Er prägte das Bild der Schweiz

Der Kameramann Pio Corradi («Höhenfeuer») ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Nachruf auf einen Meister seines Fachs.

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Er drehte mit Robert Frank in Kanada («Candy Mountain», 1987), reiste mit Hans-Ulrich Schlumpf in die Antarktis («Der Kongress der Pinguine», 1993) und begleitete Ulrike Koch – trotz fehlender Dreherlaubnis aus China – auf die Hochplateaus des Himalaja («Die Salzmänner von Tibet», 1997). Man könnte also nicht behaupten, Pio Corradi sei in seinem Leben und Schaffen nicht herumgekommen. Und doch haben die Filme, bei denen er die Kamera führte, etwas typisch Schweizerisches. Man mag das fotografische Präzision nennen. Oder ästhetischen Perfektionismus.

Corradi, 1940 im baselbieterischen Buckten geboren, wusste früh, dass er zum Film wollte. Er habe das einer nassen Brustfellentzündung zu verdanken, sagte der Kameramann, der als Jugendlicher drei Monate in Davos zur Kur weilte und dort Filme verschlang. Aus den Medien erfuhr er dann, dass der Schweizer Filmemacher Kurt Früh («Bäckerei Zürrer») fotografisches Wissen als unabdingbar für die Entwicklung der visuellen Fähigkeiten hielt. Corradi absolvierte darauf in Basel die Kunstgewerbeschule, liess sich zum Fotografen ausbilden und zog nach Zürich, wo er sich nach einigen Jahren als Kameraassistent 1972 als Kameramann selbstständig machte.

Was sein persönlicher Stil sei, wurde Corradi einmal gefragt. «Zu einem bestimmten Stil kommts, wenn man regelmässig mit dem gleichen Regisseur arbeitet», sagte er. Wobei das in der Schweiz beim Spielfilm nahezu unmöglich sei. Dennoch oder gerade deshalb führte Corradi immer wieder bei Spielfilmen von Fredi M. Murer die Kamera, angefangen bei «Höhenfeuer» (1985), wo man gemeinsam die Fassade einer heilen Alpenwelt einstürzen liess, bis zu dessen wohl letztem Film «Liebe und Zufall» (2014).

Corradi, der hauptsächlich für Dokumentarfilme tätig war («Das richtige Licht ist für den Kameramann unabdingbar, doch in der Schweiz kann man zwischen 11 und 16 Uhr kaum drehen, das Licht ist viel zu hart.»), wurde 2018 erstmals mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet – in «Köhlernächte» beleuchtet Regisseur Robert Müller das fast verschwundene Handwerk der Köhlerei im Luzerner Entlebuch. Es war ein Dreh unter schwierigsten Bedingungen: Nachtarbeit, Dauerregen. Der Kameramann fand das für seine Arbeit perfekt: «Je schlechter das Wetter, desto besser.» Sein letztes Werk «Passion», für das er selbst nicht mehr nach China und Südamerika reisen konnte, wird im Laufe dieses Jahres in die Kinos kommen. Pio Corradi ist am 1. Januar im Alter von 78 Jahren gestorben.

Erstellt: 01.01.2019, 22:25 Uhr

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