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Brad Pitt kriegt eins auf die Nase

Maximale Starpower, minimale Aussagekraft: Mit «Burn after Reading», einer düsteren Coen-Brothers-Satire auf menschliche Dummheit, haben Brad Pitt und George Clooney das 65. Filmfestival Venedig eröffnet.

Mehr Prominenz und Ehre an einem Ort lassen sich kaum versammeln. Da schreiten George Clooney, Brad Pitt sowie die diesjährige Oscar-Siegerin Tilda Swinton in Venedig über den roten Teppich, um einen Film der diesjährigen Oscar-Sieger Joel und Ethan Coen zu präsentieren. Was sollte da noch schiefgehen?

Unberechenbare Parabel

Nicht viel, möchte man meinen. Und «Burn after Reading» gefällt denn auch als ebenso amüsante wie unberechenbare Parabel über menschlichen Unverstand und andere Unzulänglichkeiten. Als die Daten-CD des frisch entlassenen CIA-Agenten Osborne Cox (John Malkovich) zufällig bei einer älteren Fitnesscenter-Angestellten (Frances McDormand) landet, hat diese nur noch ein Ziel: Mit Hilfe ihres einfältigen Arbeitskollegen (Brad Pitt) will sie Geld für ihre körperliche Generalüberholung erpressen. Zugleich stösst sie via Onlinedating auf den neurotischen Bundespolizisten Harry (George Clooney), der jedoch bereits mit Osbornes Gattin (Tilda Swinton) ins Bett steigt.

Clooneys Idioten-Trilogie

Dass bei solcherlei Verstrickungen in Liebes-, Berufs- und Finanzdingen am Ende die Dummheit über die Menschlichkeit siegt, erstaunt nicht nur die CIA. Auch Brad Pitt, der erstmals in einem Coen-Film mitspielt und sich dabei ein blutende Nase holt, wundert sich in Venedig: «Ich weiss nicht, ob ich mich als kaugummikauender Fitnesstrainer mit Föhnfrisur eher geschmeichelt oder beleidigt fühlen soll.» Und George Clooney doppelt nach: «Es ist schon irritierend, dass die Coen-Brothers diese idiotischen Figuren ausgerechnet uns auf den Leib geschrieben haben.» Er selbst könne inzwischen bereits auf eine komplette Idioten-Trilogie zurückblicken.

Müde oder mässig gelaunt?

Trotzdem scheinen die beiden Superstars am Lido nur mässig bei Laune zu sein. Insbesondere Pitts Äusserungen beschränken sich auf ein sporadisches Murmeln. Ob der mit seinen Söhnen Maddox und Pax Thien, aber ohne Angelina Jolie Angereiste noch übermüdet ist vom Vorabend? Da gaben Clooney und Pitt auf der Nachbarsinsel Giudecca ein Benefizessen «Pro Darfur» für 150 Gäste. Als Erster wacht Regisseur Joel Coen wieder auf. Allerdings nur, um darüber nachzudenken, was eigentlich daran verwerflich sei, den Idioten zu spielen.

«Ich würde wegrennen!»

Ansonsten war von der versammelten amerikanischen Filmelite in Venedig kaum Nennenswertes zu erfahren. Schade. Auch wenn Eröffnungsfilme selten zu hitzigen Debatten führen, so hätte man sich doch etwas mehr Substanz erhofft. Ein kleiner Trost: Wenigstens die Schlagfertigkeit ist Clooney nicht abhanden gekommen. Nachdem eine dralle spanische Blondine in knappen Pants vergeblich um Aufnahme in Brad Pitts Fitnessstudio ersucht hat, säuselt sie flehend in Richtung Clooney: «George, würden Sie mir nachrennen?» Doch der meint unverblümt: «Nein, ich würde wegrennen!»

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