Date mit Daenerys

Emilia Clarke aus «Game of Thrones» spielt jetzt im Weihnachtsfilm «Last Christmas». Wir haben sie getroffen.

«Last Christmas, I gave you my heart...». Emilia Clarke sagt, sie möge diese Schnulze sogar, wenn sie sie selber singe. Foto: Universal Pictures

«Last Christmas, I gave you my heart...». Emilia Clarke sagt, sie möge diese Schnulze sogar, wenn sie sie selber singe. Foto: Universal Pictures

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Die Drachen sind stets dabei, wenn Emilia Clarke einen Raum betritt. Natürlich nicht die grossen Viecher, die sie in «Game of Thrones» als Daenerys Targaryen herumkommandierte. Aber sie hat sich drei winzige Fabelwesen auf den Unterarm tätowieren lassen, als Erinnerung an die acht Jahre mit der Serie, die ihr Leben geprägt haben. Kommen jetzt, nach dem rührenden Weihnachtsfilm «Last Christmas», vielleicht ein paar Tränlein dazu, o Kaleshi?

So kennt man Emilia Clarke aus «Game of Thrones»: Daenerys Targaryen, Mutter der Drachen

Solche Anspielungen kennt sie natürlich in- und auswendig. Sie antwortet deshalb sachlich: «In der Wahl des Films steckt kein Konzept.» Und: «Mein Ziel war keinesfalls, mich mit dieser Rolle so weit wie möglich von meiner Serienfigur zu entfernen. Ich habe das Drehbuch gelesen, es hat mir gefallen, ich habe zugesagt.» Um dann doch einen Spruch zu machen: «Nun gut, vielleicht wollte ich schon immer Emma Thompson als Mutter haben.»

Die Schauspielerin Emma Thompson hat das Drehbuch zu «Last Christmas» geschrieben und verkörpert darin auch die Mama, aber davon später mehr. Hier geht es um Emilia Clarke. 33 Jahre alt. Aushängeschild der einflussreichsten TV-Serie der vergangenen Jahre. Und jetzt auf dem Sprung, auch im Kino richtig Fuss zu fassen. Das ist schwieriger, als manche denken. Ein gewisser George Clooney hatte zum Beispiel bereits den «Batman» gespielt, wurde aber immer noch nur als der gut aussehende Kinderarzt aus «Emergency Room» wahrgenommen. Den Durchbruch auf der Leinwand hat ihm lange keiner zugetraut. Und das soll Emilia Clarke jetzt ausgerechnet mit einem Weihnachtsfilm gelingen?

Eigentlich die Verfilmung des George-Michael-Songs

Wobei: Weihnachtsfilm ist nicht gleich Weihnachtsfilm. Es geht um die richtige Mischung zwischen Süsse und Tränen, Humor und Kitsch. Von all dem gibt es genug in «Last Christmas»: Emilia Clarke spielt eine junge Frau in London, die sich gerade von einer schweren Krankheit erholt hat. Sie muss sich wieder finden, gerät dabei aber stets an die falschen Männer und an zu viel Alkohol. Bis eines Tages dieser fabelhafte Tom (Henry Golding) vor dem Laden steht, in dem sie Weihnachtsschmuck verkauft. So beginnt eine Liebesgeschichte, die fast zu schön ist, um wahr zu sein: «Last Christmas, I gave you my heart...»

«Gibt es eigentlich ein Lied mit diesen Worten?», fragt Emilia Clarke mit gespielter Unschuld. Der Überhit von Wham!, der regelmässig zu den Festtagen wieder in den Hitparaden auftaucht, stand als Inspiration am Ursprung des Films. Es kommen darin noch mehr Songs von George Michael vor, als Zugabe gibt es einen unveröffentlichten aus dem Nachlass des an Weihnachten 2015 verstorbenen Sängers. Aber im Zentrum steht natürlich eben dieses «Last Christmas», in dem eine verflossene Liebe besungen wird. «Ich mag diesen Song sehr, sogar wenn ich ihn selber singe», sagt Emilia Clarke, «bevor ich Werbung für diesen Film machte, wusste ich gar nicht, dass es Menschen gibt, die ihn nicht ausstehen können.»

Die gibt es, selbstverständlich. Und es gibt auch solche, die einen grossen Bogen um all den Weihnachtskitsch auf der Leinwand und am Fernsehen machen, der jetzt wieder auf uns einprasseln wird.

Emilia Clarke nicht. «Ich verbringe Weihnachten mit meiner Familie zu Hause. Es gibt Essen, viel Alkohol und ‹Love Actually›. Nichts Ungewöhnliches also.» Sie mag auch Geschenke. «Ich plane meine Liste immer zum Voraus, aber dann renne ich in der letzten Stunde noch einmal in die Läden, weil ich denke, zu wenig eingekauft zu haben.» Und: «Ich fühle mich einfach gut, wenn ich andere beschenken kann. Das schüttet Serotonin aus, Glückshormone.» Bekommen Sie denn auch gerne Geschenke, Frau Clarke? «Nein, da bin ich ganz schlecht. Seit ich berühmt bin, überlege ich mir immer, was sich meine Freunde wohl alles ausdenken müssen, weil sie vielleicht nicht so viel Geld ausgeben können wie ich. Das finde ich peinlich – für mich natürlich, nicht für sie.»

