Zum Hauptinhalt springen

Als Farbbeutel gegen die Leinwand flogen

Die verrücktesten Träume der Filmgeschichte: Das radikale Frühwerk von Luis Buñuel ist erstmals auf DVD erschienen.

Der Schnitt ins Auge – die bekannteste Szene aus «Un chien andalou» (l.) und Buñuels Kritik an der Bourgeoisie und ihrer Sexualmoral in «L’âge d’or» (r.).
Der Schnitt ins Auge – die bekannteste Szene aus «Un chien andalou» (l.) und Buñuels Kritik an der Bourgeoisie und ihrer Sexualmoral in «L’âge d’or» (r.).
Keystone

Zur Premiere ihres kurzen Stummfilms «Un chien andalou» im Frühjahr 1929 hatten sich Luis Buñuel (1900–1983) und Salvador Dalí die Taschen vorsorglich mit Steinen gefüllt, weil sie fürchteten, dass sie sich gegen wütende Angriffe des Pariser Publikums verteidigen müssten. Doch wider Erwarten waren die Zuschauer begeistert, «Un chien andalou» war Buñuels und Dalís Eintrittsbillett in die Kreise der französischen Surrealisten. Rund zwei Jahre später, bei der Erstaufführung ihrer zweiten Zusammenarbeit «L’âge d’or», hätten sie diese Steine dann aber gut gebrauchen können. In der Premierenwoche bewarfen faschistische Schlägerbanden die Leinwand mit Farbbeuteln und zerstörten im Kinofoyer ausgestellte Bilder von Man Ray und anderen Surrealisten. Auch die Zensurbehörden griffen ein, «L’âge d’or» verschwand im Giftschrank und erlebte erst knapp fünfzig Jahre später in San Francisco seine zweite Uraufführung.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.