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Aaaaoooouuuuiiiii!

«The Legend of Tarzan» kommt ins Kino. Zeit für einen Rückblick auf die bisherigen Lianenschwinger.

Der Aktuelle: Alexander Skarsgård als Muskelmann in «The Legend of Tarzan». Bekannt wurde der Schwede als Vampir in der Serie «True Blood».
Der Aktuelle: Alexander Skarsgård als Muskelmann in «The Legend of Tarzan». Bekannt wurde der Schwede als Vampir in der Serie «True Blood».
Warner Bros.
Der Erste: Elmo Lincoln war 100 Kilo schwer und fast zwei Meter gross. Die Äste mussten für «Tarzan of the Apes» (1918) verstärkt werden, damit sie nicht brachen.
Der Erste: Elmo Lincoln war 100 Kilo schwer und fast zwei Meter gross. Die Äste mussten für «Tarzan of the Apes» (1918) verstärkt werden, damit sie nicht brachen.
Keystone
Der Animierte: Disney brachte 1999 den Dschungelkönig als Zeichentrickfigur ins Kino – er konnte schwereloser durch den Dschungel schweben als jeder vor ihm.
Der Animierte: Disney brachte 1999 den Dschungelkönig als Zeichentrickfigur ins Kino – er konnte schwereloser durch den Dschungel schweben als jeder vor ihm.
Keystone
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O ja, er sieht gut aus mit nacktem Oberkörper: kein Gramm Fett zu viel, und jeder Muskel sitzt. Er kann zornig schauen, wenn ein Bösewicht auftaucht, aber auch seiner Jane verliebte Blicke zuwerfen. Und er wirkt nicht einmal lächerlich, wenn er mit einer Löwin schmust. Nein, am neuen Tarzan Alexander Skarsgård ist nichts auszusetzen. Wäre er nur nicht in eine so affige Geschichte geraten.

«The Legend of Tarzan» heisst das Dschungelabenteuer, mit dem Hollywood die Affenreihe wiederzubeleben versucht. Die Traumfabrik setzt dabei auf bewährte Kräfte: Regie führt David Yates, der die Harry-Potter-Filmreihe zu einem guten Ende gebracht hat. Den Bösewicht gibt der ewige Christoph Waltz. Tarzan selber mag dem normalen Kinopublikum weniger bekannt sein – aber der Sohn des schwedischen Schauspiel-Schwergewichts Stellan Skarsgård hat sich in der Vampirserie «True Blood» einen Namen gemacht. Dazu gibts zähnefletschende Gorillas, wilde Schwarze und ausbeuterische Weisse in rauen Mengen.

Trailer zu «The Legend of Tarzan», ab 28. Juli im Kino Das ist das Problem. Die Geschichte vom edlen Lord und Erbe eines Millionenvermögens, der bei den wilden Tieren aufwächst, wurde 1912 von Edgar Rice Burroughs als Groschenroman veröffentlicht. Sie wurde in 100 Jahren und gegen 200 Filmen immer wieder neu interpretiert. Aber im Grunde genommen geht es immer nur um das eine: den edlen Weissen, der die Kräfte der Natur – zu denen auch die Bewohner Afrikas gehören – beherrscht.

Vor 100 Jahren war das noch einfach. Als Regisseur Scott Sidney 1918 den allerersten Tarzan-Film inszenierte, engagierte er im nahen Sportclub ein paar Athleten und steckte sie ins Affenfell. Für die Hauptrolle fand er in der Person von Elmo Lincoln, der im Monumentalfilm «Birth of a Nation» einen Hufschmid verkörpert hatte, ein Kraftpaket von einem Mann: Der erste Tarzan war 1,90 Meter gross und 100 Kilo schwer – die Äste, auf die er sprang, brachen unter seinem Gewicht.

«Das ist nicht meine Geschichte», sagte der Erfinder

Dem Publikums hats gefallen, dem Tarzan-Erfinder nicht: «Tarzan of the Apes» spielte die für damalige Verhältnisse immense Summe von einer Million Dollar ein. Edgar Rice Burroughs bekam seinen Teil, war aber trotzdem nicht zufrieden und bezeichnete den ersten Tarzan-Darsteller als «Tanzbären»: Einerseits war ihm dieser grobschlächtige Kerl zu wenig edel (für einen Lord), andererseits zu menschlich (für ein Affenkind). «Das ist nicht meine Geschichte», liess er sich verächtlich zitieren.

