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«Dann mach doch mal vorwärts»

Eine Journalistin und ein Journalist sagen, was der «Fifty Shades»-Film bei ihnen ausgelöst hat.

Denise Bucher, Yann Cherix

Sie: ungeduldig «Ich schlafe nicht mit jemandem. Ich ficke. Hart», sagt Grey. «Ja, dann mach doch mal vorwärts», denke ich. Aber vorerst kommt mal nur eine Krawatte zum Einsatz, um seiner Anastasia die Handgelenke zusammenzubinden. Dann müssen wir mit seinem Helikopter fliegen, ihm beim Klavierspielen zuhören und die Familien kennen lernen. Das mit dem Foltern beherrscht die Regisseurin deutlich besser als ihre angeblich sadistische Hauptfigur. Wenn ich nicht wüsste, dass da irgendwann diese für Hollywood heiklen Szenen kommen müssen, in denen zum puren Lustgewinn gefesselt, geschlagen, gequält und gelitten wird, ich hätte den Saal verlassen. Kitschige Liebes­geschichten zwischen unerfahrenen Mädchen und dunklen Rittern der Leidenschaft habe ich schon genug gesehen. Und bessere. Solche, die nicht aussehen wie ein endloser Werbespot für Parfüme, Autos und andere Luxusgüter. Solche, in denen ich nachvollziehen kann, warum die Frau sich ausgerechnet in den Typen mit der undurchdring­lichen Fassade verliebt. Wenn seine Hand dann endlich unter ihrer Bluse oder – Ja! Jetzt! – auf der Klinke zum geheimnisvollen Raum mit den verbotenen Spielzeugen liegt, klingelt sicher sein Telefon, oder die Mutter kommt rein, oder Anastasia findet: «Wir müssen reden.» Bitte nicht schon wieder. Ich muss jetzt ganz dringend aufs Klo. Denise Bucher

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