Zum Hauptinhalt springen

Die Übermacht der Maus

Disney hat das Filmstudio Fox gekauft. Das muss für das Kino nicht unbedingt eine schlechte Nachricht sein.

Skeptiker prophezeien die vollständige Disneyfizierung: Disney-Chef Bob Iger mit Mickey Mouse. Bild: Keystone
Skeptiker prophezeien die vollständige Disneyfizierung: Disney-Chef Bob Iger mit Mickey Mouse. Bild: Keystone

Nachdem die Disney Company grosse Teile des Unterhaltungskonzerns 21st Century Fox gekauft hat, dürfte Joe Rohde vermutlich eine Flasche Champagner aufmachen. Oder vielleicht eher eine Flasche Rum, denn der Mann sieht mit seinen grossen bunten Ohrringen und dem Kinnbart mehr nach dem Phänotyp Pirat aus «Fluch der Karibik» aus. Rhode ist einer der führenden Köpfe von Walt Disney Imagineering, jener Abteilung des Mauskonzerns, die für neue Attraktionen in Vergnügungsparks zuständig ist.

Der 62-Jährige schwärmt von der Themenpark-Traumwelt, die er zuletzt in Florida betreut hat: «Pandora». Eine Art Erlebnisarena, inspiriert vom erfolgreichsten Film der Geschichte, James Camerons «Avatar». Um die Lizenz dafür zu bekommen, mussten die Disney-Leute hart kämpfen, denn «Avatar» gehört dem Fox-Konzern von Rupert Murdoch.

Deshalb ist «Avatar» einer der Gründe, warum Disney grosse Teile des Fox-Konzerns aufgekauft hat, darunter auch das traditionsreiche Filmstudio 20th Century Fox. Der stolze Preis: 52,4 Milliarden Dollar. Es ist eine der grössten Übernahmen in der Geschichte der amerikanischen Unterhaltungsindustrie.

Vom Kino bis zum Vergnügungspark

Disney gehört bereits das Animationsstudio Pixar, die Marvel-Studios sowie «Star Wars». Diese Markenübermacht zeigt sich an der Kinokasse. Letztes Jahr stammten die fünf erfolgreichsten Filme weltweit aus dem Hause Disney. Auch 2017 sind bereits vier Disney-Filme unter den Top Ten, und bis zum Jahresende dürfte sich auch noch «Die letzten Jedi», der achte «Star Wars»-Teil, dazugesellen.

Mit dem Fox-Deal könnte der Siegeszug – und damit der Abstand zu den verbleibenden vier grossen Konkurrenzstudios in Hollywood – künftig noch krasser ausfallen. Aber nicht nur im Kino will Disney seine Macht ausbauen. Bob Iger (66), der Chef des Konzerns, denkt nicht in Filmen, sondern in Themenwelten. Er ist an Stoffen interessiert, die sich nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Disney Channel, im Disney Store und im Disneyland verwerten lassen.

Endgültige Disneyfizierung?

In dieses Konzept passen die Fantasywelten aus «Avatar» oder Superhelden wie die X-Men, alle in Fox-Besitz. Weshalb Kinopessimisten, die dem ganzen Franchise- und Fortsetzungswahn in Hollywood schon seit Jahren skeptisch gegenüberstehen, angesichts dieses Deals die endgültige Disneyfizierung des amerikanischen Films prophezeien.

Aus Bob Igers Sicht ist genau das auch der Plan, denn er will ab 2019 einen Streamingdienst anbieten, auf dem nur hauseigene Titel abrufbar sein sollen. Um anderen Anbietern wie Netflix Konkurrenz machen zu können, braucht er dafür jede Menge Hochglanz-Mainstreamstoff. Die Überlegung, dass Hollywood deshalb künftig nur noch ein Synonym für Disney sein könnte, greift aber zu kurz. Denn vielleicht könnte sich der Kauf von Fox für die Disney-Konkurrenz als genau der Weckruf erweisen, den die grossen Studios so bitter nötig haben, wenn sie weiterhin relevante Filme machen wollen. Sony, Warner, Universal und Paramount machen derzeit nämlich oft nicht mehr, als Disney-Produkte zu kopieren.

Streamingdienste sorgen für Inflation guter Serien

Dass blosse Kopien anderer Erfolgsrezepte nicht zur Konkurrenzfähigkeit beitragen, hat man zuletzt auf dem heiss umkämpften Streamingmarkt gesehen. Deshalb haben HBO, Netflix, Hulu und Amazon nicht die Konzepte des alten linearen Fernsehens kopiert, sondern an Alleinstellungsmerkmalen gearbeitet, was zu einer gesunden Konkurrenz und einer regelrechten Inflation guter Serien geführt hat.

Sollte es durch die Grossoffensive von Disney eine ähnliche Gegenbewegung im Kinobereich geben, wäre das Blockbustereinerlei der letzten Jahre vielleicht endlich nicht mehr das Einzige, was aus Hollywood kommt. Da Disney die kinder- und jungendtauglichen Bereiche abgesteckt hat, mit Filmen und Nebenprodukten, die für die ganze Familie auf der ganzen Welt funktionieren, könnten es die anderen Studios zum Beispiel mal wieder mit weniger Figuren aus dem Computer und echter Erwachsenenunterhaltung probieren, die nicht zwangsweise jugendfrei sein muss, um zu funktionieren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch