Das Bond-Girl ist der Star

«Spectre», das 24. Abenteuer von 007, lebt natürlich von James Bond und dem Bösen. Vor allem aber von der brillanten Léa Seydoux.

Weder Superpüppchen noch Flintenweib: Erst an der Seite von Schauspielerin Léa Seydoux bekommt Daniel Craig als James Bond seine besten Momente. Foto: PD

Weder Superpüppchen noch Flintenweib: Erst an der Seite von Schauspielerin Léa Seydoux bekommt Daniel Craig als James Bond seine besten Momente. Foto: PD

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In Wahrheit ist James Bond kein Jäger, sondern ein Gejagter. Gejagt wird er von den Einspielergebnissen des vorhergehenden Filmes, und die waren im Fall von «Skyfall», mit rund einer Milliarde Franken, gnadenlos gut. Bond muss sich in seiner 24. Serientat also ganz schön anstrengen. Und in der Tat, seine Darbietung wirkt angestrengt.

Mit einem Massenaufgebot an Statisten eröffnet «Spectre» in Mexiko-Stadt inmitten eines riesigen Volksfestes von Tausenden als Tote verkleideter Menschen. Hier eliminiert Bond, zum vierten Mal gegeben von Daniel Craig, einen Gangster, wobei ein halbes Quartier in Schutt und Asche geht. Die Eingangs­sequenz hat Punch und Style und eine ambitionierte, minutenlange und ungeschnittene Sequenz. Aber, mit Verlaub, dieser Anfang will kein Ende nehmen, reiht einen Stunt an den anderen. So, als habe Regisseur Sam Mendes, der mit «Skyfall» nicht nur den kommerziell ­erfolgreichsten Bond lieferte, sondern auch den besten, dieses Mal nicht an die Kraft seiner Bilder geglaubt.

Ein neuer Aston Martin

Gut möglich, dass ihm die Bond-Ge­meinde verzeiht. Denn selbstverständlich liefert «Spectre» – mit 148 Minuten der längste Bond – so gekonnt wie routiniert ein reichhaltiges Pflichtprogramm. Kinetisches Kabarett, Stunts und Ver­folgungsjagden, die an die Ästhetik von ­Videogames erinnern. Treffsichere One-Liner, exotische Schauplätze. Unzählige Anspielungen auf frühere Folgen, manchmal mit oberlehrerhafter Deutlichkeit. Und einen futuristischen Aston Martin DB10, an dem auch Batman seine Freude hätte. Mit Ralph Fiennes als M, Naomie Harris als Miss Moneypenny und Ben Whishaw als Q hat Bond zudem vertrautes und schauspielerisch hoch qualifiziertes Personal zur Seite, das ihm Vorlage um Vorlage für Pointen liefert.

Der Trailer von «Spectre». Quelle: Youtube

Nun gut, das alles darf das Publikum erwarten. Für mehr Spannung sorgte die Frage, ob der böseste aller Bond-Bösewichte endlich sein Comeback geben würde: «Spectre»-Chef Ernst Stavro Blofeld, erdacht und beschrieben von Ian Fleming in mehreren Bond-Romanen. Und, so weiter die Mutmassungen, würde Premium-Schauspieler Christoph Waltz dieses Scheusal verkörpern oder bloss einen subalternen Halunken? Der Film gibt darauf eine eindeutige und originelle Antwort, die an dieser Stelle ­jedoch nicht verraten wird. Was man ­sagen darf: Waltz spielt, obwohl er nicht allzu viel Leinwandpräsenz bekommt, seine grosse Klasse aus. Und: Mit der Neueinführung des Verbrechersyndikats, das als Logo einen Kraken führt, hat Bond jetzt eine Gegnerschaft, an der er sich nun über mehrere Filme hinweg abarbeiten dürfte.

