Die sehnige Lara Croft

Daisy Ridley begeistert in der Hauptrolle des neuen «Star Wars»-Films. Ihren letzten Job hatte sie zuvor am Tresen eines Pubs.

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Schön, dass im Krieg der Sterne auch Stars geschaffen werden: Daisy Ridley wurde am 17. Dezember, am Tag der «Star Wars»-Premiere, zum Megastar. Die 23-Jährige spielt die Hauptrolle im neuen Abenteuer «The Force Awakens», wo sie die Galaxie rettet. Zuvor war sie in zwei TV-Nebenrollen zu sehen und verdiente ihr Geld am Tresen eines Pubs.

Dass Regisseur J. J. Abrams die begehrteste Rolle, die Hollywood seit Jahren zu offerieren hatte, an eine komplett unbekannte Londonerin vergab, erstaunt – bis man Daisy Ridley im Film gesehen hat. Mit souveräner Bescheidenheit und einer optischen Mischung aus Natalie Portman und Keira Knightley spielt sie die Rolle von Rey, einer jungen Müllsammlerin, die zur Widerstandskämpferin wird.

Reys Kleidung ist apokalyptischer Chic und passt zu ihrem verwilderten Charakter: sonnengebleichte Stofffetzen, irgendwo zwischen Mönch und Mumie. Rey ist so ein deutlicher Gegenentwurf zu den früheren weiblichen «Star Wars»-Hauptrollen Leia und Padme, die beide Prinzessinnen waren. Ironischerweise musste die «Star Wars»-Reihe zuerst an Disney verkauft werden, bis eine Schauspielerin eine Figur verkörpern durfte, die kein Märchenklischee ist.

Antithese zu anderen Blockbuster-Heldinnen

«Die Frau ist Leben, der Held sein Kenner und Meister», schrieb der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell, auf dessen Büchern George Lucas «Star Wars» aufbaute. Daisy Ridley tritt die klassische Heldenreise in der «Star Wars»-Reihe als erste Frau an. Mit ihrem sehnigen Körper, für den sie offenbar Monate trainiert hat, ist sie aber auch eine Antithese zu anderen Blockbuster-Heldinnen. Etwa Lara Croft in «Tomb Raider», die als eine Art vollbusiger, weiblicher Indiana Jones entwickelt worden war. Oder zu Sigourney Weavers Ellen Ripley in «Alien», Linda Hamiltons Sarah Connor in «Terminator» oder Daenerys Targaryen in «Game of Thrones»: starke Frauen, deren Figuren aber stets von einem mütterlichen Beschützerinstinkt geprägt sind.

Vielmehr ist Daisy Ridleys Rey mit Jennifer Lawrences Figur der Katniss Everdeen aus «The Hunger Games» zu vergleichen. Wie sie hat Rey männliche und weibliche Attribute. Ihre Libido scheint intakt, nur hat sie eben Wichtigeres zu tun, als sich an den nächstbesten Prinzen zu schmeissen – was sie im Film stets aufs Neue mit herrischen Gesten gegenüber männlichen Mitstreitern unterstreicht. Das sind Momente bewusster Komik, aber Ridley lässt ihren Blick auch immer wieder erstarren, gefroren in Hass, Zorn und Leid. Geradezu elektrisierend vermittelt sie die physische und psychische Belastbarkeit ihrer Figur, der man jederzeit abnimmt, dass sie alleine auf einem von zwielichtigen Kreaturen besiedelten Wüstenplaneten aufwuchs.

Früher Ruhm

Nun hat die Macht die Gewohnheit, ihre Schützlinge aufzufressen – und das ist nicht nur auf den Plot bezogen: Daisy Ridleys Vorgänger Mark Hamill und Hayden Christensen sind nach ihren Hauptrollen in der Versenkung verschwunden. Am Druck, den früher Ruhm mit sich bringt, ist noch manches Talent gescheitert. Bereits ziert Daisy Ridleys Gesicht eine britische Briefmarke. Neben den Milliarden von Zuschauern, die sie in «The Force Awakens» sehen werden, steht sie als Actionfigur in Hunderttausenden Kinderzimmern.

Doch die Engländerin hat gegenüber ihren Jedi-Kollegen einen entscheidenden Vorteil: In ihr ist auch die schauspielerische Macht stark. Wir werden noch mehr von Daisy Ridley sehen als Schwertkämpfe.

Erstellt: 21.12.2015, 11:41 Uhr

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