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Der Heimatboden schwankt

Am 67. Filmfestival von Locarno schlug sich der Schweizer Film im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht.

Von Christoph Schneider, Locarno

Sie haben den «Wilhelm Tell» aufgeführt auf der Piazza Grande. Oder besser: im Spielfilm «Schweizer Helden» von Peter Luisi. Es scheint sich darin die halbe Welt zu versammeln in einem Durchgangszentrum für Asylbewerber, alle machen mit, und das Volk von Uri hat am Schluss seine helle Freude an diesem Spiel. Kurz: Friedrich Schiller trifft aufs Asylwesen. Bevor im Film das Stück aufgeführt werden kann, hat man den afrikanischen Tell ausgeschafft, die Zweitbesetzung ist ein Kurde, und ein alter Tibeter ruft, der Apfel sei gefallen.

Eine tolle, theatralische Idee. Sie lebt von melodramatischer Skurrilität. Aber es dauert, bis Schiller bühnenreif ist, und davor hat man viel Mühsal durch­zustehen. Peter Luisi («Der Sandmann») hat ein Talent fürs Kuriose und hält sich an den Ernst der Sache. Bloss findet er dazwischen keine andere Lösung als die Rührseligkeit. Deshalb kommt eine gut meinende Schweizerin (Esther Gemsch) vor, die es auch nicht leicht im Leben hat, Reclam-Hefte verteilt und versucht, Seelen zu gewinnen.

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