Der Krake greift nach Daten

Die Blofeld-Trilogie umfasst bei Fleming die Bücher «Thunderball» (1961), «On Her Majesty’s Secret Service» (1963) und «You Only Live Twice» (1964). Bei Fleming weisen Blofeld und sein Spectre übrigens zahlreiche Schweiz-Bezüge auf (die im Film nun fehlen). So operiert der Ultraverbrecher von der Schweiz aus, bunkert in den hiesigen Banken sein Vermögen, und im letzten Band der Romanreihe wird er gar zum Schweizer, zum «Swiss Doctor Guntram Shatterhand». Blofeld ist der Prototyp des Ultraverbrechers und so gesehen ein Äquivalent zu Figuren wie dem Joker (aus der Batman-Serie) oder Professor ­James Moriarty (aus den Sherlock-Holmes-Episoden). Der slowenische Marxist und Philosoph Slavoj Žižek sah in ­Blofeld gar einen «ideologischen Wegbereiter» Osama Bin Ladens.

Wegen eines Streits um Markenrechte, der erst 2013 mit der Zahlung eines Millionenbetrages beigelegt wurde, durften die Bond-Film-Produzenten mehr als 40 Jahre lang Spectre nicht mehr verwenden. Im neuen Film nun aber ist die Organisation zurück und will Zugang zu den Geheimdienstinformationen ­aller Länder der Welt – in der Tat eine zeitgemässe Interpretation des Stoffes. Das Wort vom Datenkraken bekommt hier eine neue Bedeutung; und der Hackerangriff auf Sony, bei dem auch die «Spectre»-Drehbücher geleakt waren, erlangt eine bitter-ironische Note.

Mit «Spectre» kehrt die Bond-Serie also abermals zum Originalstoff zurück, so wie es Programm ist seit «Casino Royale» (2006). Zehn Jahre später ist dieser Reboot, also die Sanierung der erfolgreichsten Kinoserie überhaupt, abgeschlossen. Bonds Zukunft – und damit die Businessstrategie eines globalen Brands – besteht nun im Neuerzählen bekannter Geschichten, im Prinzip des Remakes. Das macht diese 24. Folge der Serie in aller Deutlichkeit klar.

Was als Grund, sich ihn später immer wieder anzusehen, aber kaum reicht. Da braucht es schon Léa Seydoux. Die französische Schauspielerin, die 2013 durch das freizügige Lesbendrama «La vie d’Adèle» bekannt wurde, spielt die junge Ärztin Madeleine Swann. Sie kämpft mit Bond gegen Spectre, um ihren Vater zu rächen, den aus früheren Episoden bekannten «Mister White». Wohlgemerkt: Seydoux ist kein Bond-Girl, sondern eine Bond-Partnerin. Auch als «französische Scarlett Johansson» gehandelt, verkörpert sie in «Spectre» weder das Superpüppchen noch ein Flintenweib, sondern eine ziemlich normale junge Frau, die aber nicht zögert, im richtigen Moment abzudrücken. Swann ist eine Frauenfigur, die der Thriller­serie um Jason Bourne entstammen könnte. Dieser Gender-Realismus tut Bond gut, an der Seite von Seydoux hat Craig seine besten Momente. Die ­beiden halten Händchen, prügeln sich, aber nur, um sich dann gemeinsam durch die Linie der Feinde zu schiessen. Das alles überzeugt.

Und Daniel Craig, der mittlerweile 47-jährig ist, was macht er? Wird es ein fünftes Mal geben? Der Mann hatte vor seiner Zeit als James Bond eine seriöse und erfolgreiche Karriere. Wahrscheinlich gäbe es für ihn auch ein Leben nach 007. In der Schlussszene von «Spectre» schmeisst Bond seine Walther PPK in die Themse, um in Richtung Léa Seydoux alias Madeleine Swann davonzugehen. Womöglich bringt das Craig auf den einen oder anderen Gedanken. Schliesslich braucht jeder mal einen Reboot.

Erstellt: 27.10.2015, 07:47 Uhr

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Monica Bellucci, 1964 geboren, studierte die
Italienerin Jura, bevor sie ab 1990 als Aktrice bekannt wurde. In «Spectre» spielt sie das älteste Bond-Girl in der Geschichte der Serie.

Bond-Girl Monika Bellucci

«Ich wusste nicht, ob ich lachen oder küssen soll»

Die Bellucci ist in «Spectre» fünf Minuten zu sehen. Genug Zeit, um Bond ganz nahe zu kommen.

