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Die unglaubliche Leidensgeschichte von «Pocket Rocket»

Geschlagene 19 Jahre hat es gedauert, bis der Kurzfilm vor zwei Jahren seine Premiere feiern durfte. Der Film handelt vom unerwarteten Zusammentreffen zweier Fischer mit einem Ausserirdischen.

Ein kosmisches Trio: In «Pocket Rocket» spannt ein Ausserirdischer mit zwei jungen Männern zusammen. (Video: Walter Feistle)

Zwei junge Männer haben einen Plan: angeln gehen. So machen sie sich mit Velo und Motorrad zu ihrem idyllischen Fischerplätzchen auf. Alles scheint in gewohnter Ordnung vonstattenzugehen. Doch dann: plötzlich eine Bedrohung von oben. Etwas stürzt aus dem Himmel direkt auf sie zu. Mit einem waghalsigen Sprung ins kalte Nass können sich die beiden in letzter Sekunde retten – und schon prallt ein extraterrestrischer Flugkörper auf die Wasseroberfläche. Die unglückseligen Fischerfreunde machen Bekanntschaft mit einem Ausserirdischen und seinem defekten Raumschiff.

Die drei schliessen sich schnell zu einem kosmischen Trio zusammen. Mit grösstmöglicher Selbstlosigkeit helfen die beiden Erdenbewohner dem Ausserirdischen. Dank ihrer Kreativität und der Kooperationsbereitschaft des Neuankömmlings findet «Pocket Rocket» schliesslich sein glorreiches Ende.

Vom Pech verfolgt

Die Story hinter dem Kurzfilm ist schier unglaublich. Bereits 1993 plante Regisseur Walter Feistle, sein Drehbuch als Übungsfilm an einer Hochschule umzusetzen. Damals noch unter dem Titel «V3 – Landung im Sommer». Der Spätsommer spielte der Crew jedoch – am dritten Drehtag – einen Streich. Während der Dreharbeiten begann es zu schneien. Der Kälteeinbruch liess auch die Strassen gefrieren. Der Aufnahmeleiter erlitt einen dramatischen Autounfall. Er blieb relativ unversehrt, das Auto aber hatte Totalschaden. Die Hochschule bezahlte diesen, doch das Budget für den Film war weg.

Es kommt noch dicker

Feistle sahnte für seinen Kurzfilm «Und Tschüss» das Jahr darauf eine Prämie ab. Das öffnete die Tür für einen neuen Anlauf, «Pocket Rocket» zu verfilmen. Doch als hätte es sich Feistle mit den Göttern verspielt, fackelte seine Wohnung während eines Candle-Light-Dinners ab. Der Versuch, die wichtigsten Filmmaterialien zu retten, bescherte ihm einen zweiwöchigen Aufenthalt im Zentrum für Schwerbrandverletzte. Sämtliche Produktionsunterlagen waren den Flammen zum Opfer gefallen. «Pocket Rocket» war ein für alle Mal in den Hades gewandert.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

2011 gab Feistle diese Anekdote während des Drehs zu «Dead Fucking Last» zum Besten. Kurz zuvor fand er bei einem Umzug eine angekokelte Arbeitskopie. Kaspar Winkler von Tilt Productions hörte zu, war begeistert und ebnete Feistle den Weg zur Wiederauferstehung von «Pocket Rocket».

2013 war es dann so weit, der Film feierte seine Premiere am Fantastic Film Festival in Neuenburg. Wir freuen uns, ihn bei uns als Kurzfilm der Woche vorstellen zu können. Schliesslich hat man nicht jeden Tag die Gelegenheit, einen aus dem Jenseits zurückgekehrten Film anzuschauen.

(step)

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