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Deshalb stürzte die Oscar-Show ab

Einschaltquoten im Keller: Die 92. Gala war zu lang, zu konfus, zu weiss und zu dröge.

Hans Jürg Zinsli
Joaquin Phoenix während seiner Oscar-Dankesrede. Foto: Keystone
Joaquin Phoenix während seiner Oscar-Dankesrede. Foto: Keystone

Mit nur noch 23,6 Millionen Fernsehzuschauern in den USA hat die Oscar-Gala einen neuen Minusrekord eingefahren. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang von happigen 6 Millionen. Die Gründe für dieses Debakel liegen auf der Hand: Zum einen war die aktuelle Show mit dreieinhalb Stunden schlicht zu lang und wirkte – da ein Hauptmoderator fehlte – streckenweise zerfahren. Zum andern waren die musikalischen Auftritte mit Ausnahme von Billie Eilishs wehmütigem «Yesterday» von bescheidener Qualität. Aber das ist nicht alles.

Den Kampf um die Zuschauer hatte die Akademie im Prinzip schon bei den Oscarnominationen verloren. Von zwanzig nominierten Schauspielern waren bekanntlich 19 weiss; ein preisverdächtiger Latinostar wie Jennifer Lopez («Hustlers») wurde übergangen, und die einzige schwarze Nominierte (Cynthia Erivo, «Harriet») war von vornherein chancenlos. Warum also hätten Latinos und Afroamerikaner den Fernseher überhaupt einschalten sollen?

Ein Vergleich zu 2019 zeigt: Damals konnte die schwarze Community auf Oscars für den publikumsträchtigen Superheldenfilm «Black Panther» und Spike Lees «BlacKkKlansman» hoffen, die Auszeichnungen für die besten Nebendarsteller gingen an die Afroamerikaner Mahershala Ali und Regina King. Und der Mexikaner Alfonso Cuarón gewann schliesslich den Regie-Oscar für «Roma». Wenn man diese Communitys aber von vornherein ignoriert, muss man sich nachher nicht wundern, dass das Interesse geschwunden ist.

Oscars müssten sich auf Kernkompetenz konzentrieren

Kommt hinzu, dass die Oscarshow auch einfach mal wegkommen müsste von ihrem anachronistischen Danksagungs-Salat. In Zeiten von Social-Media-Dominanz und permanenter Star-Verfügbarkeit genügt dieser Abfertigungsparcours nicht mehr.

Die Oscarshow müsste sich stattdessen auf ihre Kernkompetenz konzentrieren – und die steht ja bereits im Namen: Show. Wer die Oscars schaut, will sich nicht langweilen, sondern unterhalten werden. Und wie das geht mit dem Entertainment, das zeigten dieses Jahr unter anderem Steve Martin und Chris Rock (beide hatten die Gala bereits moderiert) sowie Kristen Wiig und Maya Rudolph. Letztere schafften es sogar, so dröge Kategorien wie Production Design unterhaltsam zu gestalten. Auch das sollte den Oscars eine Lehre sein.

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