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Eines der grössten Geheimnisse der Filmgeschichte wird gelüftet

Der Streamingdienst Netflix will Orson Welles' letzten Film fertigstellen. «The Other Side of the Wind» zählt zu den grossen unvollendeten Werken des berühmten Regisseurs, der 1985 starb.

Der ultimative Autorenfilmer: Orson Welles, während einer Pressekonferenz in Paris 1982.
Der ultimative Autorenfilmer: Orson Welles, während einer Pressekonferenz in Paris 1982.
Keystone

«The Other Side of the Wind» wurde zwischen 1970 und 1976 gedreht, aber nie vollendet, weil Welles 1985 im Alter von 70 Jahren starb. Der Regisseur selbst soll noch rund 40 bis 50 Minuten des Films geschnitten haben, der Rest aber ist unbearbeitet geblieben. Es fehlt ausserdem die komplette Filmmusik sowie weitere Schritte in der Postproduktion. Eigentlich sollte «The Other Side of the Wind», der vom Comeback-Versuch eines Regisseurs handelt, Welles' eigenes Comeback in Hollywood einläuten, doch rechtliche Schwierigkeiten verzögerten die Arbeit an dem Film.

Orson Welles ist einer wichtigsten Schauspieler und Regisseure der Filmgeschichte, seine Werke («Macbeth», «Touch of Evil») sind kanonisch, er gilt einigen Filmwissenschaftlern als der ultimative Autorenfilmer, der seine Weltsicht kompromisslos in seine Kunst übertrug. Bei seinem Hauptwerk «Citizen Kane» führte Welles Regie, schrieb das Drehbuch, spielte die Hauptrolle und produzierte den Film auch noch selbst.

Viele von Welles' Projekten sind nur bruchstückhaft umgesetzt

Diese autarke Arbeitsweise führte jedoch auch dazu, dass viele von Welles' Projekten nur bruchstückhaft oder überhaupt nicht umgesetzt wurden. Neben "The Other Side of the Wind" zählt vor allem sein «Don Quixote» zu den grossen verlorenen Werken der Filmgeschichte.

Mit der finanziellen Unterstützung von Netflix könnte «The Other Side of the Wind» bald zu sehen sein - auf den Bildschirmen und im Kino. Über Jahrzehnte scheiterten immer wieder Versuche, den Film fertigzustellen. Die hartnäckigsten Kämpfer für die Vollendung des filmischen Erbes von Orson Welles: der Produzent Frank Marshall, der schon in den Siebzigern an dem Projekt arbeitete, der Filmemacher Filip Jan Rymsza und Peter Bogdanovich, der in «The Other Side of the Wind» mitspielte. 2014 konnte sich das Team die Rechte an den 1083 Filmrollen sichern, die in einem Lagerhaus bei Paris aufbewahrt wurden.

Auf einer Crowdfunding-Webseite versuchten sie, die Fertigstellung des Films zu finanzieren, schafften es aber nicht, die benötigten zwei Millionen Dollar aufzubringen. Es folgten zwei Jahre Stille. Nun meldeten sich die Produzenten zurück. Und präsentierten einen neuen Partner. Mit Hilfe von Netflix wurden die Filmrollen aus dem Pariser Lagerhaus bereits nach Los Angeles gebracht, wo Frank Marshall und Peter Bogdanovich den Schnitt überwachen werden. Sie wollen sich dabei an den handschriftlichen Notizen aus dem Nachlass von Welles und ihren eigenen Erinnerungen an die Produktion erinnern. Einen Veröffentlichungstermin für «The Other Side of the Wind» gibt es noch nicht.

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