Sie sind das älteste Bond-Girl der Geschichte!
Ich bevorzuge den Ausdruck Bond-Lady. Als Regisseur Sam Mendes mich anfragte, dachte ich zuerst, er wolle mich als Nachfolgerin von Judi Dench als M. «Was soll ich mit meinen 51 Jahren bei Bond?», fragte ich ihn.

Was antwortete er?
Ich soll Bond verführen! Das hat mir gefallen. Bond küsst zum ersten Mal eine Lady, die älter ist als er. Das ist eine Provokation. Ich musste laut rauslachen.

Die Szene ist nur kurz.
Das hat mir gefallen. Natürlich will man immer die grossen Rollen spielen. Aber diese fünf Minuten im riesigen Spektakel wirken wie ein kleiner Film für sich.

Haben Sie früher von Bond ­geträumt?
Ich wurde sogar schon angefragt, mit­zumachen, aber es ergab sich nie konkret. Zum Glück. Wenn ich mit 30 ein Bond-Girl gespielt hätte, wäre das nichts Besonderes gewesen. Jetzt schon. Von Bond geträumt habe ich immer. Das tut doch jede Schauspielerin.

Aber die Bond-Girls sind doch oft nur passive Sexualobjekte.
Schon. Aber gleichzeitig ist ihre Weiblichkeit so stark, dass sie jeden umhaut. Das ging mir sogar durch den Kopf, als ich mit Daniel Craig meine Szene drehte.

Beim Drehen?
Ja. Ich habe ja so viele James-Bond-Filme gesehen. Und plötzlich stehe ich dem Mann gegenüber. Der schaut tief in meine Augen und sagt tatsächlich: «Mein Name ist Bond, James Bond.» Ich wusste nicht, ob ich lachen oder küssen soll.

Denken Sie, es wird sich etwas ändern, mit einer Bond-Lady?
Bond wird moderner. Verführt nicht mehr nur junge, dumme Blondchen. Das könnte durchaus Signalwirkung haben.

In Hollywood werden Liebespaare immer noch gern mit alten Stars und jungen Frauen besetzt.
Man darf nicht alles in einen Topf werfen. Es gibt ältere Schauspielerinnen wie Judi Dench, Helen Mirren oder Catherine Deneuve, die grossartige Karrieren haben, auch in Hollywood. Aber selbstverständlich ist das Filmgeschäft immer noch eine Männerwelt. Schönheit ist ­alles. Dagegen habe ich nicht einmal ­etwas einzuwenden, ich schaue auch zu meinem Äussern, ich mag auch High Heels, roten Lippenstift und elegante Kleider. Aber ich will auch respektiert werden, nicht nur auf mein Äusseres ­reduziert. Ich hoffe, da ändert sich tatsächlich ­etwas.

Könnte James Bond in Zukunft von einer Frau gespielt werden?
Vielleicht wäre das eine lustige Idee. Aber wir müssen nicht um jeden Preis die Männer aus ihren Rollen drängen. Ich liebe Männer. Und ich liebe Frauen. Wir sollten einfach das richtige Gleichgewicht finden. Das ist schwierig. Und es ist nicht damit getan, dass Frauen jetzt auch rumballern und den Macho machen.

Apropos Macho – gefällt Ihnen Daniel Craig als Bond?
Er ist grossartig, er hat so viele Elemente als Schauspieler. Und Regisseur Sam Mendes kann alles aus uns Darstellern rausholen, als ob wir ein Piano wären – ding, ding, ding. Erst diese Note, dann diese, dann noch eine andere dazu. Einmal killt Bond, dann küsst er, dann ist er knallhart. Aber er ist auch romantisch, vielleicht das erste Mal in seiner ganzen Karriere. Und er hat diesen Todes­instinkt, was ihn menschlich macht. Craig ist ein idealer, moderner Bond.

Ist «Spectre» sein letzter Auftritt in der Rolle?
Keine Ahnung. Das hat er mir nicht ins Ohr geflüstert in unserer Liebesszene.

Mit Monica Bellucci sprach Matthias Lerf

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