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Die Kraft der Kopulation

Noch nie waren am Filmfestival Locarno so viele Filme erst ab 18 Jahren zugelassen wie dieses Jahr. Unser Kritiker hat zwei der einschlägigen Streifen gesehen.

Christoph Schneider

Wenn ich mich so erinnere: Das Filmfestival Locarno, wie es sang und lachte, war nie eine Veranstaltung, die es künstlerisch besonders mit der Herzenslust hatte, soweit diese unterhalb des Herzens stattfand. Auch das Blut floss kaum je stromweise, und wenn, dann aus metaphorischen Gründen. Der Zombie beispielsweise, der seine Zähne in atmendes Fleisch schlug, war hier nicht Stammgast, einmal abgesehen von den Wettbewerbsfilmen, die einen schon quälen konnten als tot geborene Untote. Es sind über die Jahre ein paar Axtmörder und im Schritt entblösste Liebhaber umgegangen bzw. zugange gewesen, aber nur unter dem Vorwand des Tabubruchs oder unter dem Gemurmel skandalisierter Cineasten.

Andererseits hat sich mancher Festivalier sogar beklagt über einen Mangel an kreatürlichen Lebensäusserungen und den entsprechenden Ausflüssen; und man darf sagen, es hat genützt. Noch nie hat ein Locarno-Programm so viele Hinweise enthalten, ein Film sei empfindsamen Seelen unter 18 nicht zuträglich und deshalb würden am Eingang Ausweiskontrollen durchgeführt.

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