Zuerst wurde sie auf der Strasse gar nicht erkannt

Dabei kennt sie beide Seiten des Erfolgs. Emilia Clarke wuchs in Berkshire auf, westlich von London, ihr Vater war Toningenieur bei Musicals, sie wollte Sängerin werden. Nach einem Schauspielstudium spielte sie ein wenig Theater und hatte winzige Auftritte in britischen TV-Serien. Dann kam «Game of Thrones», und alles wurde anders. Wobei sie auch gerne erzählt, dass sie als Dunkelhaarige, die in der Serie diese Perücke trug, zuerst gar nicht erkannt wurde auf der Strasse. Wenn sie zum Beispiel mit ihrem Serienpartner Kit Harington unterwegs war, hätten ihr die Menschen auf der Strasse das Telefon gereicht, damit sie ein Bild von ihnen und Jon Snow mache. Aber das hat sich rasch geändert.

War das Ende von «Game of Thrones» auch eine Befreiung für Sie, Emilia Clarke? «Ja und Nein. Nein, weil das bedeuten würde, dass ich an die Serie gekettet war, was nicht stimmt, ich habe jede Sekunde davon genossen. Und Ja, weil ich jetzt schon eine gewisse Aufbruchstimmung verspüre. Aber das ist normal, bei Menschen um 30 soll sich ja überall vieles verändern. Da hilft mir der Erfolg der Serie bestimmt, alle Türen scheinen offenzustehen.»

Fast zu schön um wahr zu sein: Kate findet mit Tom (Henry Golding) doch noch ihren Traummann.

Wieso geht sie ausgerechnet durch die Weihnachtstür? Das hat wohl auch mit ihrer Krankheit zu tun, Emilia fühlt sich der genesenden Kate aus «Last Christmas» verbunden. Denn als sie von der ganzen Welt als Drachenmutter wahrgenommen wurde, kämpfte sie zwischen den Aufnahmen mit einem Aneurysma im Gehirn, zwei Operationen waren wegen der Schädigung der Gefässwand notwendig. Darüber berichtete sie selber in einem sehr persönlichen Text im «New Yorker», von ihren Todesängsten, ihren Hoffnungen.

Emma Thompson, Film-Mama und ihr grosses Vorbild

Sie kann schreiben. Sie kann singen, das zeigt der Film. Sie ist, ganz anders als in «Game of Thrones», lustig und einnehmend, erinnert an die junge Meg Ryan. Regisseur Paul Feig sagt denn auch: «Ich will, dass sich die ganze Welt in Emilia Clarke verliebt, so wie sie sich in Meg Ryan nach ‹When Harry Met Sally› verliebte.» Aber fürs Schätzchen taugt sie nicht, sie ist auch zu ganz anderen Tönen fähig. Ihre Zukunft will sie selber in die Hand nehmen, hat zum Beispiel eine Produktionsgesellschaft gegründet, wo sie eigene Projekte entwickelt. Womit wieder Emma Thompson ins Spiel kommt, ihre Film-Mama und ihr grosses Vorbild.

Schwer zu erkennen, aber das rechts ist tatsächlich Emma Thompson als Mama von Kate.

Emma Thompson hat einen Oscar als beste Schauspielerin (für «Howards End»), aber auch einen als Drehbuchautorin (für «Sense and Sensibility»). In den Dialog von «Last Christmas» hat sie eine aus Ex-Jugoslawien stammende Beschimpfung geschrieben, die die Frauen mit Genuss aussprechen: «I nail you on my dick». Wer es nicht versteht, benutze Google-Translator.

«Last Christmas»: ab Donnerstag im Kino



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Erstellt: 10.11.2019, 19:22 Uhr

«Blond, dunkel, ich wusste es auch nicht»

Regisseur Paul Feig über seine Hauptdarstellerin.

Paul Feig, 57, drehte Hits wie «Bridesmaids» und «Spy». (Bild: Keystone)

Wie kam die Drachenmutter in Ihren Weihnachtsfilm?
Ich bin Fan von «Game of Thrones». Deshalb wollte ich Emilia Clarke kennen lernen, als sie am Broadway Theater spielte. Sie war ganz anders, als ich dachte.

Inwiefern?
Erwartet hatte ich eine stoische, seriöse Frau. Daenerys Targaryen minus die Drachen eben. Aber dann haben wir zusammen nur gelacht. Ich wollte sie sofort engagieren.

Aber singen können musste sie doch auch...
Wissen Sie was? Ich war so hin und weg, dass ich das ganz vergass. Nervös fing ich dann an zu googeln und fand einen Werbespot für Dolce & Gabbana, in dem sie «Quando, quando, quando» singt. «Ist das deine Stimme?», fragte ich per Textnachricht. Und war erleichtert, als ein «Ja» zurückkam.

Dann galt es nur noch eine Frage zu klären: Soll sie blond oder dunkelhaarig auftreten?
Ich wusste es doch auch nicht. Als sie zusagte, hatte sie kurze Haare, weil sie immer diese blonde Perücke tragen musste in «Game of Thrones». So etwas kam sicher nicht infrage, ihre natürliche Haarfarbe aber irgendwie auch nicht. Wir fanden dann einen Mittelweg. Weit weg von der Serie, aber nicht ganz losgelöst.

Sind Sie als «Game of Thrones»-Fan zufrieden mit dem Ende der Serie?
No comment. Wobei, das ist ja schon ein Kommentar. Darum: Ich hätte mir schon etwas anderes gewünscht. Als Weihnachtsgeschenk vielleicht?

Ist November eigentlich nicht zu früh für einen Weihnachtsfilm?
Schauen Sie sich mal in den Warenhäusern um. Sie haben ja noch Glück. Ich testete den Film im Juni vor Publikum. Für diese Menschen war es hart, draussen war es 30 Grad warm. Aber es hat ihnen trotzdem gefallen.

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