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«Feuchtgebiete» in Locarno

Ein äusserst vielfältiges Programm präsentiert Carlo Chatrian, der neue Leiter des Filmfestivals Locarno, an der ersten von ihm betreuten Ausgabe.

Hier versammeln sich alljährlich die Cineasten: Die Piazza Grande von Locarno. (Bild vom 10. August 2012)
Hier versammeln sich alljährlich die Cineasten: Die Piazza Grande von Locarno. (Bild vom 10. August 2012)
Keystone

Unter den 20 Filmen im internationalen Wettbewerb sind nicht weniger als 18 Weltpremieren, darunter kaum erwartete. So entschieden sich die Macher des deutschen Streifens «Feuchtgebiete» für Locarno. Die Verfilmung des skandalträchtigen Buches von Charlotte Roche mit der Schweizerin Carla Juri in der Hauptrolle ist im Rennen um den Goldenen Leoparden.

Auf der Piazza Grande feiern zwei Schweizer Filme Weltpremiere: «Les Grandes Ondes (à l'ouest)» von Lionel Baier und der Dokfilm «L'Expérience Blocher» von Jean-Stéphane Bron. Das 66. Festival del film Locarno beginnt am 7. August und dauert zehn Tage. Die Veranstaltung verfolge die Wachstumsstrategie der vergangenen Jahre weiter, betonte Präsident Marco Solari am Mittwoch vor den Medien in Bern: «Wir wollen nicht klein und niedlich sein, sondern in allen Belangen wachsen.» Das Budget soll gemäss Solari mittelfristig von 12 auf 15 Millionen Franken steigen.

Zentral ist für den Präsidenten die Funktion des Festivals als politische Plattform. Er nannte Locarno «eine Art Davos der lombardischen Seen». In der Person von EU-Kulturkommissarin Androulla Vassiliou wird dieses Jahr neben den Stammgästen aus Bern auch hoher Besuch aus Brüssel erwartet.

«Vielfalt ans Limit treiben»

Der künstlerische Direktor Carlo Chatrian, der im September zum Nachfolger von Olivier Père ernannt worden war, kündigte am Mittwoch seinerseits die Hollywoodstars Faye Dunaway und Christopher Lee («The Hobbit») an. Wie bereits bekannt, geht der Ehrenleopard des 66. Festival del film an den deutschen Filmregisseur Werner Herzog.

Informationen über weitere prominente Gäste sind zu erwarten. Bei der Programmation sei es sein Ziel gewesen, die «Vielfalt ans Limit zu treiben», sagte Chatrian. Sinnbildlich stünden hierfür Eröffnungs- und Schlussfilm als «zwei Extreme» , die Actionkomödie «2 Guns» und der französische Dokfilm «Sur le Chemin de l'Ecole».

Das mit Glamour konnotierte US-Kino ist in den wichtigsten Sparten eher schwächer vertreten als in den Vorjahren, doch der kultige Franzose Quentin Dupieux («Rubber») präsentiert mit «Wrong Cops» eine US-Produktion als Weltpremiere. Auch die Komödie «We're the Millers» mit Jennifer Aniston läuft auf der Piazza Grande. Zu Chatrians erklärten Zielen gehört es, das italienische Kino wieder enger an Locarno zu binden. Zum ersten Mal seit Jahren ist denn auch wieder die Uraufführung eines italienischen Werks auf der Piazza zu sehen: «La variabile umana» von Bruno Oliviero.

Drei Schweizer Anwärter

Im internationalen Wettbewerb fällt die starke Präsenz des ostasiatischen Kinos auf. Auch gleich drei Schweizer Filme rittern um den Hauptpreis der grössten Kulturveranstaltung des Landes. Thomas Imbach stellt in «Mary, Queen of Scots» ein Stück europäische Geschichte dar, während Yves Yersin in seinem Dokfilm «Tableau noir» von einer kleinen Schule im Neuenburger Jura berichtet.

Die italienisch-schweizerische Koproduktion «Sangue» von Pippo Delbono handelt vom Tod der Mutter des Regisseurs und von einem Terroristen, der seine Taten nicht bereut. In der Reihe Concorso Cineasti del presente für Erst- und Zweitlinge ist die Koproduktion «L'Harmonie» des Schweizers Blaise Harrison im Rennen. Die Jury des internationalen Wettbewerbs wird vom philippinischen Regisseur Lav Diaz geleitet, der Zürcher This Brunner entscheidet bei der Vergabe des Goldenen Leoparden ebenfalls mit. Präsident der Cineasti-Jury ist der deutsche Filmemacher Hartmut Bitomsky.

SDA

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