Explosion am James-Bond-Set gerät ausser Kontrolle

Bei Dreharbeiten zum neuen Bond-Film wurde ein Mitarbeiter wegen einer Explosion leicht verletzt. Wieso Meldungen wie diese den Filmemachern eher helfen, als schaden.

Erst verletzte sich Daniel Craig am Set für den neuen Streifen «Bond 25» den Knöchel, jetzt kam es am Set zu einer Explosion. Foto: Reuters

Erst verletzte sich Daniel Craig am Set für den neuen Streifen «Bond 25» den Knöchel, jetzt kam es am Set zu einer Explosion. Foto: Reuters

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Während der Geheimagent Ihrer Majestät selbst wegen einer kürzlich erlittenen Knöchelverletzung derzeit noch immer unpässlich ist, hat es am Set des neuen James-Bond-Films in den Pinewood-Studios nahe London eine «kontrollierte Explosion» gegeben, die dummerweise ein wenig ausser Kontrolle geraten ist. Am Set sei niemand zu Schaden gekommen, aber ein Mitarbeiter ausserhalb des Studios sei leicht verletzt worden, schreiben sie auf dem offiziellen Twitter-Account von 007 (ja, so was haben Geheimagenten im Jahr 2019!).

Das britische Boulevardblatt The Sun wartet mit Details auf: Eigentlich habe nur ein Feuerball (übrigens der Titel des vierten Bondfilms aus dem Jahr 1965) sich entzünden sollen. Stattdessen habe es drei Detonationen gegeben, Teile der Studiodecke und die Wandverkleidung seien heruntergekracht. «Irgendwas ist furchtbar schiefgelaufen», sagte ein Sprecher am Set.

Das stimmt wohl. Es läuft nicht gut mit dem neuen Bond. Der Regisseur warf hin, das Drehbuch musste umgeschrieben werden, der Filmstart zweimal auf inzwischen April 2020 verschoben werden. Es war die Rede von «kreativen Differenzen» und einen richtigen Namen für den Film, der bisher nur «Bond 25» heisst, gibt es auch noch nicht. Vor knapp drei Wochen erlitt Craig dann bei Dreharbeiten auf Jamaika besagte Knöchelverletzung und, als wäre das alles nicht genug, jetzt der Unfall im Studio.

Auf den ersten Blick sieht es wie eine kolossale Pannenserie aus, die sinnbildlich steht für eine in die Jahre gekommene Figur. Bond bringt's nicht mehr, haben das die Kritiker nicht schon vor Jahren gesagt? Ist 007 inzwischen genauso abgehalftert wie das durch den vermaledeiten Brexit verunsicherte Königreich, dem er als Agent dient? Transportiert die Serie nicht immer noch ein überkommenes Frauenbild, das spätestens seit «Me Too» ad acta gelegt werden sollte? Mag sein. Aber es gilt eben auch das Prinzip: «bad news is good news».

Daniel Craig ist inzwischen 51 Jahre

Die aktuelle Unfallmeldung erspart den Bond-Machern derlei unbequeme Grundsatzfragen. Die paar britische Pfund Sterling, die nötig sind, um im Studio die durch die Explosion in Mitleidenschaft gezogene Wandverkleidung wieder zu reparieren, sind auch in Sachen Marketing gut investiertes Geld. Alle reden jetzt wieder über den neuen Bond - und zumindest ein paar von denen gehen später auch ins Kino. Ein 007, so die Botschaft, riecht eben auch im Jahre 2019 immer noch nach Schweiss, Spirituosen und ein bisschen Schwarzpulver. Eine kleine Explosion ist da nur Ausweis von Fleiss und Bemühen. Und Daniel Craig, inzwischen 51, muss zwar monatelang in der Mucki-Bude trainieren, um noch als Bond durchzugehen, aber seine Stunts macht er noch immer teilweise selbst.

Jetzt ist schon wieder was passiert: James Bond, in diesem Fall Pierce Brosnan in «Die Welt ist nicht genug» (1999), kämpft mit diversen Detonationen. Foto: United Archives/Imago

So wie Kollege Tom Cruise, der sich vor zwei Jahren beim Dreh von «Mission Impossible 6» verletzte. Cruise verschätzte sich bei einem Sprung auf einem Hochhausdach, prallte mit dem Oberkörper gegen die Fassade, brach sich, genau wie jetzt Daniel Craig, den Knöchel. Auch damals war das Drehbuch dünn, das Konzept vage und die Kritiker skeptisch. Fiel am Ende aber nicht weiter auf. Und dass Craig kürzlich nicht bei einem veritablen Stunt umknickte, sondern, als er, im Anzug bekleidet, zu einem Sprint ansetzen wollte, werten wir mal nicht als Niedergang der Branche.

Erstellt: 06.06.2019, 09:32 Uhr

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