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Ein Ausschnitt der Auslöschung

Kein Film über den Holocaust ist so beklemmend wie «Son of Saul» von László Nemes. Das Oscar-prämierte Drama führt mitten hinein in den Wahnsinn der Menschenvernichtung.

Im letzten Mai, nach der Premiere von «Son of Saul» im Wettbewerb von ­Cannes, nannte der französische Regisseur Claude Lanzmann den ungarischen Filmemacher László Nemes «seinen Sohn». Das erstaunte. Denn Lanzmann, eine gewichtige Stimme, wenn es um die filmische Darstellung des Holocaust geht, wollte 1994 einen «Flammenkreis» um die Shoah schlagen – als Grenze zu einem Sperrgebiet, in dem die Fiktion und das Betatschen von Gräueln nichts zu suchen haben. Das richtete sich gegen Steven Spielbergs «Schindler’s List». Seinem «Einspruch» gab Lanzmann damals den Titel «Ihr sollt nicht weinen». Der Protest war masslos streng und verbot dem Kino seine Bilder und Dramen. Aber es war auch ein Ausdruck von extremem historischem Anstand, der es nicht dulden wollte, dass Völkermord zum Dekor wird.

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