Zum Hauptinhalt springen

Das Unsummenspiel

Spielfilme wie «Margin Call» inszenieren den Bankencrash als Drama. Bloss: Was kann das Kino von der Finanzkrise erzählen, was wir nicht schon wüssten?

«Margin Call»: Nein, diese Zahlen! Risikomanager Kevin Spacey kanns kaum fassen.
«Margin Call»: Nein, diese Zahlen! Risikomanager Kevin Spacey kanns kaum fassen.

Am Ende der Nacht hebt der Banker im Rasen vor seinem Haus eine Grube aus. Er will darin nicht etwa den Kapitalismus beerdigen, sondern seinen Hund. Das Tier ist ihm als letzter Freund übrig geblieben, nachdem ihn seine Frau verlassen hat. Nun ist der Hund tot.

Es ist eine rührende Szene, und sie zeigt, auf welchem moralischen Reflexionsniveau der Film «Margin Call» sich bewegt. Da gibt sich der Autor und Regisseur J. C. Chandor enorme Mühe, die komplexe Ökonomie der High-Risk-Spekulation am Vorabend der Finanzkrise in einem Kammerspiel zu verdichten – und zum Schluss zieht er sich doch auf die sentimentale Ökonomie eines Rührstücks zurück. Wenn man ihn seiner seelischen Verankerung beraubt, so die simple Botschaft, ist der Risikokapitalist von der Wallstreet auch nur ein Mensch, dem das Herz blutet, wenn er trauert.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.