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«Ai Weiwei ist ein Glücksfall»

Am 14. Juni kommt die Doku «Ai Weiwei - Never Sorry» in die Kinos. Filmemacherin Alison Klayman erzählt, wie das Projekt zustande kam und wie viel Zeit der chinesische Regimekritiker am Computer verbringt.

Sitzt teilweise bis zu 16 Stunden pro Tag am PC: Der chinesische Dissident und Künstler Ai Weiwei.
Sitzt teilweise bis zu 16 Stunden pro Tag am PC: Der chinesische Dissident und Künstler Ai Weiwei.
Reuters

Ai Weiwei ist der zweifellos international prominenteste Gegenwartskünstler Chinas und zudem einer der schärfsten Regimekritiker im eigenen Land. Die junge US-Filmemacherin Alison Klayman hat Ai Weiwei über fast drei Jahre hinweg mit der Kamera begleitet. Ihre Interviews mit dem Künstler, seinen Weggefährten, Momentaufnahmen aus seinem Familienleben, aber auch Ai Weiweis Auseinandersetzungen mit der chinesischen Polizei und Regierung hat Klayman zu einem spannenden Dokumentarfilm montiert. «Ai Weiwei - Never Sorry» kommt am 14. Juni in die Kinos. dapd-Korrespondent Axel Schock hat sich mit der Regisseurin unterhalten.

Wie haben Sie es geschafft, dass sich Ai Weiwei auf Ihr Filmprojekt einliess?

Klayman: Ich bin 2006 als Journalistin nach China gekommen. Meine Mitbewohnerin hatte zufälligerweise 2008 eine Ausstellung seiner New-York-Fotos für eine Galerie in Peking kuratiert und mir vorgeschlagen, dazu ein Video zu drehen. Dass ich ihn darüber hinaus mit der Kamera begleiten würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Was hatte Sie an ihm derart fasziniert?

Klayman: Mein Interesse wuchs insbesondere in der Zeit nach dem Erdbeben in China, als ich erlebte, welche Bedeutung das Internet für ihn hat und wie sich seine politischen Aktivitäten mit seiner Kunst verbinden. Ich wollte mehr über seine Arbeit , aber auch über ihn als Menschen erfahren.

Wann hatten Sie entschieden, einen Dokumentarfilm über ihn zu drehen? Und war er gleich damit einverstanden?

Klayman: Wir haben eigentlich nie darüber gesprochen. Ich bin einfach immer wieder zu ihm ins Atelier gekommen, habe mich mit ihm unterhalten und dabei gefilmt. Währenddessen eskalierten die Ereignisse: sein Blog wurde gesperrt, die Polizei verhaftete ihn. Für einen Dokumentarfilmer ist Ai Weiwei ein Glücksfall. Er ist absolut offen. Er vertraute mir und liess mich einfach an seinem Leben teilhaben.

Die sozialen Medien und sein Blog sind für Ai Weiweis Arbeit und Leben von massgeblicher Bedeutung, wie man in Ihrem Film anschaulich sehen kann. Wie viel Zeit verbringt er eigentlich am Computer?

Klayman: Ich habe es schon erlebt, dass er 12 bis 16 Stunden ununterbrochen im Netz unterwegs war. Ein paar Stunden jeden Tag sind es in jedem Fall. Wenn er ausser Haus ist, ist er zudem ständig mit seinem Smartphone im Internet und reagiert beispielsweise auf Twitter-Nachrichten.

Hat er jemals den Dreh untersagt, zum Beispiel, um seine Privatsphäre zu schützen?

Klayman: Für Ai Weiwei hat Transparenz einen sehr hohen Stellenwert. Er macht sein Leben über Twitter und seinen Blog komplett offen. Ich kann mich nur an eine einzige Situation erinnern, in der er mich bat, die Kamera abzustellen. Das war bei einem Treffen mit Geschäftspartnern, und ich denke, er tat dies nicht seinetwegen, sondern um deren Privatsphäre zu bewahren.

Sie haben ihn auch mit seinem Sohn filmen können.

Klayman: Dies zu bewerkstelligen hat einige Zeit gedauert. Das ist auch ein wenig verständlich, denn es ist für Ai Weiwei keine allzu einfach Situation. Es ist sein erstes Kind, und die Mutter ist nicht seine Ehefrau.

Ai Weiwei erlebte immer wieder Repressalien durch die chinesischen Behörden und die Polizei. Gab es Momente, in denen Sie fürchteten, ebenfalls verhaftet oder drangsaliert zu werden?

Klayman: Ich hatte in gewissen Situationen vor allem Angst, dass Ai Weiweis chinesische Helfer und Aktivsten, aber auch Ai Weiwei selbst etwas passieren könnte. Sie hatten das viel grössere Risiko auf sich genommen. Als ausländische Journalistin konnte mir nicht so viel passieren. Meine grösste Angst war in solchen brenzligen Momenten, dass man meine Aufnahmen beschlagnahmen könnte.

Ist Ihnen derlei passiert?

Klayman: Es kam einige Male vor, dass ich von Polizisten festgehalten, verhört und dazu aufgefordert wurde, mein gefilmtes Material herauszugeben. Mir ist es aber jedes Mal gelungen, meine Aufnahmen zu retten, indem ich sie austrickste und ihnen stattdessen ein leeres Band übergab.

dapd/wid

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