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Die elfte Plage

Halbzeit in Nyon: Das Dokumentarfilmfestival Visions du Réel ist auch nach 45 Jahren höchst lebendig. In den bisher gezeigten Filmen ging es um Liebeskummer. Und um Ausserirdische.

Hochglanzkino: «Sleepless in New York» von Christian Frei.

Das Dokumentarfilmfestival Visions du Réel in Nyon existiert nun seit 45 Jahren, und man kann vermelden: Was es mit dem Realen auf sich hat, bleibt weiter ungeklärt. Die Wirklichkeit umgibt uns ja prinzipiell überall, und Visionen hat man auch manchmal. Aber das Visions du Réel hat höhere Ideen. Es versteht das Kino als Labor für produktive Begriffsarbeit und die Filme als ihr sinnliches Material. Luciano Barisone, der uneitle Festivalleiter aus Italien, definierte das Reale in seiner Eröffnungsrede als Kombination aus Realität und Imagination. Er schien kurz davor zu sein, Jacques Lacan zu zitieren. Gottlob tat er es dann doch nicht, sondern kündigte Dokumentarfilme an. In ihnen entpuppte sich das Reale quasi als tiefere Ebene der Wirklichkeit. Es nahm die Form an von Albtraum und Aberglaube, und beides wirkte in die Realität hinein wie zwei leuchtende Augen im Wald.

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