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Er gab uns Hannibal Lecter

Jonathan Demme ist tot. Er war der Regisseur von «The Silence of the Lambs» – aber beileibe nicht nur.

Hatte eine Schwäche für lockere Stoffe: Regisseur Jonathan Demme, aufgenommen beim Filmfestival Venedig im Herbst 2012. Foto: AP, Keystone
Hatte eine Schwäche für lockere Stoffe: Regisseur Jonathan Demme, aufgenommen beim Filmfestival Venedig im Herbst 2012. Foto: AP, Keystone

Zugegeben, in allzu bester Erinnerung ist Jonathan Demme nicht. Sein letzter Spielfilm, die Tragikomödie «Ricki and the Flash» mit Meryl Streep als unmöglicher Rockröhre auf Familienbesuch, ­eröffnete vor zwei Jahren das Filmfestival von Locarno, und so mancher wäre nach diesem schematischen Geschehen am liebsten gleich wieder abgereist. Dabei hätte man wissen können, dass der 1944 im US-Bundesstaat New York geborene Jonathan Demme eine Schwäche für lockere Stoffe hat. 1986 drehte er die Screwball-Komödie «Something Wild», in der Melanie Griffith eine Durch­geknallte auf Beutezug im Land der Normalen spielte. Dass seine richtig grosse Schwäche der Popmusik galt, weiss man seit seinem erfrischenden Konzertfilm «Stop Making Sense» (1984) über die ­Talking Heads, seit einigen Musikvideos und zahlreichen Dokumentarfilmen über und mit Neil Young. Vielleicht wäre ihm sogar lieber ­gewesen, der Kannibale Hannibal Lecter hätte einen weniger hochkulturellen Musikgeschmack gehabt. Nichtsdestotrotz setzte er 1991 mit «The Silence of the Lambs», seiner unvergesslichen ­Verfilmung von Thomas Harris’ Serienmörderkrimi, den Standard für ein Horrorthrillerkino, das man sich auch in der guten Stube geben konnte. Danach war Anthony Hopkins’ Dr. Hannibal Lecter als charmierendes Ungeheuer ins kollektive Bewusstsein gepflanzt; viele weitere Kannibalisierungen folgten. Jodie Foster spielte die FBI-Agentin, die ihn studierte und von ihm studiert wurde, und noch heute überzeugen Stimmung, Spannung und Montage eines Thrillers, der fünf Oscars gewann, unter anderem in den Kategorien bester Film, beste Regie und bestes adaptiertes Drehbuch. Dank seines Grosserfolgs konnte Demme im Drama «Philadelphia» (1993) das Thema Aids angehen, Tom Hanks spielte darin einen schwulen, HIV-positiven Anwalt. Zu filmischer Intensität fand Demme aber erst wieder in «Rachel Getting Married» (2008), einem konzentrierten Familiendrama mit Anne Hathaway. Auch die Politik faszinierte Demme, er drehte Porträts von Jimmy Carter und Nelson Mandela und probierte es 2004 mit einem Remake von «The Manchurian Candidate». Gestern ist Jonathan Demme nach einer Krebserkrankung ­gestorben. Er wurde 73 Jahre alt.

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