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Empörung über Polanskis Einladung

Für Filmfans sollte es ein Highlight werden, doch die Einladung von Roman Polanski zum diesjährigen Filmfestival Locarno sorgt im Tessin für Unmut. Ein CVP-Politiker äussert sich besonders drastisch zum Thema.

Der Facebook-Eintrag von Fiorenzo Dado. (Screenshot: facebook.com/fiorenzo.dado)
Der Facebook-Eintrag von Fiorenzo Dado. (Screenshot: facebook.com/fiorenzo.dado)

Die Tessiner CVP zeigt sich empört über die Einladung des polnischen Regisseurs Roman Polanski zum diesjährigen Filmfestival in Locarno. Sie fordert nun ihre Abgeordneten im Kantonsparlament dazu auf, dem offiziellen Empfang am Festival fernzubleiben.

Laut einer Medienmitteilung der CVP könne Polanskis künstlerisches Schaffen nicht völlig losgelöst von seinem Privatleben betrachtet werden. Ebenso wie die Tessiner SVP lehnt die Partei deshalb eine Einladung Polanskis entschieden ab.

Weitaus drastischer hatte sich der Tessiner CVP-Abgeordnete Fiorenzo Dadò am Sonntag auf seinem Facebook-Profil geäussert. Er bezeichnete Polanski als einen «Pädophilen, der ein Mädchen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt hat und nun mit allem Pomp und Ehren empfangen wird».

Gefahr für sozialen Zusammenhalt

Myriam Caranzano-Maitre von der Tessiner Kinderschutzstiftung Aspi weist in einem Leserbrief in der Mittwochsausgabe der Tageszeitung «La Regione» darauf hin, dass die Tessiner sich bei zwei Volksinitiativen von 2008 und 2014 entschieden für eine härtere Bestrafung von Pädophilen ausgesprochen hätten. Dass nun ein Mensch mit einem ähnlichen Täterprofil beim Filmfestival als Ehrengast ausgezeichnet werde, halte sie nur für wenig kohärent. Dies könne auch den sozialen Zusammenhalt im Kanton gefährden, so Caranzano-Maitre in «La Regione».

Der operative Leiter des Festivals, Mario Timbal, reagierte am Dienstag auf dem Tessiner Newsportal «Libera TV» auf die Kritik: «Wir haben einen grossartigen Regisseur eingeladen und ausgezeichnet. Das ist ein künstlerisches Urteil. Alle juristischen Urteile überlassen wir den dafür zuständigen Instanzen. In der Schweiz ist Polanski aktuell ein freier Mann», sagte Timbal.

In Zürich verhaftet

Dem polnischen Künstler wird zur Last gelegt, 1977 eine 13-jährige in den USA missbraucht zu haben. Nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt setzte er sich damals nach Grossbritannien und Frankreich ab. Seitdem droht ihm die Auslieferung an die USA.

Der Filmschaffende wurde in diesem Zusammenhang 2009 bei seiner Einreise in die Schweiz am Flughafen Zürich festgenommen. Anstatt den Preis für sein Lebenswerk am Zurich Film Festival entgegennehmen zu können, wurde Polanski damals in Haft genommen, die anschliessend in Hausarrest umgewandelt wurde.

Polanski wird am 67. Festival del film mit einem Spezialpreis geehrt, den er am 14. August entgegennimmt. Am 15. August wird der Regisseur zudem eine Masterclass geben.

SDA/kpn

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