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«Die Bilderkette reicht weit zurück»

Der Kulturtheoretiker Tom Holert sieht im Anschlag auf «Charlie Hebdo» eine Form der Dialogverweigerung, die über Bilder ausgetragen wird.

Er wurde von den Kouachi-Brüdern erschossen: Das Grab des Polizisten Ahmed Merabet. Foto: AP, Keystone
Er wurde von den Kouachi-Brüdern erschossen: Das Grab des Polizisten Ahmed Merabet. Foto: AP, Keystone

Der Anschlag auf «Charlie Hebdo» war auch eine Attacke auf das westliche Selbstverständnis und die Tradition der Überzeichnung. Stehen nun alle unsere Bildmedien auf der Probe?

Das bezweifle ich. In Paris zeigte sich erneut und auf drastische Weise, was seit der Fatwa gegen Salman Rushdie oder dem Streit um die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» deutlich wurde: dass man Blasphemie terroristisch instrumentalisieren kann. Radikale Islam-Anhänger setzen Satire ausschliesslich mit Europa und dem Westen gleich – und verstehen sie damit wahlweise als «ungläubig» oder neokolonial. Auf der Probe steht also zunächst die rechtsstaatliche Ordnung und ein Rechtsverständnis, das mit der Pressefreiheit verbunden ist. Geht man zu bereitwillig auf die kulturellen Dimensionen ein, droht die Kulturalisierung eines solchen Attentats.

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