Barbie lebt

Margot Robbie: Die australische Schauspielerin spielt bald die Spielzeugpuppe auf der Leinwand. Und ein bisschen darüber hinaus.

Sie wollte nicht länger als Ehefrau herhalten, damit Männer in Filmen ihren grossen Auftritt haben konnten. Nun spielt Robbie Margot die Ikone der Plastikpuppen. Quelle: Keystone

Sie wollte nicht länger als Ehefrau herhalten, damit Männer in Filmen ihren grossen Auftritt haben konnten. Nun spielt Robbie Margot die Ikone der Plastikpuppen. Quelle: Keystone

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Wer mit Barbies spiele, lerne Selbstbewusstsein, Neugier und Kommunikation. Wer mit Barbies spiele, lerne, sich seine Zukunft auszumalen, sich in ambitionierten Rollen zu sehen – Prinzessin, Präsidentin. Die Statements von Margot Robbie tönen wie ein Werbespot von Mattel, dem Konzern hinter der ikonischen Plastikpuppe. Zusammen mit Warner Bros. plant Mattel den ersten Live-Action-Barbie-Spielfilm. Robbie ist begeistert, dass sie für die Hauptrolle ausgewählt wurde, sie agiert auch als Co-Produzentin. «Ich glaube, dass dieser Film gewaltige Auswirkungen auf Kinder und das Publikum weltweit haben wird.»

Margot Robbie ist jene Frau, die als Tornado auf Schlittschuhen durch die biedere glitzernde Eiskunstlaufwelt raste. Sie spielte Tonya Harding, die Eisprinzessin aus der Unterschicht. «I Tonya» hiess der Film, ein Statement gegen Klischees von Schönheit und Frausein, ein Vorführen der Heuchelei, ein Zeugnis dafür, dass man es schwer hat, wenn man anders ist. Davor setzte Robbie alles daran, eine Rolle in «Wolf of Wall Street» zu bekommen. Sie wollte ernst genommen werden. Sie wollte mehr spielen als beigemüsige Ehefrauen. Wenn schon Ehefrau, dann richtig. So, wie an der Seite von Leonardo DiCaprio, als der Wolf der Wall Street. Ein Push für ihre Karriere. Es kamen unter anderem Rollen in «Tarzan», «Suicide Squad» und «Mary, Queen of Scots».

Um Schauspielerin zu werden, musste sich Robbie gegen ihre Familie durchsetzen. Man glaubte ihr nicht, dass sie mit Filmen richtiges Geld würde verdienen können. Als sie im Business angekommen war, beklagte sie sich, es gebe zu wenig kreative Frauenrollen. Und nun also Barbie.

Auch Barbie flieht vor ihrem Image

Barbie ist das Ideal einer Idealvorstellung. Schlank, grosse pralle Brüste, flacher Bauch, Wespentaille, die keinen Platz für Organe lässt, lange gerade Beine, permanent geschminkte Rehaugen, volles Haar, üppige Lippen . Schön, perfekt, brav, verführerisch, strebsam, mit Klasse, immer lächelnd.

Doch die Verkaufszahlen zeigten irgendwann doch immer mehr nach unten. Mattel setzte an zur Offensive, verkauft seit 2016 grosse, kleine, zierliche und kurvige Puppen. Wich zum ersten Mal seit 1959, als die erste Barbie auf den Markt kam, vom bisherigen Mass ab. Ein Erdbeben. Mittlerweile gibt es Barbies mit anderen Hautfarben als weiss und anderen Haarfarben und -typen als blond, geschwungen, glatt. Seit 2011 gibt es die «Career of the Year Barbie». Barbie als Robotik-Ingenieurin, als Imkerin, als Tierärztin, als Fussballerin. Man findet sie unter der Rubrik «Career Dolls», perfekt gestylt, die geschminkten Lippen zu einem Lächeln geformt, die geschminkten Augen glänzend.

Mädchen sollen nicht denken, sie könnten weniger erreichen als Buben. Daran will ausgerechnet Mattel arbeiten, der Konzern hinter Barbie. Quelle: Youtube

2018: Das «Dream Gap Project» läuft, es ist eine auf mehrere Jahre ausgelegte Kampagne für Diversität und gegen Geschlechterstereotypen – oder eher «pink washing»? Der Konzern erwähnt wissenschaftliche Studien. Barbie helfe, den «Dream Gap» zu schliessen, die Kluft, die Mädchen laut amerikanischen Forschern ab dem fünften Lebensjahr wahrnehmen, und zwar stärker als Knaben. Sie meinen, es sei für sie schwieriger, ihre Ziele zu erreichen.

«Seit 1959 hat Barbie daran gearbeitet, eine Welt zu erschaffen, in der Mädchen unlimitierte Möglichkeiten sehen», und man sei noch nicht fertig, leuchtet es am Ende des Kampagnenspots auf.

Ganz so tönt es auch von Margot Robbie, wenn sie über ihre Rolle als Barbie spricht. Den Mädchen zeigen, was möglich ist – perfekt geschminkt, im Korsett eines Grosskonzerns und in jener Maske, die Barbie seit 1959 trägt.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.01.2019, 08:05 Uhr

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