Eine majestätische Judi Dench beehrte Zürich

Schauspielerin Judi Dench hat am Zurich Film Festival den Golden Icon Award erhalten. Tagesanzeiger.ch/Newsnet war beim Pressegespräch, wo sie auch über ihre Bond-Rolle Auskunft gab.

Judi Dench an der Pressekonferenz am Zurich Film Festival.

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Sie sei die unmajestätischste Person, die sie kenne, sagte die Schauspielerin Judi Dench einmal; es muss in einem Moment gewesen sein, als sie genug hatte von allen royalen Komplimenten und Assoziationen. Und in der Realität, sagen wir: des Zurich Film Festivals, beim manierliche Pressegespräch, mags zutreffen. Es herrschte höfliche Bürgerlichkeit, und es war von den wunderbar grossen Königinnen, die sie gespielt hat, so klein, wie sie ist, gar nicht wirklich die Rede. Sondern eher von der alten gebrechlichen englischen Dame, der man in Trevor Nunns neuem Spielfilm, «Red Joan», draufkommt, dass sie in ihrer Jugend Maienblüte das britische Kernforschungs- und Atombombenprogramm an die Russen verriet: als eine in ihrer Naivität hellsichtige Vertreterin eines Gleichgewichts des Schreckens. Kein Spionagefilm sei das, sagt Judi Dench, sondern «die Geschichte einer gewöhnliche Frau in einem ungewöhnlichen moralischen Dilemma.»

Jedoch, man kann nichts machen, es ist zum Monarchist werden mit ihr: Da ist Majestät in ihrem Spiel, immer, selbst wenn ihrer Figur gar nichts Herrscherliches anhaftete, dieser Joan nicht, auch jener Philomena nicht, vor ein paar Jahren im gleichnamigen Film von Stephen Frears. Da war sie doch nur eine fromme, traurige Irin, der man einst das Kind genommen hatte, Aber es war noble, souveräne Entschlusskraft in der Frömmigkeit und der Trauer.

Judi Dench auf dem grünen Teppich in Zürich.

Und immer, wenns denn zu den Königinnen kam, war andererseits dialektische Hinterlist im Majestätischen. Man möchte unterstellen, sie liebe es, das Königliche mit Ordinärheit zu versetzen. Sie wirkt ja sehr menschlich in der Einsamkeit des Purpurs und manchmal etwas miststückhaft. Derart schuf sie wahre Meisterwerke der Königlichkeit, auf der Bühne, im Film, als Elisabeth I. beispielsweise, die in «Shakespeare in Love» ihr gerührtes Herz mit Zynismus panzert. Es heisst auch, sie habe den Regisseur Peter Hall, der sie 1987 am Royal Naional Theatre als Cleopatra besetzte (in Shakespeares «Antonius und Cleopatra»), gefragt, ob er wirklich einen «Zwerg in der Menopause» wolle, und so habe sie die Frau dann gespielt, und ihresgleichen wird man vermutlich nicht mehr sehn.

Sie hat sich die menschliche Freundlichkeit bewahrt – man spürts im Gespräch – und die Demut vor dem Beruf, der ihr Alles sei (neben der Malerei, dem anderen «Segen», den ihr die schlechter werdenden Augen noch gewährten). Sie wisse doch, «wie schnell man scheitert und fällt», selbst aus höchster Höhe. Deshalb lässt sie sich immer von Neuem aufs Abenteuer der Menschengestaltung ein und hasst die Routine des «Ähnlichen» und habe ihrer Agentin gebeten, sie solle ihr jetzt nicht mit einer weiteren «roten Joan» kommen, sondern vielleicht mit einer «afghanischen Frau, die sich im letzten Akt in einen Drachen verwandelt.»

Es wurde in Zürich auch vom Bond gesprochen, selbstverständlich; und von der Rolle der M., einer anderen brüchigen Königin. Sie sei am Ende ganz froh gewesen, sie loszuwerden, 2012 im schottischen Hochmoor, deutete Judi Dench an ihrer Pressekonferenz an (man versteht: zu viel Wiederholungszwang). Aber gern erzählt sie die Geschichte, wie die Damen und Herren vom britischen Auslandsgeheimdienst MI6 sei einmal zum Essen eingeladen haben. Sie hätten ein Geheimnistheater darum gemacht, dass es nur so rauschte, und einen Geheimchauffeur mit einem Geheimwagen geschickt, der vor lauter Geheimnistuerei dann ihr Haus nicht gefunden habe.

Erstellt: 04.10.2018, 16:29 Uhr

Galapremieren in eigener Sache

162 Filme laufen aktuell am Zurich Film Festival (ZFF), 32 davon werden als Galapremieren gezeigt. Diese Programmreihe versammelt laut Eigenwerbung «die meisterwarteten Produktionen des Jahres», unter anderem die Gaunerkomödie «The Old Man & the Gun» mit Robert Redford und Casey Affleck.

Zur Premiere dieses Films kam gestern Abend der US-amerikanische Produzent James D. Stern nach Zürich. Eine ungleich weniger lange Anreise hatte Karl Spoerri. Der künstlerische Direktor des ZFF wird im Abspann des Films als «ausführender Produzent» aufgeführt, was bedeutet: Der Programmchef hat sein eigenes Werk für sein Festival ausgewählt.

Interessenkonflikt? «Nein», sagt Karl Spoerri, «bei einer Galapremiere sehe ich diesbezüglich keine Probleme. Das wäre es nur, wenn der Film in einer Wettbewerbssektion laufen würde.»

«The Old Man & the Gun» ist nicht der einzige Film punkto Eigeninteresse des Festivaldirektors. Auch bei David Cronenbergs «A Dangerous Mind», der 2011 als ZFF-Galapremiere gezeigt wurde, war Spoerri als «executive producer» tätig. Und aktuell auch wieder bei «At Eternity's Gate». Dieser Film über Vincent Van Gogh ist zwar am ZFF nicht zu sehen; dessen Regisseur Julian Schnabel wurde von Spoerri jedoch am letzten Montag nach Zürich eingeladen, um eine sogenannte Masterclass zu halten.
Hans Jürg Zinsli

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