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«Es gibt kein System Coen»

In ihrem neuen Film «Burn after Reading» ziehen Ethan und Joel Coen einfältige Mittvierziger durch den Kakao. Im Interview verraten sie, wie Brad Pitt zu seiner Föhnfrisur kam und was ihnen ein Oscar bedeutet.

In «Burn after Reading» stolpern einige Mittvierziger über ihre eigene Dummheit. Weshalb nehmen Sie genau diese Altersgruppe aufs Korn?

Ethan Coen: Ganz einfach – auch wir werden älter. Da ist es nur natürlich, unsere Filmfiguren ebenfalls altern zu lassen.

Joel Coen: Zum Problem wird das erst, wenn wir unseren 100.Geburtstag feiern (lacht).

Ethan: Ja, dann werden nicht mehr viele Schauspieler übrig sein.

Die grössten Einfaltspinsel in Ihrem Film verkörpern Brad Pitt und George Clooney. Wussten diese vor Drehbeginn, worauf sie sich einliessen?

Joel: Ja, bei uns gibt es keine Überraschungen. Wir machen Proben, damit alle sehen können, wie der andere spielen wird. Abgesehen davon: Wir können nicht plötzlich Actionkisten à la Tony Scott drehen. Dafür fehlt uns das Geld.

Wie kamen Sie auf den bemerkenswerten Haarschnitt von Brad Pitt?

Ethan: Den hat er selbst mitgebracht, nachdem er einen Werbefilm gedreht hatte. Das war auch bei Javier Bardem in «No Country for Old Men» so. Er trug diese seltsame Frisur, und wir sagten nur: wow, was für ein Bild!

Was ist Ihnen wichtiger – eine gute Geschichte oder die passenden Schauspieler dazu?

Joel: Bei «Burn after Reading» waren es die Schauspieler; die standen fest, als es noch gar kein Drehbuch gab.

Hätten Sie den Film auch gedreht, wenn Brad Pitt oder George Clooney abgewinkt hätten?

Ethan: Dann hätten wir es gemacht wie bei «The Big Lebowski». Da wollten wir unbedingt Jeff Bridges und John Goodman. Doch die hatten keine Zeit. Also warteten wir ein paar Jahre, bis sie bereit waren.

Wie kamen Sie auf die deutsch klingenden Namen Harry Pfarrer, Linda Litzke und Chad Feldheimer in «Burn after Reading»?

Joel: Nun, das sind eigentlich schweizerdeutsche Namen.

O nein, bestimmt nicht!

Joel: Sind Sie Schweizer? Sorry! Vielleicht habe ich sie auch in Österreich aufgeschnappt (lacht).

Ethan: Nein, Litzke hiess die Bäckerei an der Ecke, wo wir aufwuchsen. Das ist ein polnischer Name. Aber so läuft das bei uns: Wir schnappen irgendwelche Dinge auf und verwenden die irgendwann ganz zufällig.

Es gibt also kein Coen-System?

Ethan: Nein. Wir versuchen nur, möglichst ungewöhnliche Geschichten möglichst unterhaltsam zu erzählen.

Joel: Wichtig sind dabei nicht die Zutaten, sondern wie der Eintopf gekocht wird.

Wie recherchierten Sie für Ihre Spionagekomödie? Angeblich weiss ja niemand, wie der CIA-Hauptsitz in Washington von innen aussieht...

Joel: Stimmt, auch wir wissen es nicht. Die CIA-Szenen drehten wir in einem Versicherungsgebäude in Manhattan.

Für «Fargo» und «No Country for Old Men» erhielten Sie insgesamt fünf Oscars. Hat das Ihre Arbeit beeinflusst?

Beide: Nein.

Joel: Das Leben geht weiter, auch nach einem Oscar.

Ethan: Ein Schauspieler kann von der Marktwertsteigerung profitieren. Bei uns stehen die Statuen bloss im Büro rum...

Joel: Eigentlich sollten wir mit ihnen mal Bowling spielen gehen (lacht).

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