iraqi Odyssey» und «Above and Below».

Der Film mit der Wolke erhielt von der Stadt Zürich 20'000 Franken: Szene aus «Heimatland». Bild: PD

Der Film mit der Wolke erhielt von der Stadt Zürich 20'000 Franken: Szene aus «Heimatland». Bild: PD

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Rund um die Gäste herum faltete sich Zürich geisterhaft zusammen und zerfiel in Fetzen, als wäre die Stadt aus Papier gemacht. Das waren die Visuals, die an der Verleihung des Zürcher Filmpreises im Aura auf vier Leinwänden zugleich um die Wette zuckten. Hoffentlich steckte darin nicht eine Vision für den Schweizer Film, denn da blies es alles in Stücke. Aber vielleicht hatte auch nur jemand Stadtpräsidentin Corine Mauch missverstanden, als sie sagte, Filmemacher sollen keine Mauern bauen, sondern Windmühlen, denn das sei nützlicher, wenn der Wind des Wandels wehe (sinngemäss, es beruhte auf einem chinesischen Sprichwort). Aber auch Don Quijotes sollten sie keine sein, allerdings war man da vor lauter Metaphern nicht mehr sicher, wer nun die Mühle aufstellen soll und warum.

Aber es passt schon: «Heimatland», der Film mit der Wolke, erhielt von der Stadt Zürich 20 000 Franken. Das Jurykomitee lobte ihn als ein «in den besten Momenten rauschhaftes Erlebnis», konnte sich also nicht einmal in der Preisrede die Bedenken verkneifen. Deshalb gabs an dieser sogenannten «Cadrage» wohl auch Ehrungen für drei weitere Filme, zum ersten für Nicolas Steiners Dokumentarfilm «Above and Below» über bizarre Lebensorte, gefilmt mit einer «wunderbaren Visualität» (20 000 Franken). Dann für Samirs «Iraqi Odyssey», sein in die Tiefe gestaffeltes Intimporträt der irakischen Diaspora (30 000 Franken). Der Regisseur war auch gerade verstreut, er weilt derzeit zwecks Oscar-Kampagne in Übersee und man wünschte ihm viel Glück.

Sexualkunde im Zeichen von Youporn

Und schliesslich erhielt Niklaus Hilber 30 000 Franken für den Spielfilm «Amateur Teens», seinem unfreiwillig komischen Versuch in jugendlichem Naturalismus und Sexualkunde unter Sekschülern im Zeichen von Youporn. Wahrscheinlich wollte man damit ein welthaltiges Schweizer Kino auszeichnen, eines, das weite geopolitische Kreise zieht oder zumindest eine reichhaltige innere Welt aufmacht. Vielleicht aber auch nicht, sondern es war einfach das, worauf man sich einigermassen einigen konnte. Also wars ein heimelig kraftloser und stellenweise sehr schweizerisch verknorzter Abend, passend zum lauwarmen Filmjahr und erträglich durch den erlösenden Gedanken an den folgenden Apéro riche. Was soll man sagen, es war auch in den besten Momenten kein rauschhaftes Erlebnis.

Übrigens, die Visuals liefen vier Mal hintereinander, jedes Mal vertont von einem anderen Schweizer Filmkomponisten. Sie entschieden sich allerdings fast alle für ein ähnliches Ambientgesurre. Ja, das bisschen Hebeln an den Presets! Aber auch das war ja stimmig: Blies alles weg, blieb alles gleich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.11.2015, 22:03 Uhr

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