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Batman knallt auf den Ground Zero

Fällt in einem Hollywood-Film ein Haus ein, wittern Kinokritiker eine Allegorie auf die Anschläge vom September 2001. Auch dem neuen «Batman» wird das 9/11-Label aufgedrückt. Zu recht?

Christopher Nolans «The Dark Knight» wird seit Wochen mit Lob bedacht: Bester Batman-Film ever, grandioser Heath Ledger, Box-Office-Rekord verdient. Und: Eine Allegorie auf das Amerika nach 9/11. Nun muss man wissen, dass «9/11-Allegorie» der aktuelle Lieblingsterminus unter Filmkritikern ist. Vor «The Dark Knight» kamen, unter vielen anderen, die Actionfilme «Cloverfield», «28 Weeks Later» oder «Planet Terror» in den Genuss des 9/11-Labels.

Anstandshalber hatte Hollywood ein paar Jahre gewartet, bis man die Bilder vom 11. September 2001, die praktischerweise im kollektiven Bewusstsein eingebrannt sind, für Actionkisten verwendete. Doch nun wird die Angst vor Anschlägen fleissig bedient. Waren es früher Explosionen («Rambo»), dann explizite Folterszenen («Hostel»), sind es heute in sich einstürzende Wolkenkratzer, die dem Zuschauer eine wohlige Gänsehaut bescheren - und für einen zeitgemässen politischen Story-Überbau sorgen.

Plumpe Schockelemente

Die bisher unverfrorenste 9/11-Show geht auf das Konto von Steven Spielberg. In «War of the Worlds» lässt er ganze Städte kollabieren, vom Himmel regnets derweil weisse Asche. Eine Aussage über die Anschläge von 2001, die über «Terror fordert viele Tote» hinaus geht, sucht man vergebens. 9/11 funktioniert hier als Schockelement für das sicher im Kinosessel geparkte Publikum.

Wie macht sich «The Dark Knight» vor diesem Hintergrund? Nun, auch hier stürzen Hubschrauber in Häuser, hetzten Menschen panisch durch Strassen, die an Manhattan erinnern. «The Dark Knight», könnte man argumentieren, bedient sich wie «War of the Worlds» bei einer menschlichen Tragödie, um eine fiktionale Geschichte aufzupeppen. Die Geschichte eines als Fledermaus verkleideten Manns, wohlgemerkt.

Oberschnüffler Batman

Nur ist Christopher Nolan glücklicherweise kein Steven Spielberg. Der Brite, der bereits in Filmen wie «Memento» oder «Insomnia» vertrackte Stoffe virtuos behandelte, belässt es nicht bei 9/11-Pornografie. Stattdessen kreiert er mit Batmans Gegenspieler Joker eine Figur, mit der er das Thema nuanciert durchspielt: ein bombenlegender Terrorist, dem nur durch eine totale Überwachung der Gesellschaft beizukommen ist. Wobei just Superheld Batman auf die Idee kommt, jeden Bürger über sein Mobiltelefon zu überwachen. Bloss: Ist der Joker einmal in staatlicher Gewahrsam, ist der Spuk noch lange nicht vorbei. Es entbrennen moralische Konflikte über die Rechte des gefangenen Terroristen, die in der Frage gipfeln, ob er zur nationalen Sicherheit gefoltert werden dürfe. Guantanamo lässt grüssen.

Am Ende ist Gothams Ritter nicht mehr, als ein gescheiterter Gerechtigkeitsfanatiker, ein gefiederter Jack Bauer. Seine Stadt, die er zu beschützen schwor, liegt in Angst und Lähmung darnieder. Christopher Nolan ist das perfekte Mahnmal für die Anschläge vom September 2001 gelungen, die sich in ein paar Wochen zum siebten Mal jähren.

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