Die Schweizer Meryl Streep

Am Freitag werden in Genf die Schweizer Oscars verliehen. Wer hat am meisten davon gewonnen, wer wurde am häufigsten nominiert? Ein Blick in die Statistik.

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Bei den Oscars ist es klar: Niemand hat so viele Goldtrophäen gewonnen wie Walt Disney (er besass 26 davon). Und keine ist so oft nominiert worden wie Meryl Streep (19-mal). Aber wie sieht es in der Schweiz aus? Hier gibt es den Filmpreis seit 1998, in den ersten Jahren wurde er von einer Jury vergeben, seit 2009 ermittelt auch bei uns eine Filmakademie die Gewinner der Trophäen, die Quartz heissen. Eine statistische Auswertung bringt überraschende Erkenntnisse.

1. Der Schweizer Walt Disney ist Ursula Meier. Die in Belgien lebende Westschweizerin ist international sowieso die erfolgreichste CH-Regisseurin der letzten Jahre: Ihr «Home» lief in Cannes, und «Sister» gewann in Berlin einen Bären. Aber auch im eigenen Land holte sie am meisten Auszeichnungen: Viermal durfte sie einen Quartz entgegennehmen, je zwei als Regisseurin und zwei – mit Co-Autor Antoine Jaccoud – fürs Drehbuch. Und dieses Jahr könnte eine weitere Trophäe dazukommen: Sie ist mit «Tisina Mujo» für den besten Kurzfilm nominiert.

2. Unsere Meryl Streep heisst Sabine Timoteo. Gewinnt die unkonventionelle Bernerin am Freitag für «Driften» den Preis als beste Darstellerin, ist es ihre dritte Trophäe. Bisher hat sie zwei – wie Carla Juri, Kacey Mottet Klein und Antonio Buil (der könnte als bester Nebendarsteller in Genf ebenfalls einen dritten Quartz gewinnen). So oder so aber ist Timoteo die erfolgreichste aller Schweizer Darstellerinnen und Darsteller: Sie ist bis jetzt fünfmal nominiert worden. Auf vier Schauspiel-Nominationen kommt Nils Althaus – gewonnen hat er aber noch nie. In Genf bekommt er nun als Nebendarsteller in «Pause» eine weitere Chance.

3. Christoph Schaub ist wie Hitchcock. In Hollywood gibt es einige bekannte Regisseure, die nie einen Oscar gewannen oder erst spät einen Ehrenoscar fürs Lebenswerk erhielten: Alfred Hitchcock gehört zu ihnen, auch Ridley Scott und – mit Ausnahme eines spät nachgereichten Musik-Oscars – ebenfalls Charlie Chaplin. In der Schweiz ist Christoph Schaub in dieser Position: Der Regisseur von Erfolgsfilmen wie «Giulias Verschwinden» und «Sternenberg» ist bisher wie Ursula Meier siebenmal nominiert worden, hat aber kein einziges Mal gewonnen. Kleiner Trost: Bei den Oscars zählt nur der Sieg, beim Quartz aber ist das etwas anders: Preisgeld gibt es für die Nominierung (25'000 Franken für den besten Film), die Trophäe selber bringt nur noch Ehre ein.

4. Ursina Lardi kann die Schweizer Katharine Hepburn werden. Der Hollywoodstar gewann so viele Oscars wie keine andere Darstellerin und kein anderer Darsteller: Vier waren es, darunter 1967 und 1968 zwei in aufeinander folgenden Jahren. Letzteres kann am Freitag in Genf auch die Bündnerin Ursina Lardi schaffen. 2014 war sie beste Schauspielerin in «Traumland». Jetzt ist sie für die Hauptrolle in «Unter der Haut» nominiert. Doppelsiege in Hollywood erzielten übrigens neben Katharine Hepburn bisher nur noch Spencer Tracy, Luise Rainer und Tom Hanks.

5. Kacey Mottet Klein wie Tatum O'Neal. 1973 gewann der damals 10-jährige Hollywood-Kinderstar den Oscar für «Paper Moon». Genau gleich alt war Ursula Meiers Darsteller Kacey Mottet Klein, als er 2009 den Quartz für «Home» bekam. Die älteste Gewinnerin des Schweizer Filmpreises – ohne Ehrenpreise – ist die Zürcher Schauspielerin Sibylle Brunner, die 2013 mit 73 Jahren in «Rosie» gewann. Der älteste Schauspieler-Gewinner in Hollywood war noch etwas älter: Christopher Plummer war 82-jährig, als er 2011 den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt. Die Altersrekorde sind dieses Jahr in Genf nicht in Gefahr – keiner der Nominierten kommt infrage.

6. Der Schweizer «Ben Hur» heisst «Der Goalie bin ig». «Ben Hur» (1959) war mit elf Oscars lange der erfolgreichste Film, unterdessen haben die «Titanic» und der letzte Teil von «Herr der Ringe» gleichgezogen. Der Schweizer Film mit den meisten Trophäen ist «Der Goalie bin ig» von Sabine Boss (4), gefolgt von «Home» und «Sister» (je 3). Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass im Lauf der Jahre beim Schweizer Filmpreis immer mehr Auszeichnungen dazukamen (beste Kamera, zuletzt beste Montage), es wird also einfacher, diese Zahlen zu übertreffen. Chancen dazu haben am Freitag zwei Filme mit je fünf Nominationen: «Der Kreis» von Stefan Haupt und «Chrieg» von Simon Jaquemet.

Erstellt: 11.03.2015, 11:57 Uhr

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