Bleibende Bilder

In der Schweiz wird erstmals mehr gestreamt als DVD geschaut. Verändert das den Filmgenuss?

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Die DVD wird ein Fall für das Lexikon des Verschwindens: 2017 haben in der Schweiz zum ersten Mal mehr Leute Filme gestreamt als auf DVD angesehen. Dabei ist der Serienanbieter Netflix nicht einberechnet. Gezählt sind nur Video-on-Demand-Angebote, etwa von Swisscom oder iTunes. Man klickt den Titel über Tablet oder Smart-TV an, zahlt und fängt gleich an zu schauen. 

Die Wende ist Teil des Umbruchs in der Filmbranche. Im ersten Halbjahr 2018 gingen 18 Prozent weniger Menschen in der Schweiz ins Kino als in der Vorjahresperiode. Dabei bleibt der Kinosaal für viele der privilegierte Ort jener Erfahrung, deretwegen sie das Kino lieben lernten. Es ist das zitternde Gefühl nach dem Film. Den Drang, mit jemandem reden zu müssen. Netflix bietet das nicht. 

Einige sehen im Kino nach wie vor den einzigen Raum, der uns zu einer anderen Wahrnehmung zwingt, zu einer anderen Sicht auf die Welt – gerade heute ein Antidot zur Abschottung jeglicher Art. Es sind dieselben Leute, die sagen, dass Filmkunst manchmal anstrengend sein kann. Zu Qualen muss sich aber niemand zwingen lassen.

In einem Punkt bleibt die DVD unerreicht

VHS und DVD erlaubten nämlich auch eine eigene Form der Wahrnehmung. Sie haben es erst möglich gemacht, dass man einen Film bei sich zu Hause haben kann, um ihn aus einer Laune heraus zu schauen. Mit der DVD kamen praktische Bedienfunktionen hinzu. Man konnte Szenen wiederholen, die Zeitlupe einschalten. Man lernte, genauer hinzuschauen. Für Reeditionen mit Booklets bleibt die DVD unerreicht. 

Ist der Stream im Vergleich die flüchtigere Wahrnehmung? Etwas, das im Hintergrund läuft wie ein Radio? Tatsächlich ist die Bildqualität bei vielen On-Demand-Angeboten besser als auf DVD. Und wer streamt, kann heute viel entdecken. Die Technologie hat aber auch Folgen: Filme fürs Tablet unterwegs werden anders gedreht, mit weniger Totalen, mehr Tempo. Und im Überfluss fehlt uns die Einordnung. Wir reden viel über Anbieter. Aber reden wir noch über die Filme? 

Erstellt: 25.07.2018, 22:46 Uhr

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