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Grosser Gewinner: Hollywood liebt «The Artist»

In Hollywood wurden in der Nacht die Oscars verliehen. In den wichtigsten Kategorien siegte der Stummfilm «The Artist». Auch Woody Allen gewann eine Statue – doch er erschien nicht zur Verleihung.

«The Artist» ist der grosse Gewinner des Abends. Der Stummfilm gewinnt unter anderem den Oscar in der Kategorie «Bester Film» und «Bester Schauspieler» mit Jean Dujardin.
«The Artist» ist der grosse Gewinner des Abends. Der Stummfilm gewinnt unter anderem den Oscar in der Kategorie «Bester Film» und «Bester Schauspieler» mit Jean Dujardin.
Reuters
Auch die Kategorie «Beste Regie» geht an «The Artist» mit Michel Hazanavicius.
Auch die Kategorie «Beste Regie» geht an «The Artist» mit Michel Hazanavicius.
Reuters
...Shailene Woodley aus «The Descendants».
...Shailene Woodley aus «The Descendants».
Keystone
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Der Stummfilm «The Artist» ist der grosse Gewinner der 84. Oscarverleihung. Er gewann in der Nacht fünf der begehrten Trophäen, unter anderem in den wichtigen Kategorien «Bester Film», «Beste Regie» und «Bester Hauptdarsteller». Wim Wenders' 3D-Tanzfilm «Pina» bekam keinen Oscar. In der Kategorie «Bester Dokumentarfilm» wurde er von dem US-Film «Undefeated» geschlagen. Der Kurzfilm «Raju» des norddeutschen Regisseurs Max Zähle ging ebenso leer aus. Auch Kostümdesignerin Lisy Christl («Anonymus») hatte das Nachsehen.

Michel Hazanavicius' Filmexperiment war als Favorit ins Oscar-Rennen gegangen und wurde allen Erwartungen gerecht. Zwar gewann Martin Scorseses 3D-Film «Hugo Cabret» ebenfalls fünf Oscars, «The Artist» räumte aber in den entscheidenden Kategorien ab. Er ist seit 83 Jahren der erste Stummfilm, der einen Oscar gewinnt. Neben dem Preis als bester Film, wurden Regisseur Hazanavicius und sein Hauptdarsteller Jean Dujardin geehrt. Dujardin ist der erste Franzose, der in der Hauptdarsteller-Kategorie einen Oscar erhält.

Bei «The Artist» gefielen den Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausserdem die Kostüme von Mark Bridges und die – für den Stummfilm so wichtige – Musik von Ludovic Bource. Scorseses Film räumte in den Technik-Kategorien, bei der Kameraarbeit, bei Ton, Tonschnitt, visuellen Effekten und beim Szenenbild ab. An dem Oscar für die besten visuellen Effekte war das Frankfurter Pixomondo-Studio massgeblich beteiligt.

Meryl Streep mit drittem Oscar

Während die Macher von «The Artist» zum allergrössten Teil Oscar-Neulinge waren, war US-Schauspielerin Meryl Streep zum mittlerweile 17. Mal nominiert. Für ihre Verkörperung der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher in «Die Eiserne Lady» bekam die 62-Jährige unter grossem Applaus ihren dritten Oscar. Zuletzt hatte sie die Auszeichnung vor rund 30 Jahren für ihre Rolle in «Sophies Entscheidung» bekommen. Streep war sichtlich bewegt und bedankte sich bei vielen ihrer Wegbegleiter in ihrer beispiellosen Karriere. Preise seien schön, aber viel wichtiger seien Freunde, sagte sie.

Seinen vierten Oscar bekam Woody Allen für sein Drehbuch zu «Midnight in Paris», bei dem er auch Regie führte. Er nahm seinen Preis nicht persönlich entgegen.

Als beste Nebendarsteller wurden die US-Schauspielerin Octavia Spencer («The Help») und der Kanadier Christopher Plummer («Beginners») ausgezeichnet. Der 82 Jahre alte Plummer ist damit der älteste Oscarpreisträger aller Zeiten. Das fünffach nominierte Familiendrama «The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten» wurde immerhin mit einem Oscar bedacht – dem für das beste adaptierte Drehbuch, an dem auch Regisseur Alexander Payne mitgeschrieben hat. Die beiden sechsfach nominierten Filme «Die Kunst zu gewinnen – Moneyball» und «Gefährten» gingen leer aus.

Die Auszeichnung für den besten nicht-englischsprachigen Film ging an die iranische Produktion «Nader and Simin – A Separation» von Asghar Farhadi. Der Film hatte im vergangenen Jahr den Goldenen Bären bei der Berlinale gewonnen und ist der erste iranische Film, der einen Oscar bekommt.

Billy Crystals neunte Show

Zum besten Filmsong wurde «Man or Muppet» aus dem Film «Die Muppets» gewählt. Kermit und Miss Piggy waren auch unter den Präsentatoren der von Billy Crystal souverän und durchaus unterhaltsam moderierten Show, die ganz im Zeichen der Nostalgie stand. Dazu passte irgendwie auch, dass Crystal nach acht Jahren wieder als Oscar-Gastgeber zurückgekehrt war. Es war seine neunte Moderation der Gala, weshalb er sich gleich zu Beginn selbst «War Horse» nannte, in Anspielung auf den englischen Titel des nominierten Filmes «Gefährten».

Er machte zudem immer wieder Witze über den Namen des Veranstaltungsorts. Nach der Pleite von Eastman Kodak kann er nicht mehr Kodak Theatre heissen, sondern hat erst einmal den Namen des Komplexes, in dem er sich befindet, «Hollywood and Highland Center», bekommen. Ausserdem nahm Crystal die Veranstaltung selbst auf die Schippe, indem er sagte, nichts sei so gut gegen die Wirtschaftskrise, wie Millionären dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig goldene Statuen überreichten.

Alle Resultate

Bester Film: «The Artist» Beste Regie: Michel Hazanavicius («The Artist») Bester Hauptdarsteller: Jean Dujardin («The Artist») Bester Nebendarsteller: Christopher Plummer («Beginners») Beste Hauptdarstellerin: Meryl Streep («The Iron Lady») Beste Nebendarstellerin: Octavia Spencer («The Help») Bester animierter Spielfilm: «Rango» Bestes Szenenbild: «Hugo Cabret» Beste Kamera: «Hugo Cabret» Bestes Kostümdesign: «The Artist» Bester Dokumentarfilm: «Undefeated» Bester Dokumentar-Kurzfilm: «Saving Face» Bester Schnitt: «The Girl with the Dragon Tattoo» Bester fremdsprachiger Film: «Nader und Simin – A Separation» (Iran) Bestes Make-up: «Die Eiserne Lady» Beste Filmmusik: «The Artist» Bester Song: «Man or Muppet» aus «Die Muppets» Bester animierter Kurzfilm: «The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore» Bester Kurzfilm: «The Shore» Bester Tonschnitt: «Hugo Cabret» Bester Ton: «Hugo Cabret» Beste visuelle Effekte: «Hugo Cabret» Bestes adaptiertes Drehbuch: «The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten» Bestes Originaldrehbuch: «Midnight in Paris» Ehrenoscar: James Earl Jones

dapd/bru

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