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Brüder wurden Schwestern

Das Regieduo Wachowski aus Hollywood besteht nun aus zwei Frauen statt aus zwei Männern.

«Nun ja, das ist schwer zu verbergen»: Lana, die einst Larry war, und Andy Wachowski 2013 in London. Foto: Dave J. Hogan (Getty Images)
«Nun ja, das ist schwer zu verbergen»: Lana, die einst Larry war, und Andy Wachowski 2013 in London. Foto: Dave J. Hogan (Getty Images)

Eigentlich ist es ihr alles viel zu früh. Zwar wussten Ehefrau, Familie, Mitarbeiter schon längst, dass aus Andy Wachowski (48, oben rechts), einer Hälfte des berühmten Regisseurpaars, in den letzten Monaten die Frau Lilly geworden war. Aber dann stand am Montagabend ein Reporter des britischen Klatschblattes «Daily Mail» vor ihrer Tür in Chicago. Und sie wusste: Es ist vorbei mit der Diskretion. Andere Journalisten, die Lilly bedrängt hatten, hatte sie um Zurückhaltung gebeten – erfolgreich. Von dem Londoner Revolverblatt war das nicht zu erwarten.

«Wenn man offen als Transsexuelle lebt – nun ja, das ist schwer zu verbergen», schrieb Lilly Wachowski in einer langen Erklärung, die am Dienstag in der «Windy City Times» erschien, einer Wochenzeitung für die LGBT-Gemeinschaft von Chicago (lesbisch, schwul, bi- und transsexuell). «Ich brauchte einfach noch Zeit, um mich selbst daran zu gewöhnen, mich damit wohlzufühlen. Aber das ist offensichtlich nicht meine Entscheidung.»

Ein Klassiker des lesbischen Kinos

So ging Lilly offensiv an die Öffentlichkeit und überschrieb ihre Erklärung: «Schockierende Sexumwandlung – Wachowski-Brüder sind jetzt Schwestern!!!». Denn die andere Hälfte des Hollywoodduos, Lana (50), hatte schon 2012 bekannt gegeben, dass sie nicht mehr Larry sei. Als Wachowski-Brüder hatten die beiden 1996 mit ihrem ersten Film «Bound» ein Spezialpublikum angesprochen – er gilt als Klassiker des lesbischen Kinos. Berühmt wurde das Paar 1999 mit «Matrix», einem Science-Fiction-Knaller mit philosophischer Unterfütterung, der zu einer Trilogie ausgebaut wurde.

Die Wachowskis haben schon in jungen Jahren für Marvel Comics geschrieben und eine Leidenschaft für Rollenspiele wie «Dungeons and Dragons» entwickelt. Ihre Filme sind stark an Comics angelehnt, darunter «V wie Vendetta», das neue Berühmtheit erlangt hat, weil die weit verbreiteten Anonymous-Masken dem Film entlehnt sind. Spätere Werke, darunter «Speed Racer», «Der Wolkenatlas» und zuletzt «Jupiter Ascending» waren weniger erfolgreich.

«Meine Schwester und ich haben die Presse gemieden.»

Lilly Wachowski

Larry und Andy Wachowski gaben trotz ihrer Bekanntheit selten Interviews. «Meine Schwester Lana und ich haben die Presse weitgehend gemieden», schrieb Lilly. «Für mich ist es von frustrierender Langeweile, über meine Kunst reden zu müssen, und hochnotpeinlich, über mich selbst zu reden.» Dazu wurde sie jetzt gezwungen – und plädiert für eine grössere Akzeptanz des Kontinuums zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit. «Dazwischen liegt eine Unendlichkeit, genau wie zwischen null und eins.»

Auch Lana hat sich seit ihrer Verwandlung in eine Frau als Vorbild feiern lassen. Als sie 2012 einen Menschenrechtspreis erhielt, sagte sie: «Als ich jung war, konnte ich niemanden auf der Welt finden, der wie ich war. Wenn ich eine solche Person für jemand anderen sein kann, dann könnte es einen Sinn haben, mein Privatleben geopfert zu haben.»

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