Kanadische Buchausgabe der ersten Tarzan-Geschichte Sein Geschäft wurde es trotzdem. Zwar hatte der König der Tarzan-Bücher, weil er sich in komplizierte Deals verheddert hatte, nicht immer alle Filmrechte unter Kontrolle. Doch mit der Figur und zahlreichen weiteren Tarzan-Artikeln verdiente Burroughs ein Vermögen. Was ihn nicht daran hinderte, seinem Missfallen über die Darsteller weiterhin lautstark Ausdruck zu verleihen.

Mit denen ging es in der Tat nicht gerade aufwärts. Tarzan Nummer zwei hiess Gene Pollar, war ein New Yorker Feuerwehrmann – ein Beruf, den er nach seinem Ausflug in den Filmdschungel wieder aufnahm. Nummer drei war auf der Leinwand fast nicht zu sehen, weil Tarzans Sohn im Mittelpunkt stand. Und Nummer vier, ein Mann namens James Pierce, war den körperlichen Anstrengungen des Baumspringens schlicht nicht gewachsen – dafür heiratete er Burroughs’ Tochter, sodass sich der Schwiegervater diesmal mit der Kritik etwas zurückhalten musste. Dann kam der Tonfilm. Und Johnny Weissmuller.

Tarzan als Kumpel, der gegen Krokodile kämpft

Mit dem Schwimm-Olympiasieger begann 1932 eine neue Ära im Dschungel: Der Dschungelkönig lernte sprechen («Ich Tarzan, Du Jane»), schreien («Aaaaoooouuuuiiiii») und bekämpfte alles Böse, das sich im Urwald tummelte. In 17 Jahren und neun Filmen zementierte Weissmuller das Bild, das Burroughs so hasste: Tarzan als netter, aber etwas naiver Kumpel, der allzeit bereit ist, gegen ein Krokodil oder eine Bande Nazis anzutreten. Das blieb auch später so.

Maureen O'Sullivan, Johnny Weismuller (und Affe Cheetah) im Jahr 1932 in ihren Paraderollen Zwanzig Tarzan-Darsteller gibt es bis jetzt im Kino, Spuren hinterlassen hat zum Beispiel Lex Barker, den es später als Old Shatterhand in den Wilden Westen verschlug. Und für Aufsehen sorgte Miles O'Keeffe, dem Bo Derek als Jane zwar die Show stahl, der aber 1981 endlich kennen lernte, was den Dschungelkönigen bis anhin vorenthalten war: Sex. Schliesslich haben der gute alte Johnny Weissmuller und seine Jane Maureen O'Sullivan sogar in der Dschungelhütte in getrennten Schlafzimmern genächtigt, und ihr Kind ist nicht etwa gezeugt, sondern aus einem abgestürzten Flugzeug gerettet.

Das ist der Geist von Tarzan, er weht 100 Jahre nach der Erfindung immer noch. Alexander Skarsgård wird zwar mit Margot Robbie eine schlagfertige Jane zur Seite gestellt. Und die Affen sind nicht mehr verkleidete Menschen, sondern digital hergestellte Geschöpfe. Die Handlung aber ist im neuen Film auf verkrampfte Art modernisiert, die Originalgeschichte gibts nur in Rückblenden, Tarzan und seine Gegner spielen dafür mit dem eigenen Image – «Ich nehme die Vorhänge, nicht die Treppe», sagt der Dschungelkönig auf seinem britischen Anwesen mal augenzwinkernd einer erstaunten Gästeschar. Und wenn er ein Problem mit Jane zu besprechen hat, setzt sich der Lord auch in Britannien auf einen Baum.

Mehr Narben als früher: Margot Robbie und Alexander Skarsgård im neuen Film Aber es hilft nichts. Am Ende ist es – Aaaaoooouuuuiiiii! – so wie immer: Tarzan verjagt mithilfe der Tiere alles Böse aus Afrika. Die Affen danken, und der edle Weisse wartet aufs nächste Abenteuer.

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