«Das ist kein Kino»

Regie-Legende Martin Scorsese hält nichts von Superheldenfilmen. Noch weiter geht Francis Ford Coppola.

Martin Scorsese löste mit einem harschen Statement über «Avengers» & Co. eine Diskussion aus. <nobr>Foto: Getty Images</nobr>

Martin Scorsese löste mit einem harschen Statement über «Avengers» & Co. eine Diskussion aus. Foto: Getty Images

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Was ist Kino? Wer entscheidet darüber? Und nach welchen Kriterien? Ist es eine technische Frage, sind alle bewegten Bilder Kino? Oder muss Kino eine filmkünstlerische Lesart der Wirklichkeit sein? Braucht es eine grosse Leinwand? Und was ist dann mit Netflix?

Vor ein paar Tagen hat Martin Scorsese die Diskussion ums Kino wieder einmal entfacht. Der Altmeister sprach Superheldenfilmen wie «Avengers» oder «Guardians of the Galaxy» den Kino-Status ab. «Ich habe versucht, sie anzuschauen», sagte er dem «Empire»-Magazin, «aber das ist kein Kino, diese Filme sind eher Vergnügungsparks mit Schauspielern, die unter den Umständen das Beste geben, was sie können.» Laut Scorsese gehe es im Kino darum, emotionale und psychologische Erfahrungen zu vermitteln.

Scorseses Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, wo der Superheldenfilm «Avengers: Endgame» mit 2,8 Milliarden Dollar kürzlich einen neuen Kassenrekord aufgestellt hat. Sind die Zuschauer, die den Film toll fanden, alles Kinder oder infantile Erwachsene, wie es nun seitens der Scorsese-Verteidiger tönt? Derweil verweisen die Fans der Superhelden darauf, dass Kino nicht nur zur Erleuchtung beitragen muss, sondern durchaus eskapistische Unterhaltung sein dürfe.

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Inzwischen melden sich weitere berühmte Regisseure und Schauspieler zu Wort. James Gunn, der Macher von «Guardians of the Galaxy», schreibt auf Instagram: «Superhelden sind einfach die heutigen Gangster/Cowboys/Abenteurer im Weltraum. Einige Superheldenfilme sind schrecklich, andere wunderschön. Wie Western und Gangsterfilme weiss sie nicht jeder zu schätzen, selbst einige Genies nicht.»

«Avengers»-Regisseur Joss Whedon replizierte mehrdeutig, indem er auf den Superhelden Hulk anspielte: Es gebe Gründe, warum dieser «immer wütend» sei.

Samuel Jackson, der in zehn Marvel-Filmen mitspielt, sagte vor Journalisten: «Jeder hat seine Meinung. Martins Aussage ist, als würde man sagen, Bugs Bunny sei nicht lustig. Es gibt Italo-Amerikaner, die mit Scorseses Mafia-Filmen ein Problem haben.»

«Superheldenfilme sind abscheulich»

Apropos Mafia-Filme: Auch Francis Ford Coppola, der Regisseur der «Pate»-Filme, hat seine Meinung kundgetan. In Lyon, wo er mit dem Prix Lumière für seinen Beitrag zum Kino ausgezeichnet wurde, befand der Filmemacher: «Martin war noch freundlich. Er sagte nicht, was ich jetzt sage: Superheldenfilme sind abscheulich.» Die Frage, was Kino sei, beantwortete der «Apocalypse Now»-Regisseur auch gleich: Er erwarte vom Kino, dass er etwas lerne, etwas gewinne, aufgeklärt oder inspiriert werde.

Vielleicht sollten sich die zerstrittenen Parteien auf den eben angelaufenen Film «Joker» einigen – die Geschichte handelt von Batmans Gegner, einem wütenden Antihelden, der eindeutig von Scorseses «Taxi Driver» und «King of Comedy» geprägt ist.

Vom Grosskotz zum Terroristen: Die Entwicklung der Joker-Figur. Video: Tamedia Webvideo

Erstellt: 23.10.2019, 12:21 Uhr

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